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Home > Go!Special > Rückblick > 2008-04-13 > Kreuzverhör2008-04-13

Kreuzverhör am 13. April 2008 - Fragen und Antworten

Pastor Matthias Richter (links) wird von Rüdiger Hohl mit Publikumsfragen ins Kreuzverhör genommen.

Wie kann ich Gott herausfordern, dass es mir gelingt mich zu lieben?

Gott fordert man heraus, indem man mit ihm spricht. Seien Sie ganz ehrlich mit ihm. Sagen Sie ihm, wo Sie mit Ihrem Leben nicht klarkommen. Sprechen Sie aus, was Ihnen wie ein Stein auf der Seele liegt. Bekennen Sie vor ihm, was Sie falsch gemacht haben. Sagen Sie ihm auch, wo Sie von ihm enttäuscht sind. Und bitten Sie ihn, dass er Ihnen einen Weg zeigt, wie Sie bei ihm, bei sich und bei Ihren Mitmenschen ankommen. Und dann seien Sie neugierig und voller Erwartungen, wie er den Dialog mit Ihnen aufnimmt.

 

Wie gehe ich mit denen um, die sich ewig in den Vordergrund schieben?

Jemand, der sich ständig in den Vordergrund schiebt und sich wichtig tut, lebt ja davon, dass seine „Strategie“ ankommt. Im Medienbereich wird uns das vorgemacht. Mini-Sternchen blasen sich auf – und kommen an. Wer sich so in den Vordergrund schiebt, lebt davon, dass andere ihn bewundern. Wenn Sie das nicht mehr wollen, dann tun Sie das auch nicht mehr. Vielleicht finden Sie sogar den Mut, das auszusprechen.

 

Wirkt man nicht egoistisch, wenn man sich selbst liebt?

Vielleicht wirkt man im Einzelfall wirklich mal so. Aber wie man „wirkt“ ist ja nicht das Entscheidende. Ist es denn wirklich schlimm, wenn Sie auf jemanden egoistisch wirken? Wichtig ist es doch, dass Sie es nicht sind! Und noch wichtiger wäre es doch, dass man sich selbst annehmen kann und weniger abhängig ist von der Wirkung, die man auf andere hat. Und ich bin überzeugt: Wer sich selbst annimmt, seine Stärken, Grenzen und Schwächen respektiert, wird viel weniger Egoismus nötig haben als jemand, der das nicht kann.

 

Wie schaffe ich es, mich selbst zu lieben, ohne überheblich zu sein?

Wenn Sie sich echt selbst lieben, dann heißt das, dass Sie Ihre Schwächen nicht ausblenden. Mit Verlaub: Dann werden Sie zur Überheblichkeit keinen Grund haben. :-)

 

Wie und wo kann ich lernen mich zu lieben, wenn ich in einer Umgebung lebe, die mich nicht ernst nimmt und mich ablehnt?

Ich würde versuchen, aus diesem Umfeld rauszukommen, wenn ich es nicht ändern kann. Und wenn das nicht geht und Sie nicht alle Brücken abbrechen wollen: Suchen Sie sich einen Ausgleich. Ich bin sicher, dass es Menschen gibt, die Sie völlig anders  wahrnehmen als Ihr momentanes Umfeld. Gehen Sie auf die Suche. Vergessen Sie Ihre Kirchengemeinde nicht auf dieser Suche – ich hoffe sehr, dass Sie hier ganz andere Erfahrungen machen können.

 

Glauben Sie, dass sich Alt und Jung jemals miteinander verstehen können?

Ich verstehe mich manchmal mit wesentlich Jüngeren und wesentlich Älteren besser als mit manchen Gleichaltrigen. Ich glaube nicht, dass das Alter das entscheidende Kriterium ist. Wenn Sie die Erfahrung machen, dass das bei Ihnen bislang nicht geht: Vielleicht wäre es mal interessant zu prüfen, ob Ihre Differenzen am Alter liegen – oder an etwas ganz anderem.

 

Wenn Gott mich liebt, warum hat er dann zugelassen, dass man mich so klein gemacht hat und dass ich es als Erwachsene auch noch zugelassen habe?

Ich finde, dass das erstmal keine Frage an Gott ist. Wir sind ja nicht seine Marionetten. Es ist erstmal eine Frage an die Menschen, die Sie begleitet haben. Die sind dafür verantwortlich, was mit Ihnen geschehen ist. Vielleicht ist es wichtig, dass Sie heute auf die richtig wütend sind und sich diese Wut erlauben. Und Ihre zweite Frage drückt ja aus: Wenn Sie das Spiel durchschauen, haben Sie den ersten Schritt zur Selbstliebe schon geschafft.

 

Zuhause streiten wir oft über Kleinigkeiten, die mein Partner nicht an mir mag. Was mache ich ab morgen anders?

Erstmal finde ich Streiten gar nicht so schlimm. Zumindest wenn der Streit nicht in Kampf ausartet oder unter der Gürtellinie endet. Vielleicht könnte der Gedanke hilfreich sein, dass Streit zu einer Beziehung dazu gehört. Wir denken oft, die himmlische Harmonie wäre der Beziehungsnormalfall. Aber das ist ja nicht so. Streit kann ganz produktiv sein – Reibung erzeugt eben auch Wärme. Wichtig wäre für mich, dass man gegenseitig erkennt, dass es Punkte am jeweils anderen gibt, die man schwierig findet. Hoffentlich gibt es auch andere Punkte! Machen Sie sich die bewusst! Dann kann die Bedeutung der Differenzen nicht ins Bodenlose wachsen. Und vergessen Sie bitte nicht: Eine Beziehung lebt davon, dass man unterschiedlich ist. Ich denke manchmal an den Spruch: „Es ist gut, dass es einen Menschen wie dich gibt. Aber manchmal weiß man selbst ganz genau: Einer von meiner Sorte ist auch genug.“

 

54 Jahre, ohne guten Job, zunehmend krank, Ehe auch stark mit Komplikationen – noch Chancen?

Das klingt bedrückend – und ist es wahrscheinlich auch, mehr noch als auf eine Karte passt. Wenn die Frage dann lautet, ob Sie einen Grund haben, sich selbst zu lieben, sage ich JA. Trotz allem. Bitte hören Sie nicht auf, nach Veränderungsmöglichkeiten zu suchen. Ich würde auch danach ausschauen, ob es andere Lebensfelder neben Job, Ehe und Gesundheit gibt, die Sie faszinieren können, wo Sie ganz Sie selbst sein können. Ich weiß, dass das schwer ist, weil die drei genannten Felder so zentral sind. Aber trotzdem spiegeln sie vielleicht nicht Ihr ganzes Leben wider.

 

Wäre es nicht hilfreich, wenn wir aufhören würden, uns von anderen Menschen ein Bild zu machen?

Wir Menschen brauchen Bilder. Wir müssen immer wieder rauskriegen, wie der /die andere ist. Wichtig ist aber zu wissen, dass der echte Mensch noch ganz anders ist als das Bild, das ich mir von ihm mache. Dass ich das Bild auch mal verändere und nicht umgekehrt erwarte, dass sich mein Mitmensch an mein Bild von ihm anpasst. Genau da liegt auch der Sinn des Gebotes: „Du sollst dir von Gott kein Bildnis machen“.

 

Nehme ich mir nicht die Chance zur Weiterentwicklung, wenn ich zufrieden mit mir bin? Schließt Selbstliebe die Reue aus?

Bei echter Selbstliebe geht es für mich nicht darum, dass ich einfach satt und zufrieden mit mir bin und mein Leben selbstgefällig betrachte. Es geht darum, dass ich sagen kann: Ich bin so, wie ich bin – mit Stärken und Schwächen, Gaben und Grenzen. Ich laufe nicht vor mir weg und ich spiele kein Theater, dass ich ein anderer wäre. Wenn ich das kann und mich so realistisch betrachte, dann wird in mir der Wunsch entstehen, dass ich nicht in jedem Fall so bleiben will, wie ich bin. Ich werde mich um Weiterentwicklung bemühen, weil ich es will, weil ich meine Gaben zur Entfaltung bringen will. Ich tue es aber nicht, weil es sich so gehört, weil alle so sind, weil jemand es von mir erwartet, weil ich jemandem gefallen will. Das ist der Unterschied.

 

 

Wie kann ich meine Freundin, die so oft ihre Schwächen ausdrückt und selten was genießen kann, ermutigen, sich selbst anzunehmen?

Loben, loben, loben Sie sie. Leihen Sie ihr Ihre Augen und Ihre Wahrnehmung. Sagen Sie ihr, was Sie an ihr mögen, welche Stärken Sie an ihr sehen. Seien Sie dabei gleichermaßen kreativ, liebevoll und ehrlich. Und beten Sie für sie.

 

Bei dem besagten Brief hätte ich mich gefragt: „Zu was will man mich überreden? Oder was will man mir verkaufen?“

Ja, das kommt daher, weil wir oft erlebt haben, dass jemand uns mit Bestätigung fangen und benutzen will. Aber gleichzeitig hoffe ich für Sie, dass Sie die Erfahrung auch kennen und immer wieder machen können, dass Sie jemand so lobt und bestätigt, weil Sie es sind. Schlimm wäre es ja, wenn wir für solch echte Annahme nicht mehr offen sind, weil wir ständig etwas wittern. Damit tun wir uns keinen Gefallen.

 

Können Sie mir einen Rat geben, wie ich „blinde Flecken“ in meinem Spiegelbild wieder sichtbar machen kann? Oder soll ich sie blind lassen?

Eine schwere Frage. Manchmal ist es gut und wichtig, etwas aufzuarbeiten. Ich glaube aber, dass es Lebensbereiche gibt, die unter einer Decke schlummern, und an die man nicht alleine ran sollte. Sprechen Sie mit jemandem darüber, der Sie kennt.

 

Wie sehr lieben Sie sich?

Oft kann ich mich lieben. Ich hatte das Glück, dass ich als Kind viel Liebe in mich aufnehmen konnte und aufgewachsen bin mit dem Gefühl: Ich bin ein „Geschenk Gottes“– das bedeutet mein Name. Ich glaube, ich kenne einigermaßen meine Stärken und Schwächen. Oft schüttele ich den Kopf über mich und denke: „Da hast du ja wieder mal einen echten Bock geschossen.“ Es kommt schon mal vor, dass ich mir selbst peinlich bin. Aber trotzdem kann ich dann auch sagen: Das bin ich! Und ich bin - Gott sei Dank! – auch noch ganz anders!

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