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Kreuzverhör am 23. November 2008 - Fragen und Antworten

 

 Fragen des Kreuzverhörs am 23.11.2008


Hier sind alle Fragen beantwortet, die im Go!Special aufgeschrieben wurden.

Kurz und knapp, so wie es zum Kreuzverhör gehört. Deswegen können die Antworten hier nur eine kleine Anregung sein, selbst weiter zu denken.


1. Warum leben wir überhaupt, wenn wir doch sterben müssen? - Warum soll ich jetzt leben, wenn es nach dem Tod so viel schöner ist?

Ich hoffe sehr, dass Ihnen dieses Leben immer wieder auch Freude macht und Sie gerne leben können. Dafür hat Gott Sie geschaffen! Mir hilft es manchmal, wenn ich über den Sinn meines Lebens nachdenke, nach rechts und links zu schauen. Sie werden viele Menschen sehen, die Sie brauchen und für die Sie da sein können. Wahrscheinlich wird das eine Erfahrung sein, die die beste Antwort auf Ihre Frage ist.


2. In welcher Bibelstelle aus den Evangelien gibt es eine konkrete Aussage Jesu zur Frage nach dem Ewigen Leben?

Ich kann und will jetzt nicht eine einzige Stelle rausgreifen. Für mich sind viele Worte aus dem Johannesevangelium zentral. Stöbern Sie selbst!

Wobei eines klar ist: Nirgendwo werden Sie einen Detailplan „Ewiges Leben“ finden. Wenn Sies so konkret wollen, werden Sie vielleicht enttäuscht sein. Für Jesus geht es immer darum, dass wir mit ihm und bei ihm leben werden. Das „Wie“ ist für ihn nicht die zentrale Frage.

Sie können das selber testen: Wenn Sie auf das „dass“ vertrauen, wird Ihnen das „wie immer unwichtiger werden.


3. In welche Dimension trete ich beim Tod über und wie geht es da weiter als was? - Wieso sagt uns Gott nicht, was nach dem Tod mit uns geschieht? Dann wäre die Angst doch von uns genommen.

Wir wissen vielleicht nicht viel und nicht alle Konkretionen über das Leben, das Gott uns nach dieser Erdenzeit geben wird. Aber andererseits: Wir können genug wissen, dass wir auf das „dass“ vertrauen können, auch wenn wir nicht alles „wie“ verstehen können.

Für mich sind wichtige Stichworte: Mein Ich geht nicht verloren – ich bin in engster Verbundenheit mit Gott und den Menschen.


4. Wie fange ich es an, eine Beziehung zu Gott aufzubauen? - Kann man wirklich zum Glauben kommen, wenn man lange genug in der Bibel liest oder ist der Glaube nicht ein Geschenk und ein Wirken des Heiligen Geistes?

Eine Beziehung beginnt ganz ähnlich, wie eine Beziehung zu Menschen. Sie lernen sich kennen. Sie reden miteinander. Sie sind neugierig und offen, welche Seiten Sie an Ihrem Beziehungspartner auch noch entdecken können.

Übertragen auf Gott heißt das: Sie reden mit ihm und beten, einfach so, wie Ihnen der Schnabel gewachsen ist. Sie sagen ihm, was bei Ihnen los ist, Ihre Fragen, Klagen, Ihren Dank und Ihre Bitte. Sie versuchen mehr über ihn rauszukriegen, indem Sie sich mit dem sichersten Zugang beschäftigen, den wir zu Gott haben, der Bibel. Sie suchen den Kontakt zu anderen Christen, tauschen Erfahrungen aus. Und in all dem, wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie Glauben glauben können oder wollen: Geben Sie Gott einen Vertrauensvorschuss. Sagen Sie ihm Ihre Unsicherheiten: „Gott, auch wenn ich unsicher bin, ob es dich gibt, ob es dich für mich gibt, spreche ich trotzdem mit dir. Zeig dich!“

Natürlich ist das Glauben- und Vertrauen-Können nichts, was man einfach so machen kann was sich vornimmt und dann umsetzt. Es ist ein Geschenk und auch ein Wirken Gottes, dass man Glauben kann. Aber dieses Geschenk kommt umso mehr, wo es ersehnt, erbeten und auch ausgepackt wird.



5. Ist es nötig, den Verstorbenen liebevoll gehen zu lassen, damit die Seele Friede findet und in den „Himmel“ kommt?

Ich bin sicher, dass es keine Bedingung geben kann, die von Menschen abhängt, dass eine Seele Frieden findet und in den „Himmel“ kommt. Dann könnte ja ein Mensch, der ein liebesvolles Gehen-Lassen“ verweigert, Gott einen Strich durch die Gnadenrechnung machen.

Umgekehrt finde ich die Frage interessanter: Was bedeutet es für einen Menschen und sein Weiterleben, dass er einem Sterbenden einen liebevollen Abschied verweigert? Nimmt er nicht den alten Groll dann dauerhaft mit auf seinen Weg?


6. Gibt es ein Fegefeuer?

Der Begriff „Fegefeuer“ ist historisch eng verknüpft mit der röm.-kath. Theologie und hat mit dazu beigetragen, Menschen Angst zu machen und auch Geld zu verdienen: In diesem Sinne kann ich nicht erkennen, dass ein Fegefeuer zum Leben und zur Lehre von Jesus passt. Auch dass der amtierende Papst gerade die „Vorhölle für ungetaufte Kinder“ „abgeschafft“ hat, finde ich einen ziemlichen absurden Vorgang. Hat irgend jemand ernsthaft geglaubt, dass es so etwas gäbe?

Vielleicht ist aber der Begriff Fegefeuer in einer anderen Hinsicht dann doch nicht so absurd und kommt der Botschaft Jesu nahe. Im jüngsten Gericht wird viel „verbrennen“ und keinen Bestand haben, von dem, was ich auf dieser Erde getan habe. Ich aber werde gerettet, „wie durchs Feuer hindurch“. Für viele Christen ist z.B. 1. Korinther 3, 11-15 in diesem Sinne die Beschreibung eines „evangelischen Fegefeuers“.


7. Finden Menschen, die sich selbst das Leben nehmen, „Gnade“ bei Gott?

Ich kann das nicht „wissen“, wer Gnade bei Gott findet. Nach allem, was ich von Jesus weiß, kann ich es mir aber nicht anders vorstellen, als dass auch ein sog. Selbstmörder bei seinem Tod konfrontiert wird mit dem, was ihm in seinem Leben gelungen ist und was nicht. Und auch und gerade ihm gilt es ihm: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes. Es ist eine unselige Geschichte, dass Menschen, die sch das Leben nehmen, in früheren Zeiten von Menschen von der Liebe Gottes ausgeschlossen wurden (und zum Bespiel nicht auf einem kirchlichen Friedhof beerdigt wurden). Christen sind halt auch Kinder ihrer Zeit. Aber ich bin sicher: Gott haben damals diese menschlichen Verwerfungen nicht gehindert, jemanden in seine Arme zu schließen, der sich nach ihnen sehnt.


8. Ich habe Angst vor dem Tod. Wie kann ich mit dieser Angst umgehen oder sie besiegen?

Sie gehen damit um, indem Sie z.B. hier sind. Setzen Sie mit dem Thema auseinander. Reden Sie mit anderen über die Angst. Suchen Sie sich besonders Menschen, bei denen Sie merken, dass die Ihnen in dieser Frage schon einen Schritt voraus sind, von denen Sie lernen können.

Und sprechen Sie mit Gott über Ihre Angst.


9. Die Selbstmordrate steigt und jährlich gibt es 5000 Verkehrstote – was tun wir, was tut die Kirche?

Das sind bedrückende Zahlen. Ich sehe aber nicht, was „die Kirche“ oder unsere Gemeinde gegen die Zahl der Verkehrstoten tun könnte. Als Menschen sind wir gefragt, verantwortungsvoll zu leben und auch Auto zu fahren. Hinsichtlich der Selbstmordrate würde ich sagen: Miteinander müssen wir hingucken und sensibel sein, wo jemand unsere Hilfe und auch ärztliche Hilfe braucht. Aber die letzte Verantwortung, ob sich jemand umbringt oder nicht, kann wohl kein Mensch für einen anderen übernehmen.


10. Treffen sich nur die Seelen aus der eigenen Lebenszeit wieder oder alle, die es jemals gegeben hat?

Nach allem, was ich von Jesus weiß, würde ich sagen: Gang klar, die ganze Schöpfung hat eine Zukunft, alles, was gelebt hat und lebt.


11. Zur Frage vom „jüngsten Gericht“: Die Sünden sollten vorher von Gott vergeben werden.

Ich verstehe Ihre Karte so: Wenn ich Gott gegenüberstehe, wird sich meine Fehler, meine Unterlassungen und Verstrickungen, meine Sünden, mit mir ansehen. Dieses Ansehen wird mir weh tun. Und trotzdem kann mich all das nicht von Gott trennen. Das kann man dann auch Vergebung nennen.


12. a. Bin ich ein Christ, wenn ich nicht an ein Leben nach dem Tod glaube? -

b. Mein Vater war ein tiefgläubiger, praktizierender Christ, dennoch hatte er Todesangst und ist schwer gestorben. Stellt das die Tiefe seines Glaubens in Frage?

a. Ich tue mich immer schwer mit dem Urteil darüber, wer ein Christ ist. Und das ist bei dieser Frage für mich auch nicht der Knackpunkt. Wichtiger ist für mich: Ihnen entgeht viel, vielleicht sogar das Entscheidende, wenn Sie nur eine Hoffnung für dieses Leben haben. Deswegen ermutige ich Sie, hinzugucken, wieso Ihr Vertrauen gerade an dieser Stelle endet – und darüber mit Gott und mit anderen Christen sprechen.

b. Für mich stellt das die Tiefe seines Glaubens nicht in Frage. Denn was weiß ich, welche Erfahrungen ich noch zu machen haben, die mich wirklich ankratzen, und meinen Glauben ankratzen. Ich hoffe und bete, dass ich alles das, was ich jetzt zu Ihnen aus vollem Herzen sagen kann, auch im Angesicht meines Todes sagen könnte.Ob das wirklich so ist, dafür kann ich keine Garantie übernehmen, kein Mensch kann das. Aber das sagt ja nichts über die Tiefe meines Glaubens.


13. Warum bekommt nicht jeder die Chance, gleich lange zu leben? - Warum müssen so viele unschuldige Kinder sterben? - Warum ist Gott so gemein und holt Kinder, Jugendliche und junge Eltern so früh zu sich? - Warum sterben einige so unschuldig und vor allem so jung? - Warum müssen manche Menschen so sehr leiden, bevor sie sterben, obwohl sie im irdischen Leben so oft für andere da waren? - Warum sterben die „Guten“ oft viel zu früh?

Diese Fragen sind drängend: Warum das Leid? Warum sterben Kinder und junge Menschen, wo es doch eindeutig viel zu früh ist?

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Ich weiß es nicht und verstehe es nicht. Allzu oft bin ich selber traurig und hilflos, wenn ich mit solchen Lebensgeschichten konfrontiert werden. Ich gehe damit um, dass ich Gott meine Fragen stelle, ihm auch meine Wut sage, auch meine Wut auf ihn. Er hält das aus, dass ich ihm entgegen schreie: „Das kann doch nicht dein Ernst sein! Das passt doch nicht zu dem, was Jesus über deine Liebe sagt!“ Und ich bitte ihn, dass er mir selbst hilft, das Unabänderliche zu tragen und auszuhalten, ohne daran zu zerbrechen.

Er weiss ja, wie sich das anfühlt, denn er kennt das Leid. Ich weiß, das ist keine befriedigende Antwort. Aber die kann es hier in unserer Zeit auch noch nicht geben. Bei allen Fragen, die Gott mir stellen wird, wenn ich ihm gegenüber stehe: Ich werde ihm auch die ein oder andere Frage stellen. Und dann verstehen, was hier einfach unbegreiflich ist.



14. Gibt es etwas, was gegen ein weiteres Leben auf der Erde spricht?

Ich würde fragen: Was gibt es, was für ein weiteres Leben auf der Erde spricht?

Für mich spricht dagegen dass Jesus es anders gesagt hat. Und ich habe so oft erlebt, dass das stimmt, was Jesus sagt, dass ich ihm auch das glaube. Es hat so oft gestimmt, was er mir über das Leben sagte, dass ich ihm auch glaube, was er über den Tod sagt.



15. Wie lange wird das jüngste Gericht bei den Billionen gestorbener Menschen dauern?

Ich finde, das ist zu menschlich gedacht. Es handelt sich aber bei Gottes neuem Leben um ein Leben in einer ganz anderen Dimension. Auch die Zeit hat eine Zukunft und wird verwandelt werden. Was für uns eine unvorstellbar lange Zeit ist, ist vielleicht für Gott wie ein Wimpernschlag.



16. Immer gut zu sein, fällt manchmal schwer. Gibt es eine besondere Hilfe, wenn ich jemandem begegne, der mir nicht immer freundlich gegenübersteht? Reicht es, wenn ich mein Herz öffne?

Sie können nicht immer gut sein. Erwarten Sie es von sich auch nicht, Sie würden sich Ihre Frustration selbst schaffen. Mein Ziel ist es, mit Gottes Hilfe immer wieder mal über meinen eigenen Schatten zu springen und an Herausforderungen zu reifen. Wenn der Mensch, der Hintergrund Ihrer Frage ist, für Sie so eine Herausforderung ist, dann lohnt sich das Mühen. Und da finde ich es schon ziemlich viel wenn Sie Ihr Herz für ihn / sie öffnen wollen oder können. Für mich wäre ein fairer, respektvoller Umgang, der auch meine Grenzen akzeptiert, schon eine Menge, zumindest für den Anfang.


17. Ich glaube nicht an die Bibel und an die Zeugen, wie gesagt wurde. Aber ich glaube Gottes Gegenwart und dass Jesus in großer Nähe zu Gott lebte und Gottes unendliche Liebe verkörperte.

Ich frage mich (und Sie): Wie können Sie daran glauben, dass Jesus in großer Nähe zu Gott lebte, wenn Sie nicht den Zeugen der Bibel in ihren Kernaussagen vertrauen? Ich frage das deswegen, weil sie doch aus keiner anderen Quelle etwas von Jesus wissen können.

Und wenn Sie überzeugt sind, dass er Gottes unendliche Liebe verkörpert, dann können Sie doch eigentlich diesen Gedanken auch nur aufgrund der Zeugenaussagen über ihn haben, oder? Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich glaube auch nicht, dass jedes Wort der Bibel in sich gleich wertvoll und wahr ist. Diese einfache Erkenntnis geht schon auf Martin Luther zurück. Aber wenn ich an Jesus glauben will, führt kein anderer Weg zu ihm, als über die Bibel – wohl wissend, dass dieser Weg nicht immer so einfach zu finden ist.


18. Wie wahrscheinlich ist die inhaltliche Echtheit der Bibel mit Sicht auf mehrfache mündliche Überlieferungen, denen die Inhalte zugrunde liegen?

Bitte denken Sie nicht, Sie müssten an die Bibel glauben, um ein Christ zu sein. Das müssen Sie nicht. Ich weiß, das ist ein weitverbreitetes Missverständnis. Aber auch in der Bibel gibt es wichtigere und unwichtige Stelen. Der Prüfstein ist immer Jesus, er ist die Mitte. Er ist quasi „das eine Wort Gottes“, das es unter den vielen menschlichen Wörtern, die in der Bibel auch stehen, zu entdecken gilt. Wenn Sie das als Grundlage Ihres Umganges mit der Bibel sehen, dann sind die mündlichen Überlieferungswegen, die sich widersprechenden und ergänzenden Detailaussagen nicht mehr das Problem. (Nebenbei: Man staunt über Experimente, die die Verlässlichkeit mündlicher Überlieferungen belegen).

Der Knackpunkt ist für mich ein anderer: Auch für die Menschen damals war der Anspruch Jesu höchst suspekt. Und sein Sieg über den Tod wurde schon damals als Betrug dargestellt. Und trotzdem gibt es bis heute – auch für denkende Menschen, zu denen ich mich zähle, sehr gute Gründe, den Zeugen auch dieses in jeder Hinsicht Unglaubliche zu glauben. Ein Grund ist zum Beispiel: Wie erklären Sie, dass eine kleine, völlig deprimierte Jüngerschar in kürzester Zeit ihren Glauben und ihre Zukunft wiederfindet, nachdem am Karfreitag offensichtlich alles aus war. Sie entwickeln unglaubliche Kraft, sind so überzeugt, dass sie sogar ihr Leben riskieren. Nur für eine Lüge oder auf ein vages Gerücht hin riskiert doch niemand sein Leben.

Wenn Sie mehr wissen wollen: Lesen Sie den Abschnitt über die Bibel in „Glaube hat Gründe“ von Klaus Douglass.


19. Was sagt die Bibel zu Organspenden? Soll nicht der ganze Körper beerdigt werden? - Immer noch keinen Spenderausweis! Muss ich ein schlechtes Gewissen haben? Mein Tod könnte ja helfen. Ich habe aber Zweifel – bin ich ein Ersatzteillager?

Die Bibel sagt nichts zu unserer heutigen Problematik von Organspenden, wie sollte sie auch.

Meines Wissens gibt es keine verbindliche Regelung, die man aus der christlichen Lehre ableiten könnte, wie der Körper bestattet werden soll. Es ist auf alle Fälle keine zentrale Frage.

Ich versuche daher die Frage eher so zu verstehen: Was würde Jesus dazu sagen? Und da könnte ich denken, dass vielleicht das Liebesgebot einen Hinweis gibt. Wenn mein Herz, das ich nach meinem Tod nicht mehr brauche, ein anderes Leben retten kann, was spricht dagegen, dass ich einen Spenderausweis habe? Es ist heute ja auch so, dass man in Europa keine Angst zu haben braucht, dass man im Krisenfall schlechter versorgt würde, im Gegenteil. Aus diesen Gründen habe ich einen Organspenderausweis, mit voller Überzeugung. Wenn jemand die Vorstellung aber so gruselig findet, dass es sein Leben hier beinträchtigen würde, dann sollte er es m.E. lieber lassen


20. Warum ist für viele das Leben nach dem Tode so wichtig, aber über das Sterben als Tor zu diesem Leben wird so wenig und ungern gesprochen?

Meine Erfahrung ist eigentlich eine andere: Es wird mehr über das Sterben gesprochen als über den Tod. Ich denke an das Erstarken der Hospizbewegung einerseits, an die Diskussionen um Dignitas und Dr. Kusch auf der anderen Seite. Aber ich stimme Ihnen zu: Auch das Thema muss mehr in unser Bewusstsein, besonders wenn es um den Ausbau der Palliativmedizin geht.


21. Ist die Rede vom jüngsten Gericht nicht doch aus der Sehnsucht nach ausgleichender Gerechtigkeit geboren?

Das Thema ist seit Menschengedenken mit Gott verbunden und hatte in einer Zeit ohne Rechtssysteme wohl einen noch höheren Stellenwert. Es ist ein Thema, das auch in der Verkündigung Jesu zentral ist und es gründet in der Überzeugung, dass in einer Beziehung zu Gott nicht alles gleich gültig ist, und dass man Verantwortung für sein Tun und Lassen zu übernehmen hat. Und natürlich drückt sich darin auch die Sehnsucht des Menschen nach ausgleichender Gerechtigkeit aus. Aber das heißt ja, nicht, dass das Thema darauf gegründet wäre oder daraus geboren wäre.


22. Was sagen Sie zu der Aussage: So ziemlich das Einzige, wovor ich keine Angst habe, ist der Tod“?

Da kriege ich einen Schreck! Denn das bedeutet, dass Sie vor unglaublich vielen Dingen (oder vor allen), die Ihnen hier begegnen, Angst haben! „Fürchtet Euch nicht“ ist eine, wenn nicht die zentrale Botschaft des Christentum. Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Ängste angucken und überwinden können. Ich könnte mir denken, dass diese Ausgabe für Sie allein zu groß ist. Suchen Sie sich Hilfe. Ihre Lebenszeit ist zu schade, als dass Sie sie nur in Ängsten verbringen sollten.


23. Tod ist in der Gesellschaft ausgeklammert, aber auch in den Kirchen? Oder warum finden Trauerfeiern inkl. Aufbahrungen nicht mehr in den Kirchen statt?

Ich sage Ihnen ehrlich: Ich weiß es nicht! Am ehesten sprechen wohl organisatorische Gründe dagegen, dass Trauerfeiern, Aufbahrungen usw. in Kirchen stattfinden. Wenn es in Dörfern keine Friedhofskappelle gibt, nimmt man ja auch automatisch die Kirche. Ich hätte da nichts gegen einzuwenden.


Ein paar Fragen haben Kinder aufgeschrieben:


Was war vor meinem Leben?

Bevor du da warst, waren viele andere Menschen da. Und Gott war auch da. Und ich bin sicher, dass er so einen Menschen wie dich wollte. Er wollte, dass es jemanden auf seiner Welt gibt, der so ist wie du. Natürlich: Deine Mama hat dich geboren. Aber dass es dich wirklich gibt, hat noch einen viel tieferen Grund.


Ist der Tod eine Gestalt aus Fleisch und Blut?

Manchmal wird er so dargestellt, im Film oder in Märchen. Aber in Wirklichkeit ist das anders. In Wirklichkeit haben nur Menschen und Tiere eine Gestalt aus Fleisch und Blut.

Und trotzdem hat der Tod Kraft – genauso wie die Liebe, die ja auch keine Gestalt aus Fleisch und Blut ist, aber den Menschen erfassen kann.


Ist es möglich, noch ein zweites Leben zu haben?

Zumindest auf dieser Erde nicht. Man könnte aber vielleicht das neue Leben bei Gott als ein „zweites Leben“ bezeichnen


Warum ist der Tod so wichtig? Wir können doch einfach weiterleben – oder nicht?

Ich kenne keinen „normalen“ Menschen, der das könnte. Im Gegenteil, alle müssen sterben, ob sie wollen oder nicht. Und man kann sich nicht dagegen wehren, so wie man sich auch nicht dagegen wehren kann, dass man älter wird. Man kann ja nicht sagen, ich bleibe immer 9 Jahre alt! Aber wenn man ein bisschen darüber nachdenkt, kann man dazu kommen, dass man das auch nicht so schlimm findet, dass man einmal stirbt (meistens allerdings nur, wenn man schon ziemlich lange gelebt hat). Aber du hast Recht: Viele tun so, als würden sie immer immer weiterleben. Ich finde das ziemlich unrealistisch.

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