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Home > Go!Special > Rückblick > 2008-01-13 > Kreuzverhör2008-01-13

Fragen und Antworten aus dem Kreuzverhör des Go!Special am 13. Januar 2008

Haben Sie das Beste aus sich gemacht?

So lautete der Titel des Go!Special am 13. Januar 2008. Die Fragen der Gottesdienstbesucher im Kreuzverhör sollen nicht untergehen. Pastor Matthias Richter hat sich noch mal drangesetzt und versucht, auf dieser Seite kurze Antworten auf alle Frage-Karten zu geben. Manchmal hat er Fragen mit der gleichen Intention zusammengefasst. Drei Fragen hat er nicht verstanden, zwei konnte er nicht lesen.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Antworten nur sehr kurz und nur eine erste Anregung für das eigene Weiterdenken sein können.

 

1. „Muss man sich diese Frage überhaupt stellen?“

Müssen muss man es nicht. Aber meistens kommt diese Frage von alleine. Und das bedeutet in vielen Fällen, dass sich ein Hingucken auf den eigenen Lebensstil lohnt. Und dann sollte man sie ernst nehmen und sich mit ihr auseinandersetzen.

 

2. „Was ist denn eigentlich das Beste?“

Das wird Ihnen kein anderer für Sie beantworten können. Ich glaube, dass Sie einer Antwort für sich auf die Spur kommen, indem Sie sich die eigenen Ziele und Hoffnungen, Begabungen und Fähigkeiten bewusst machen und für sich prüfen, ob sie im eigenen Leben den Stellenwert haben, den Sie sich wünschen.

Wichtig ist für mich aber immer wieder, nach Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten zu suchen, die auch im vermeintlichen „Nicht-Besten“ liegen. Gut, wenn das im Dialog mit den Menschen geschieht, mit denen ich mein Leben teile.  Und für diesen Prozess finde ich es wichtig, mit Gott im Kontakt sein – der einfach einen größeren Überblick hat, als ich ihn haben könnte. Dem lege ich meine Fragen vor und bitte ihn, dass er mich auf eine gute Spur bringt.

 

3. „Die Frage muss lauten: Bin ich zufrieden mit dem, was aus mir wurde –oder?“

Ich glaube, dass das in der Tat eine Variation der gestellten Frage ist.

 

4. Nach welchen Maßstäben „das Beste“? Sollte es nicht heißen „Sind Sie im Leben glücklich geworden?“

Ich bin mir nicht so sicher. Manchmal war ich nicht glücklich, aber es war trotzdem das Beste, was halt möglich war.

 

5. „Wie schaffe ich es, einen ganz neuen Weg zu gehen, wenn ich merke, dass ich in einer Sackgasse stecke?“    -    „Kennen Sie das Gefühl: Sie spüren stark, sie sollten dieses oder jenes tun, sie kommen aber nicht in die Handlung, weil der Mut fehlt. Wie gehen Sie damit um?“

Das kenne ich sehr gut. Ich gönne mir mehrere Anläufe. Und manchmal gestehe ich mir ein, dass ich es alleine nicht packe und mir Unterstützung gut tut. Deswegen ermutige ich Sie: Suchen Sie sich Hilfe und Unterstützung. Wagen Sie es, sich jemandem zu öffnen.

Nach meiner Erfahrung können wir Menschen uns leicht alleine in Sackgassen reinbringen. Aber um wieder rauszukommen brauchen wir oft Unterstützung. Ich finde es oft einen Wahnsinn, wenn man denkt: „Da muss ich alleine durch“.

 

6. Ich liebe den Satz von Paulus: „Denen, die Gott lieben, werden alle Dinge zum Besten dienen“. Eine Frage ist das nicht, aber mein kleiner Beitrag.

Ich danke Ihnen für diesen Beitrag. Ich wollte eigentlich genau diesen Vers, der mir persönlich sehr lieb und wichtig ist, zur Predigtgrundlage machen.

Mich hat davon abgehalten, dass man ihn so leicht missverstehen und auch missbrauchen kann. Das wäre dann der Fall, wenn man mit diesem Satz leicht über alles Leid hinweggeht und die nötige Anteilnahme vermissen ließe – so nach dem Motto: Das dient dir schon noch irgendwie zum Besten.

Für mich bedeutet er, dass ich auch im Leid auf Gott an meiner Seite vertraue und darauf, dass er mich weiterführt. Das ist für mich ein ganz wertvoller Gedanke. Und trotzdem kenne ich auch Lebensereignisse, da ist es mir unmöglich zu glauben, dass das zum Besten diesen soll. Da ist hadere ich eher mit Gott und frage ihn, was das soll.

Vielleicht kann man diesen Vers nur für sich selbst bestätigen.

 

7. „Das Beste aus sich zu machen ist doch auch ein Prozess, der nie abgeschlossen ist, solange man lebt. Was meinen Sie?“

Auf alle Fälle ist das so. Umgekehrt ist es aber wichtig, sich dieser Frage zu stellen und sie ernst zu nehmen, wenn sie auftaucht – und sie nicht auf den St. Nimmerleinstag zu verschieben. Sonst sehe ich die Gefahr, dass man zurückblickt und über zu viele verpasste Chancen trauert.

 

8. M. E. liegt Ihrer Predigt eine zielgerichtete Definition zugrunde. Habe ich nicht auch schon das Beste aus mir gemacht, wenn ich jede Herausforderung angenommen habe und die mir den Umständen nach beste Entscheidung getroffen habe?

Ich würde sagen: JA, wenn Sie später dazu stehen können und Ihnen diese vermeintlich beste Entscheidung so gut wie möglich getan hat.

 

9. „Muss ich Gott immer danken oder bitten? Oder darf ich auch mal meckern oder schimpfen?“

Natürlich dürfen Sie. Die Bibel ist voller Menschen, die ihn anklagen, die ihn mit Fragen bedrängen, die ihn regelrecht beschimpfen. Der hält das aus. Für mich ist es wichtig, auch bei Enttäuschungen über Gott den Kontakt zu ihm nicht abreißen zu lassen.

 

 10. „Wie kann ich die richtige Entscheidung zwischen Familie und Karriere treffen?   -   „Das Beste für mich ist nicht unbedingt das Beste für meine Mitmenschen. Ist nicht deshalb das Beste immer ein Kompromiss?“

Klar - kein Mensch macht das Beste aus sich, wenn er konsequent gegen seine Mitmenschen lebt, denn er würde seine Menschlichkeit verlieren. Umgekehrt glaube ich auch, dass es gerade die menschlichen Beziehungen und die Erfahrungen von Vertrauen sind, die ein Leben reich machen. Deswegen geht es dann oft wirklich um Kompromisse. Aber ständige  Kompromisse können auch alles verwässern, auch ein Leben. Deswegen finde ich es manchmal auch nötig, dass ich ganz zurückstehe und nur für Andere denke und lebe. Und manchmal habe auch ich Vorrang. Und dann stehen andere zurück.

 

11. „Es geht doch auch darum, dass ich für Andere das Beste mit erreicht habe. Das macht doch auch meine Zufriedenheit aus, oder?“

Auf alle Fälle ist das so. Und doch finde ich es wichtig, dass meine eigenen Gaben und Ziele nicht ganz untergehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sonst auf Dauer zufrieden sein kann und langfristig Kraft dafür hat, sich für Andere einzusetzen.

 

12. „Aufbruch zu etwas Neuem kann auch finanziell sehr riskant sein, vor allem, wenn man Familie hat. Wie soll man sich verhalten?“

Reden. Und gemeinsam den Jetzt-Zustand und die Chancen und Risiken abzuwägen.

Ich würde nie jemandem empfehlen, seinen Job hinzuschmeißen, einer schnellen Eingebung eines Selbstverwirklichungstrips zu folgen – und dann nicht mehr zu wissen, wie man seine Miete bezahlt.

Und klar stecken wir auch in Zwängen, aus denen man wirklich nicht so einfach rauskommt.

Ich glaube aber, dass in unserer Vorstellung diese Zwänge oft größer sind als in Wirklichkeit und dass es sich lohnt, gemeinsam nachzudenken, welche Spielräume man hat. Vielleicht gibt es Teilbereiche, in denen man anfangen kann, etwas Neues zu probieren. Und das kriegt man am Besten im Dialog raus – mit Menschen und mit Gott.

 

13. „Wenn Gott das Beste aus uns macht, was machen wir dann selbst? Dann können wir ja die Hände in den Schoß legen.“

Es gibt zwei Extreme. Das erste ist wohl zu sagen: „Ich bin meines Glückes Schmied und für mein Leben allein verantwortlich. Ich kann mir mein Glück machen.“ Man muss dann wohl irgendwann an einen Punkt kommen, an dem man merkt: Das haut nicht hin. Oft sind das Erfahrungen von Krankheit und Leid.

Das andere Extrem: Ich kann nichts, und bin nichts – und lege die Hände in den Schoß. Das halte ich für genauso verkehrt, weil es übersieht, dass Gott mir viele Möglichkeiten gegeben hat, Verstand, Ziele und Sehnsüchte, die ich einsetzen kann und soll.

Ich finde es wichtig, in den eigenen Grenzen Verantwortung für das Leben, das eigene und fremde, zu übernehmen – und gleichzeitig zu wissen: Das ist noch nicht alles.

 

14. „Muss es immer Veränderung sein? Kann es nicht auch sein, dass man mit diversen nicht perfekten Dingen im Leben klar kommen muss?“

Natürlich muss man das. Aber ich finde es wichtig, dass man sich auch überlegt: Ist das eine Sache, die ich ändern kann? Und wenn ja, lohnt sich auf alle Fälle die Frage: Will ich das anpacken?

Ein bisschen bringt das das bekannte Gebet auf den Punkt: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

 

15. „Gott hilft – schön, wenn man’s erlebt. Hat Gott mir auch etwas anzubieten, wenn mich Krankheit und Leid daran hindern, auch nur das annähernd Beste aus meinem Leben zu machen?“   -   „Und was macht einer aus sich, der in seinem Leben durch Krankheit oder Arbeitslosigkeit stark eingeschränkt ist?“

 Ich glaube, dass die Frage nach dem Besten auch Verbitterung auslösen kann, wenn man selbst in seiner Situation ist, in der man wenig tun kann und der eigene Entscheidungsspielraum klein ist, weil man z.B. einfach keine angemessene Arbeit findet oder durch gesundheitliche Einschränkungen stark gebunden ist. Und trotzdem würde ich immer wieder raten, sich nicht allein auf die Krankheit oder den Job zu reduzieren oder reduzieren zu lassen - vielleicht können Sie in einem anderem Bereich wichtige Bestätigung für sich erleben. Ich sage das nicht, um die Probleme Arbeitslosigkeit oder Krankheit kleinzureden - das steht mir nicht zu und das wäre unrealistisch. Ich sage es, weil ich einfach so viele Gesunde kenne, die unglücklich sind - und so viele Kranke, die trotz ihrer Einschränkungen gerne und glücklich leben.

Zur ersten Frage in diesem Block: "Hat Gott mir auch etwas anzubieten..." fragen Sie. Bitte fragen Sie ihn das selbst. Und bitte verlieren Sie nicht den Mut, ihn zu bedrängen, bis eine von ihm eine Antwort bekommen haben. Dazu kann es allerdings auch hilfreich sein, Gott nicht auf die Rolle des "Anbieters" zu reduzieren.

16. Wieso lässt Gott Leid zu?

Eine echte Antwort weiss da kein Mensch. Und das wird so bleiben, solange wir auf dieser Erde sind. Deswegen meine ich: Diese Frage müssen wir immer wieder Gott stellen und ihn bedrängen, ihm das Leid klagen.  Für mich sind aber drei Aspekte wichtig. 1. Manches Leid machen wir Menschen uns selbst und ist eine Folge unseres Lebensstils. Wenn das so ist, dann ist eher eine Frage an uns. 2. Ich glaube, dass der entscheidende Umgang mit der Leidfrage nicht das Erklären ist, sondern das Mitleiden mit einem anderen Menschen.  3. In manchen Fällen kann es interessant und hilfreich sein, nicht nur "warum" zu fragen, sondern "wozu".

 

17. Warum geht die Kirche nicht noch mehr in die Arbeitswelt?

Die institutionalisierte Kirche mit bezahlten Mitarbeitern kann nicht überall sein. Wenn es sie interessiert, googeln sie doch mal zu dem Thema, dann werden Sie die Arbeitsbereiche des "Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt entdecken. Die können natürlich nur punktuell sein. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Verantwortung für christliche Werte und Lebenssichten nicht an Profis delegieren, sondern uns eher bewusst machen: Die einzelnen Christen, das ist die Kirche in der Arbeitswelt.

18. Was tut die Kirche für die Arbeits- und Wohnungslosen, speziell in der Winterzeit?

Es gibt kirchliche Projekte in beiden Bereichen. In Hamburg steht z. B. die Evangelische Kirche wesentlich hinter „Hinz und Kunzt“, in Buxtehude hinter der Wärmestube und der Tafel. Das finde ich ein unglaublich wichtiges Projekt unserer Nachbar- und Innenstadtgemeinde St. Petri.

Natürlich kann man immer sagen „Die Kirche sollte da noch mehr tun.“ Ich frage dann immer: Wer ist eigentlich die Kirche? Und antworte: Das sind wir Christen, die im Alltag präsent sein müssen. Es geht nicht an, die Verantwortung an „die da oben“ oder an eine Institution delegieren zu wollen. Die Kirche sind wir.

 

19. „Hat man ein Recht auf das Beste und was hat Demut für einen Platz, wenn ich die Frage mit Nein beantworte?“

 Natürlich habe ich keinen Rechtsanspruch, den ich durchboxen könnte, notfalls vor einem "himmlischen Gerichtshof". Aber ich würde mein Sehnen auch nicht zu schnell aufgeben und das Hoffen auf das Beste. Natürlich - manchmal ist auch Demut ein wichtige Wert - aber nur, wenn Demut nicht heimlich ein anderes Wort für "Resignation" ist.

20. „Was gibt dir die Sicherheit, dass Gott deine Wege bestimmt?“ -  „Woher wissen Sie, dass Gott Ihr Leben zum Guten gefügt hat?“

Ich weiß es nicht in dem Sinne, wie ich weiß, dass 2+2=4 ist.

Wenn es um ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis geht, dann kommt man mit „Wissen“ meistens nicht weit – so wie man nicht wirklich „wissen“ kann, ob einen der Partner wirklich liebt. Man entdeckt es vielmehr aus einer Beziehung heraus.

Ich stehe mit Gott in einer solchen Beziehung: Ich sage dem, was mich umtreibt, meine Fragen, meinen Kummer, meine Freude. Und der antwortet – manchmal schickt er mir einen Gedanken, mal einen Menschen, manchmal fügt sich etwas…

Vielleicht ist es der erste Schritt, so zu tun als ob man an Gott glaubte und einfach anzufangen mit ihm zu reden, ihm einen Platz im Leben einzuräumen, sich auseinanderzusetzen mit der Bibel, die Gemeinschaft mit anderen Christen zu suchen. Dadurch entsteht auch kein Wissen, aber ein Vertrauen, dass trägt.

Wenn Sie damit anfangen wollen empfehle ich Ihnen das Buch „Expedition zum Ich“ von Klaus Douglass – wahrscheinlich werden Sie staunen …

 

21. „Wie gehe ich in der heutigen Zeit mit dem Wort von Jesus um: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“?  -  „War der Mittelteil Ihrer Predigt ein Plädoyer für die „Ehe auf Zeit“?“

Ich habe noch nie erlebt, dass Brautpaare nicht davon überzeugt sind, dass sie ihr ganzes Leben miteinander teilen wollen. Und das ist auch wichtig und nötig, wenn man JA zu einem anderen sagt. Aber gleichzeitig gestehe ich jedem Menschen auch zu, dass er scheitern kann und darf – alles andere wäre unmenschlich. Genau das sagt Jesus auch. Paare können an einen Punkt kommen, wo sie sich eingestehen: „Wir können das nicht durchhalten, was wir einander versprochen haben. Wir müssen gestehen, dass wir etwas falsch gemacht haben und schuldig geworden sind.“ Und da finde ich es wichtig, dass das Umfeld dann nicht zusätzlich mit Verwerfungen kommt, womöglich noch scheinbar-christlich untermauert.

In jedem Fall finde ich es wichtig, dass eine Trennung nicht vorschnell und leichtfertig geschieht und dass man Hilfe von außen in Anspruch nimmt.

In manchen Fällen denke ich sogar, dass eine Trennung auch der bessere Weg sein kann. Psychologen haben rausgefunden, dass für Kinder eine konstruktive Trennung und eine gemeinsam wahrgenommene Elternschaft getrennter Paare besser sind, als täglicher Kampf zuhause. Das finde ich nachdenkenswert.

                        

22. "Wie fördern Sie die Kommunikation in der Ehe?"

Das ist ein wichtiges Thema, dass ich nicht in drei Sätzen behandeln kann. Das Beste, was ich Ihnen dazu empfehlen kann, ist das Buch des Paartherapeuten John M. Gottman, Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe.

23. "Woran merke ich, dass Sie an Gott glauben, speziell in diesem Gottesdienst?"

 Woran Sie das merken, hat ja auch was mit Ihrer Erwartung zu tun. Sie könnten es z. B. daran merken, dass ich in einem Kontakt mit Gott stehe, mit und von ihm spreche, ihn in meine Lebenspläne einbeziehe. Oder war Ihre Frage anders gemeint?

24. „Darf mich jeder segnen?“

Wenn Sie sich segnen lassen wollen, ja! Gott ist es, der hinter den Kräften steht, die beim Segen transportiert werden – und an ihm allein liegt es, was aus einem Segen wird.

Die Menschen, die segnen, sind da zweitwichtig. Ich möchte Sie ermutigen, selber zu segnen und Erfahrungen zu sammeln.

25. „Woran machen Sie den Sinn des Lebens fest?“

Das ist eine der großen Lebensfragen - und auch nicht wirklich in einer Minute zu beantworten. Ich bin überzeugt, dass Menschen ihr Leben dann als sinnvoll erleben, wenn sie an etwas Anteil haben, das 1. sicher über sie selbst hinaus geht, zeitlich, räumlich und inhaltlich und 2. das sie mit anderen Menschen teilen können.

Beispiele: Familie oder Ehe ist für mich wichtig, kann aber kein "Sinn" sein. Denn was mache ich, wenn mein Partner geht - ist dann mein Lebensinn weg? Umgekehrt: Auch eine Briefmarkensammlung gibt keinen Sinn, weil der menschliche Anteil fehlt.

Wo beide Aspekte erfüllt sind und sie sich dieser Sache hingeben können, werden Sie höchstwahrscheinlich die Erfahrung machen, dass Sie Ihr Leben als sinnvoll erleben. Und es wird sie nicht wundern, dass ich mein Leben Gott gebe und es die Verbindung mit ihm ist, die meinen Sinn macht. Der wollte mich - der wartet einmal auf mich - der verbindet mich mit anderen.

 26. „Sie sind ein Träumer. Wovon träumen Sie?“

Ich bin natürlich nicht nur ein Träumer. Ich bin auch Realist, mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Aber eben auch mit den Augen immer auf der Horizontlinie, und nicht nur auf den nächsten Schritt gerichtet.  Und so träume ich von einer Welt, in der Menschen gut miteiander leben, ihre Freude und ihre Angst teilen, aufeinander achthaben. Ich träume davon, dass wir es schaffen, diese Welt in ihrer Schönheit für nachfolgende Generationen zu bewahren. Ich träume davon, dass die Spannungen und Unterschiede zwischen Nationen und Religionen nicht mehr zur Gewalt führen. Und ich träume davon, dass es eine Kirche gibt, die es schafft, die Kraft des Glaubens so einladend und einleuchtend zu leben, dass viel mehr davon erreicht werden. Diese Träume sind keine Schäume, an einzelnen Punkten arbeite ich auch immer wieder.

Ich bin überzeugt: Wo Menschen und Institutionen keine Träume und Visionen haben, da sind sie arm.

27. „Ist die Entscheidung, Pastor zu werden, die erst-, zweit-, oder drittbeste Entscheidung gewesen? Oder wollten sie lieber was völlig anderes werden?“

 Es war das Beste, was mir passieren konnte. Denn in diesem Beruf habe ich die Chance, das, was mir persönlich wichtig ist, mit ganzer Lebenskraft weiterzugeben. Wenn ich allerdings denke, wie es zu der "Entscheidung" gekommen ist, staune ich, denn es war irgendwie auch eine Fügung und Führung dabei. Ich wäre sonst auch gerne Jurist geworden.

28. „Die Kirche ist heute voll. Warum veranstaltet man nicht häufiger solche Gottesdienste, auch am Sonntagmorgen?“

Vielleicht kommt das noch, auch Kirchen müssen und werden sich wandeln. Viele Kirchen sind aber auch sonst gut besucht. Hätten Sie vermutet, dass jedes Wochenende mehr Menschen einen Gottesdienst besuchen als auf allen Fußballplätzen der Republik anzutreffen sind? Und ich finde es wichtig, dass auch die einen Platz in der Kirche behalten, die die schönen alten Formen und Traditionen lieben

29. "Warum macht St. Paulus nicht mit bei der "Allianz"?"

Ich weiss nicht, ob es darüber einen offiziellen Beschluss des Kirchenvorstandes gibt. Für mich ist aber zentral: Ich wüsste nicht, warum wir da mitmachen sollten. Ich habe diesen Zusammenschluss in den letzten 6 Jahren nicht als hilfreich, positiv ausstrahlend oder auch nur notwendig erlebt.

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