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Home > Go!Special > Rückblick > 2008-07-06 > Predigt2008-07-06

 

Endlich mal raus - Die allermeisten kennen wohl Lebensphasen, wo einem alles zu eng

ist, zu viel, zu grau, zu wenig.

Und löst das einen Traum aus: Was wäre wenn, alles anders wäre, ich anders leben

könnte, aus den eingefahrenen Gleisen raus käme

Eine Sehnsucht bricht sich Bahn: Endlich mal raus ... wie der Goldfisch, der sein altes

Glas einfach leid ist.

Und was wird draus?

Nach meiner Erfahrung gibt es drei Möglichkeiten.

1. Die Flucht nach vorne, über die möchte ich sprechen, zu der möchte ich ermutigen, zu der Richtungen zeigen

2. Die Flucht nach hinten: in Arbeit, Alkohol, Einigelung - wenn Sie merken, dass Sie das betrifft: bitte bleiben Sie nicht allein damit!

Die dritte Möglichkeit ist wohl die Häufigste.

Was wird draus aus der Sehnsucht „Endlich mal raus"? Nichts!

So wie bei dem Mann, der sein Leben verändern will, und er braucht dafür Geld.

Und er fängt an zu beten: "Lieber Gott, bitte lass mich einmal im Lotto gewinnen.".

Und er betet inbrünstig, Tage, Wochen, Monate, Jahre: "Lieber Gott, bitte lass mich einmal

im Lotto gewinnen." Nach zehn Jahren durchbeteter Nächte steht plötzlich ein Engel in der

Tür des Mannes und sagt: "Gib uns eine Chance! Gib mal deinen Tippschein ab!"

Sie lachen - aber ich glaube es ist auch Ernst dabei.

Wie oft habe ich schon bei mir gedacht: "Eigentlich müsste ich mein Leben ändern!" Und

dann habe ich doch nichts getan. Hab keinen aktiven Schritt gewagt.

Wieso nicht? Ich bin bequem. Mir fehlt die Phantasie. Ich habe Angst vor dem Neuen; Ich

habe Angst, das Alte zu verlieren; mir ist der Weg unheimlich und was die anderen sagen.

Das Verrückte ist: "Wer sich nicht verändert, der ist tot!" Der Mann im Theaterstück hat

was begriffen. Es ist doch der Horror, wenn ich eigentlich raus will, und dann sehe, dass

ich mit 36 Jahren genauso lebe wie mit 26. Und mit 46 vielleicht auch noch. Nicht gereift,

nicht weiser, nicht gelassener oder milder. Nicht glücklicher. Ich will mich verändern. Aber:

Die Kunst der Veränderung ist vielleicht das Schwierigste, das wir lernen müssen. Das

wissen alle, die sich jedes Silvester tolle Vorsätze machen, die sie schon am 4. Januar

nicht mehr halten können.

Neulich sprach ich mit jemand, der sehr unzufrieden war: Ich bin 5 Jahre in Buxtehude -

und ich komme nie raus: Ich will unbedingt mal in den Michel und dann eine

Hafenrundfahrt machen. Und ich sagte: Warum tun Sie's nicht.

Und es brach eine Lawine über mich ein: die Kinder, die kranke Mutter, die Arbeit...

Und als ich sagte: Das kann doch nicht der Grund sein, hätten wir uns beinahe gestritten.

Ich glaube, dass wir alle solchen Mustern in die Falle gehen. Wir igeln uns ein in der

Unzufriedenheit und Nörgeln lieber, als dass wir etwas ändern.

Ich kenne Kranke, denen könnte nichts Schlimmeres passieren, als dass sie gesund

werden. Darum sollten wir unsere Unzufriedenheiten sehr ernst nehmen. Denn eines ist

diese Predigt auf jeden Fall: Eine klare Absage ans Nörgeln. Nörgeln ist eines Menschen

unwürdig. "Wenn Du etwas verändern kannst, dann tu es. Wenn du es nicht kannst, dann

finde deinen Frieden damit."Es gibt in diesem Fall wohl wirklich wenig dazwischen.

Ich habe gesagt, dass ich Sie zur Flucht nach vorne ermutigen möchte. Impulse zu zwei Fragen:

1. Warum soll man sein Leben ändern - warum soll man raus?

2.- und wie geht das?

 

 

 

 

1. Warum soll man sein Leben ändern? Warum soll man raus?

Die Frage kommt ja nicht aus heiterem Himmel Aber wenn sie auftaucht und zur eigenen Frage wird, dann zeigt das was.

Dann ist das wie eine Weggabelung, vor die einen das Leben stellt. Wenn Du unglücklich bist, wenn du dich in dem Leben, das du führst, selbst verlierst, und wenn du weit unter deinen Möglichkeiten lebst, sage ich: Gib dich nicht mit zu wenig zufrieden. Prüfe bitte sehr sorgfältig, wie hoch dein Leidensdruck ist. Aber vergiß nicht: Ein ungeliebter Beruf macht dich auf Dauer seelisch kaputt. Eine tote Beziehung tötet auch dich. Ein Leben ohne Ziel und Zweck hinterlässt einen fahlen Nachgeschmack. Und dann musst du beidrehen, bevor die Kraft zu einer Veränderung anderweitig verbraucht ist.

Unbescheidenheit kann christliche Tugend sein. Gib dich nicht mit zu wenig zufrieden! Ich bin überzeugt, dass das ein zutiefst christlicher Satz ist. Von Jesus heißt es: Er ist gekommen, damit wir das Leben in Fülle haben. Ich kann auch sagen: Gott will mein Glück und kommt, damit ich erfüllt bin - so dass die Fluchtgedanken nicht aufkommen.

Vielleicht ist das für einige neu, weil so drin ist in den Köpfen: Der Glaube ist eher zum Spaßverderben als zum Spaßhaben - ich halte das für ein eklatantes Missverständnis -freilich an dem wir Pastoren nicht unschuldig sind.

Dabei ist mir noch eins wichtig: Wir sagen in den Kirchen immer den richtigen Satz: Gott nimmt mich, wie ich bin. Der Satz stimmt natürlich, aber er könnte so missverstanden werden: So bin ich halt ...Deswegen muss ein anderer hinzugefügt werden: Ich und mein Leben müssen nicht so bleiben. Gott traut mir Veränderungen zu und er begleitet mich dabei.

Warum soll ich mal raus - noch ein Gedanke. Das ist nicht nur für mich gut, sondern auch für die anderen. Eine Flucht nach vorn ist kein Ego-Trip: Ich werde verwandelt, komme anders zurück - davon haben meine Freunde, meine Familie was!

Doch jetzt kommt das große "Aber":

Jede Veränderung hat ihren Preis. Überlege dir sehr gut, ob deine Flucht den Preis wert ist. Das sollte man mit Freunden - mit Fachleuten - mit Gott in Ruhe besprechen. Fäll so eine Entscheidung niemals allein, du steckst viel zu sehr in deinen negativen Gefühlen gegenüber dem Alten. Das Wichtigste ist: Wenn du unzufrieden bist, dann lass dich auf den Gedanken ehrlich ein und prüfe. Wenn die Veränderung den Preis wert ist, dann tu es, und zwar möglichst schnell. Wenn sie es aber nicht wert ist, dann sag klar und deutlich Ja zu dem, wie dein Leben ist.

Und noch ein zweites Aber kann ich Ihnen nicht ersparen:

Bei aller Ermutigung zur Flucht nach vorne - man muss einfach wissen, dass es in jedem Leben Kompromisse gibt. Ich behaupte: "Ein Leben ohne Kompromisse existiert nicht." Auch nach jeder Flucht nach vorne wirst du Dinge entdecken, die dir nicht gefallen. Ich habe den Eindruck, dass sich heute zu viele Menschen von einem Kurzglück ins nächste stürzen und dabei immer unglücklicher werden, weil sie ernsthaft erwarten, dass es irgendwo ein Leben ohne Kompromisse gibt. (Übrigens ein schönes Bild für den Himmel: Der Ort, an dem wir ohne Kompromisse leben werden.) Kaum entdeckt jemand an einem Partner eine Macke, sucht er sich den nächsten, weil der in der heißen Verliebtheitsphase ja so perfekt wirkt.

Wichtig ist: Du kannst dein Leben ändern. Gott traut dir was zu und hilft dir dabei. Du kannst für dein Leben eine neue Karte aufnehmen. Aber warte nicht darauf, dass du endlich das perfekte Blatt bekommst. Das gibt es nicht. Nimm die Karten, die du nehmen kannst, und mach daraus das beste Spiel. Du verpasst dein Leben, wenn du immer auf etwas wartest.

 

2. Wie flüchtet man - wohin - und wie geht das?

Um es klar zu sagen: Ich ermutige zur Flucht nach vorne. Aber ich meine nicht, dass man

jetzt unbedingt seinen ganzen Hausrat bei ebay einstellen soll und dann in Neuseeland

Schafe züchten. Solche Ausbrüche können leicht Verzweiflungstaten sein, wenn sich so

viel ungelebtes Leben aufgestaut hat - und nach hinten los gehen

Wichtig ist es, etwas zu tun, was man sonst nicht tut. Bewusst rauszugehen aus dem

Normalen - etwas tun, was ich immer schon wollte, was mir guttut.

Das kann was Kleines sein, ein Spaziergang - oder ein Film im Kino. Das kann der

Italienischkurs sein, den ich schon immer mal wollte. Oder die Hafenrundfahrt. Das kann

eine Verweigerung sein: Ich stelle jetzt mal die Klingel und das Telefon ab und habe heute

geschlossen. Ich glaube, wir unterschätzen leicht das Glück, das solche vermeintlich

kleine Fluchten schenkt.

Ich erlebe auch meinen Glauben als eine solche Flucht nach vorne. Ich gehe aus mir heraus zu meinem Gott. Sie können auch sagen: Ich flüchte mich zu dem. Jeden Tag eine Kerze anzünden - einen Psalm lesen und Gott sagen was los ist. Vielleicht sind das nur fünf Minuten. Aber: Ich verwette ein Jahresgehalt, wenn Sie's durchhalten, dass ihr Leben ein anderes wird.

Über Äußerlichkeiten üben sie den inneren Glauben ein

Manchmal reichen die kleinen Schritte nicht.

Wenn ein Mensch für sich geklärt hat, dass er eine große Veränderung will, und wenn er wirklich alle Mittel ausprobiert hat, um das Problem innerhalb seiner bisherigen Lebensmuster zu lösen (das halte ich für eine Grundbedingung), dann muss die Veränderung, glaube ich, radikal sein. Aber das ist nie der Anfang.

Ich möchte zum Schluss eine biblische Geschichte erzählen, die sehr konkrete Tipps zum Umgang mit Veränderungen gibt:

Vor den Toren Jerusalems gab es zur Zeit Jesu einen Teich. Ab und an fing die Wasseroberfläche dieses Teiches an, sich zu kräuseln, und wer dann als erster hineinstieg, wurde gesund. Ganz gleich, woran erlitt. Natürlich lagen dort in Hallen am Ufer überall Kranke herum, die begierig auf dieses Wasser starrten. Und da wird mir schon ganz mulmig. Wer nur noch auf das Wasser starrt, der sieht nichts mehr um sich herum. In dessen Leben dreht sich alles um das Elend.

Biblischer Tipp Nr. 1: Wenn es um Veränderung geht, hebe bitte erst einmal den Kopf und guck, ob du nicht den Überblick verloren und dich im vermeintlichen Leid festgebissen hast.

An diesem Teich liegt ein Mann seit 38 Jahren. 38 Jahre in einer dieser riesigen, stinkenden Krankenhallen. Grässlich. Wie wäre sein Leben verlaufen, wenn er 38 Jahre auf einer schönen Wiese gelegen hatte? Die Hoffnung auf diese Art von Heilung lässt ihn ein Leben ertragen, dass die Hölle ist.

Biblischer Tipp Nr. 2: Pass gut auf, dass du dich nicht so sehr in eine Rettungsvision verbeißt, dass du dabei das Leben verpasst.

Nun kommt eines Tages Jesus zu diesem Mann und fragt ihn: "Willst du gesund werden?" Doch der Kranke sagt nicht etwa "Ja". Denn daran glaubt er schon gar nicht mehr, er hat sich im Kranksein eingenistet. - Diese Frage Jesu gilt uns allen: "Willst du gesund werden?" Sagen Sie nicht leichtsinnig "Ja". Wenn wir das Unglücklichsein seit Jahren akzeptieren, dann hat das auch seine Gründe.

Biblischer Tipp Nr. 3: Prüfe sehr genau, ob du wirklich noch gesund werden willst, oder ob die Sehnsucht nach Veränderung nicht längst ein liebgewordenes Ritual geworden ist.

 

Der Kranke antwortet: "Herr, ich habe keinen, der mich den Teich bringt, wenn das Wasser sich bewegt, und wenn ich allein hinkrieche, ist immer einer schneller." Für mich klingt das so: Der hängt seit 38 Jahren an diesem Teich. Und hat zu keinem Menschen eine Beziehung. Noch mal: Wie schön wäre sein Leben gewesen, wenn er, statt da rumzuliegen, ein paar Freunde gefunden hätte. Stattdessen macht er andere für sein Mißgeschick verantwortlich.

Biblischer Tipp Nr. 4: Verändern kannst nur du etwas! Pass auf, dass du nicht andere für dein Schicksal verantwortlich machst, weil du dann nie etwas von dir aus passiert.

Jesus sagt zu dem Mann: "Nimm dein Bett und geh!" Nicht etwa: "Ich mach jetzt mal ein Sonderkräuseln, nur für dich." Nein. Jesus sagt: "Wenn du was von mir erwartest, dann stehst du jetzt selber auf." Nicht, ich mach dich gesund, nein, ich sage dir: Lauf los -und du glaubst mir - und läufst

Biblischer Tipp Nr. 5: Die Größe Gottes zeigt sich so, dass er dir die Kraft gibt, dass du aufstehen kannst - und dich selbst auf den Weg machst.

"Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin." Und es ist fast egal, wo Sie die Bibel aufschlagen, es geht ganz oft darum, dass Menschen ihr Leben verändern. Und wenn sie sich dabei nicht auf sich selbst, sondern auf Gott verlassen, sind diese Veränderung erfolgreich. Ich wünsche Ihnen die Weisheit und den Mut dazu, wenn es wirklich nötig ist. Ich wünsche Ihnen aber auch, dass Sie Menschen finden, die sie beraten, und dass sie sich von Gott den Weg zeigen und Kraft geben lassen. Ich bin überzeugt: Gott möchte nichts lieber, als dass Ihr Leben gelingt! Vielen Dank fürs Durchlesen!

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