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Home > Go!Special > Rückblick > 2008-07-06 > Kreuzverhör2008-07-06

Kreuzverhör am 06. Juli 2008 - Fragen und Antworten

 

1. „Ich habe immer gelernt, auf andere zu achten und Rücksicht zu nehmen. Wenn ich mal rausgehe, plagt mich schnell das schlechte Gewissen, weil mir andere den Rücken freihalten. Was kann ich tun, um leichter damit umzugehen?“ – „Wenn man die „Flucht nach vorne“ antritt, lässt man oft andere Menschen zurück, die einen brauchen würden. Wie geht man mit dieser Schuld um?“ - „Wieviel „Raus!“ und Veränderung verträgt unser Leben und Umfeld?“ - „Was mache ich, wenn mein näheres Umfeld meine Flucht nicht so gut findet?“

 

Die mit Abstand meisten Fragen gehen in diese Richtung: „Wie gehe ich mit dem Konflikt um, dass ich etwas für mich tue, mir etwas gönne und das mein Umfeld nicht gut findet?“

Ich würde natürlich niemandem raten, einen Schwerkranken hilflos zurück zu lassen, weil man was für sich tun will. Ich würde nie dazu raten, dass Sie einfach so jemanden im Stich lassen, der auf Sie angewiesen ist.

Und es ist mir auch wichtig, dass Sie in jedem Fall immer auch den Preis bedenken, den Sie für Ihre Flucht bezahlen. Dieser Preis kann ein Konflikt sein, dem Sie sich stellen müssen, ein Schatten, über den Sie springen müssen, eine Freundschaft, die Sie vielleicht riskieren.

Umgekehrt erlebe ich aber so viele Menschen, die das Gefühl plagt, „gelebt“ zu werden – und die aus falscher Rücksichtnahme und übertriebener Vorsicht keine Veränderung wagen.

Denken Sie an pflegende Angehörige, die über der Pflege krank werden, aber sich nicht trauen, die Aufgabe abzugeben. Denken Sie an Menschen, die in toten Beziehungen sterben, weil sie nicht den Mut haben zu gehen.

Wenn Ihr näheres Umfeld ihre Flucht „nicht so gut findet“, dann darf Sie das nicht automatisch von allem zurückhalten. Auch Sie haben ein Recht auf ein erfülltes Leben!

Ich sage das so deutlich, weil die Konsequenz ja wäre, dass Sie sich sonst aufgeben, eben auf ein „Leben in Fülle“ verzichten.

Ich glaube, dass wir das Konfliktpotentzial unserer Fluchten auch überschätzen – und unsere Mitmenschen unterschätzen. Ich kenne viele, die so ängstlich sind, dass sie sich nicht trauen, den anderen etwas zuzumuten. Sie denken, die anderen können das nicht tragen. Haben gleich ein schlechtes Gewissen, weil Sie eben nicht funktionieren. Doch das stimmt nicht: Die anderen können und müssen auch etwas tragen. Anders wäre das Ergebnis: SIE gehen an einem solchen Leben kaputt. Wem ist damit geholfen?

 

2. Was ist, wenn die Flucht falsch war? - Was passiert mit mir, wenn der Preis, den ich für die Veränderung gezahlt habe, zu hoch war? Er ist dann ja gezahlt.

Ja, das kann passieren. Alles hat ein Risiko. Auch das Nichts-Tun kann ein Fehler sein! Wenn Sie ganz ängstlich sind, überprüfen Sie doch für sich, ob Sie auch mit dem schlimmsten Fall notfalls leben könnten. Bitte halten Sie aber auch die Chancen daneben, die eine Veränderung für Sie bringen kann.

 

3. Wie finde ich die für mich richtige Grenze zwischen Kompromiss und nötigem Aufbruch?

Ich würde sagen: Sie beginnen mit kleinen Fluchten nach vorne und gucken, wie das Ihr Leben verändert. Wenn Sie merken, das reicht nicht, müssen Sie nachlegen. Aber bitte: Trauen Sie sich auch nachzulegen, damit Sie nicht in faulen Kompromissen stecken bleiben und es eines Tages bereuen.

 

4. Worauf soll ich nicht warten?

Wenn Sie das Gefühl haben – vielleicht gar seit längerer Zeit – dass Sie nur noch gelebt werden, Ihnen alles zu viel, zu wenig, zu grau, zu gleich ist, dann sollten Sie Veränderungen nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Denn es geht ja um Ihre kostbare Lebenszeit!

5. Ich möchte mit jemand anderem die Veränderungen, doch dieser hat Angst seine Vorteile zu verlieren und ist so „veränderungsresistent, dass ich gegen Mauern laufe. Was soll ich tun?

Wenn Sie unter der gegenwärtigen Situation wirklich leiden, müssen Sie sich fragen, ob Sie alleine etwas verändern mögen– möglicherweise mit dem Preis, dass Sie die Beziehung zum anderen riskieren. Wenn Ihnen dieser Preis zu hoch ist, dann müssen Sie sich wohl mit der Situation anfreunden. Das ist wichtig, denn vom ständigen Gegen-Mauern-Laufen kriegen Sie blutige Nasen und Kopfweh.

Wenn der/die andere nur an seine eigenen Vorteile denkt, würde ich mich in einer solchen Beziehung unglücklich fühlen.

 

6. „Wie erkenne ich, was ich verändern und was ich erhalten soll?“ – „Ist keine Frage zu haben eine Sache des Glücklich-Seins?“

Für mich geht es darum, dass es in meinem Leben Momente und Punkte geben soll, in denen ich ganz glücklich und ausgefüllt bin – und dass ich zu solchen Punkten meine Flucht nach vorne antreten will. Dafür muss ich mir immer wieder Freiräume schaffen – und manches lassen. Vielleicht sollten Sie lieber vom Ziel überlegen: Was wollen Sie für sich umsetzen, welche Flucht nach vorne wollen Sie erreichen? Und was muss passieren, damit das realisierbar ist?

 

7. Kann Fernsehen auch eine Flucht sein?

Natürlich, es ist eine „Flucht nach hinten“, wenn ich nur noch in und für TV-Soaps oder lebe und mich die Flimmerkiste davon abhält, mit echten Menschen im Kontakt zu sein. Aber umgekehrt kann es auch eine Flucht nach vorne sein: Ich freue mich auf meine Lieblingssendung und kämpfe um den Freiraum, dass ich sie auch wirklich sehen kann

 

8. Stimmt der Satz „Hilft dir selbst, dann hilft dir Gott“?

Ich denke nicht. Für mich ist das kein christlicher Satz. Denn konsequent bedacht, würde das ja heißen: Wenn ich mir selbst nicht helfen kann, hilft mir Gott auch nicht. Und den Starken, die sich selbst helfen können, gibt er auch noch Rückenwind.

Da sagt Jesus was anderes! Ich glaube, er hilft mir gerade da, wo ich hilflos bin. Ich erlebe es, dass er mich an meinen Grenzen umfängt. Deswegen sage ich ihm gerade das, wo ich selbst nicht weiterkomme oder ratlos bin.

 

9. Mit wem soll ich mich besprechen?

Ob eine Veränderung den Preis wert ist, das sollte man mit Freunden und Fachleuten in Ruhe besprechen. Fäll so eine Entscheidung niemals allein, du steckst viel zu sehr in deinen negativen Gefühlen gegenüber dem Alten.

Übrigens: Zu meinen Freunden und Fachleuten zähle ich auch Gott. Dem erzähle ich, was mich bewegt und halte auch nicht mit meinen Fragen hinterm Berg. Fast immer hat mich das weitergebracht und habe ich eine Antwort bekommen, wenn auch oft anders, als ich gedacht habe.

 

10. Jeder neue Tag bringt Entscheidungen mit sich, große und kleine – ist nicht jede dieser Entscheidungen auch eine Veränderung in meinem Leben?

Unsere Tage sind oft mit so viel Routine und Klein-Klein verstopft, dass wir oft das Leben vergessen. Wir sind in der Gefahr, nur zu funktionieren. Die meisten Entscheidungen nehmen wir nicht so wahr, dass sie unser Leben wirklich verändern – und das tun sie auch nicht.

Es ist nicht wichtig, ob Sie Pommes Rot oder Weiß essen, ob Sie ARD oder ZDF gucken. Mir geht es um bewusste Entscheidungen, die etwas verändern: Habe ich Zeit für das, was mich ausfüllt?

 

11. Wie soll ich einem Menschen sagen, der mich liebt, dass ich ihn nicht mehr liebe?

Wenn Sie merken, dass es gesagt werden muss, weil Sie das Gefühl sonst erdrückt, dann sagen Sie es. Das ist die Hauptsache. Sie werden es so gut und liebevoll sagen, wie Sie es können. Sie werden dabei ausdrücken, dass es Ihnen nicht leicht fällt, das zu gestehen. Dass es Ihnen wehtut, dass Ihnen die Liebe abhanden gekommen ist. Investieren Sie Zeit und Kraft in ein Gespräch, welche Chancen Ihre Beziehung noch hat. Vielleicht ist es sogar eine gegenseitige Befreiung, wenn die Enttäuschung ausgesprochen ist. Vielleicht kommt sogar neues Leben in Ihre Beziehung, weil der Druck abfällt.

 

12. Wie / Wo erkenne ich Jesus in meinem Leben?

Vielleicht das Erstaunlichste für Sie: Während Sie ihn noch suchen, hat er Sie schon gefunden.

Das Beste ist, Sie sprechen mit ihm. Sie setzen sich hin und sagen vielleicht; “Jesus, da bin ich. Ich bin mir unsicher, ob du mich hörst vielleicht sogar, ob es dich gibt. Aber ich will wissen, was dran ist am Glauben an dich. Zeig dich in meinem Leben!“

Und dann seien Sie neugierig, was passiert.

Setzen Sie sich ihm aus. Erwarten Sie etwas von ihm. Suchen Sie sich Christen, die ihn schon kennen. Lesen Sie in der Bibel, am besten das Markusevangelium, erfahren Sie mehr von ihm – auch das am besten mit anderen zusammen.

Suchen Sie sich eine Gemeinde, die zu Ihnen passt, wo Sie mit anderen zusammen Gott auf die Spur kommen können.

Und bleiben Sie dran. Manche werden Christ von einem Moment auf den anderen. Meistens dauert es länger.

 

13. Darf man auch was schier Unmögliches wollen?

Ja, das darf man. Denn wer sagt eigentlich, was schier Unmöglich ist? Und vor allem: Für wen? Ich bin überzeugt, dass unsere Vorstellung von realistisch uns einschränkt.

Nach dem Motto: „Ich habe nicht gewusst, dass es unmöglich ist, deswegen habe ich es getan.“ Und noch etwas: Unsere Sehnsucht setzt oft mehr Veränderungskraft frei, als unser Realitätssinn. Luise Rinser hat mal gesagt: „ Ich rede nicht Illusionen das Wort. Aber wir brauchen große Träume.“ Deswegen: Beschneiden Sie sich nicht selbst. Und richtig schade wäre es, wenn unser Denken auch Gott einschränkt, bei dem nichts unmöglich ist.

Auf der anderen Seite gehört wohl auch die Einsicht zum Leben, dass nicht alles passiert, was wir erhoffen, wollen und träumen.

 

14. Was halten Sie von der Flucht „Glaube an Gott“ hin zu „Glaube an Buddha“?

Natürlich, wir sind ein freies Land. Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass jeder glauben kann, was er/sie für richtig hält. Und wenn jemand bei Buddha glücklich wird – meinetwegen.

Der Punkt ist für mich ein anderer: Ich erlebe solche Konversionen oft als Flucht vor sich selbst, vor der engen Tradition. Wäre es da nicht besser, diese Frage an der Wurzel zu packen? Oft spielt auch die Anziehungskraft des Exotischen eine Rolle.

Raus kommt dabei oft eine selbstgebastelte Patchwork-Religion, die nur noch meine eigenen momentanen Bedürfnisse befriedigen soll - eine religiöse Sahnehaube über dem Alltag.

Deswegen ist Auseinandersetzung nötig, friedlich, sachlich, aber auch deutlich in der Sache. Wir brauchen Christen, die sagen, woran sie glauben, wovon sie leben, wie ihr Gottvertrauen ihren Alltag verändert. Und die umgekehrt gezielt nachfragen. Ich halte die Vorstellung einer Wiedergeburt z.B. für eine ziemlich unmenschliche Vorstellung.

 

15. Verändern ist gut, aber wenn der finanzielle Hinterhalt fehlt und man noch Altlasten hat, geht das nicht.

Das glaube ich nicht! Bitte schränken Sie sich nicht zu schnell zu sehr selbst ein. Bitte reduzieren Sie sich nicht auf Ihre Geschichte und auf Ihr Geld. Aber wenn Sie sagen: Da geht gar nichts, dann stimmt das so nicht. Wahr ist natürlich: Unter den Bedingungen, die Sie beschreiben, sind die Spielräume kleiner als bei anderen, die im Geld schwimmen. Aber auch Sie können neue Lebensfelder und Aufgaben finden, wo Sie angenommen sind und sich einbringen können.

 

15. Haben Sie in der Gemeinde Aufgaben, die ich neben meinem Job übernehmen könnte? Gibt es Hilfestellungen, ich bin etwas schüchtern?

Das ist ganz einfach: Bitte sprechen Sie mich an. Bitte seien Sie nicht schüchtern – denn dann vergeben Sie für sich eine Chance und für unsere Gemeinde auch, denn wir können Sie gut gebrauchen.

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