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Predigt-Grundgedanken der Predigt im Go!Special am 15.2.2009

 

Schmetterlinge im Bauch – und dann? – Was die Liebe stark macht

Es gilt das gesprochene Wort.

 

 

 

Liebe Go!Special-Gemeinde, da habe ich mich auf was eingelassen!

 

Zu diesem Thema ist man auf dünnem Eis, denn im eigenen Leben sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Auch Ehen von Paartherapeuten scheitern und von Pastoren auch. So menschlich ist das Thema, und so vertrackt manchmal auch.

Patentrezepte gibt es auch nicht, Leider! möchte ich sagen. Denn bei allen Erkenntnissen der Psychologie, die für fast alle Paare zutreffen: Ausnahmen bestätigen die Regel.

 

Interessant waren für mich auch die Reaktionen im Vorfeld, als die Leute die Plakate gelesen hatten. Lang Verheiratete sagten dann zu mir: Ermahnen Sie die Leute doch mal, dass die nicht so schnell auseinanderlaufen (und ein bisschen klang für mich die Überlegenheit mit: Wir haben es ja auch geschafft).

 

Natürlich: Die Trennungsraten sind kein Grund zum Jubeln – und man kann das Heulen kriegen, wenn man die Geschichten und persönlichen Verletzungen hinter einer Trennung kennt.

Aber Ermahnungen? Denen traue ich sowieso wenig zu – und wenn starke Gefühle im Spiel sind, dann schon erst recht nichts.

Die gehen links rein, rechts raus – und erreichen nicht das Herz.

Da geht es uns wie in der Geschichte vom Volk Israel vor langer Zeit, als Moses mit den Gesetzestafeln vom Berg runterkam. Und der sagte: Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Euch. Die gute: Ich habe ihn auf Zehn runtergehandelt. Die schlechte: Ehebruch ist immer noch dabei.

Das Gebot – so sehr wir mit dem Verstand wissen, dass es sinnvoll ist – macht die Liebe wohl nur sehr selten stark.

 

Aber was ist es dann, was die Liebe stark macht? Was hält Paare zusammen, wenn die Schmetterlinge verflattert sind – und dieses Kribbeln im Bauch Geschichte ist?

 

Ich bin davon überzeugt, es sind zwei wichtige Dinge, die die Liebe stark machen. Und die möchte ich etwas ausführlicher erklären.

Das erste ist es die Liebe, die wir selbst erleben. Die wir selbst nur annehmen können. Es ist die Erfahrung einer UR- oder Grundliebe. Ich bin überzeugt: Das brauchen wir, um selber lieben zu können.

Das zweite ist die Pflege, die wir unseren Partnerschaften angedeihen lassen. Das nimmt uns in die Pflicht. Erinnert uns an die eigene Verantwortung, dass Liebe und Partnerschaft auch Arbeit sind.

 

Ich fange mit dem ersten an:
Wir brauchen die Erfahrung selbst geliebt zu werden, um andere lieben zu können. Und da sind wir richtige Nimmersatte. Von echter Liebe können wir nicht genug bekommen. Wir brauchen sie, damit sich unsere Persönlichkeit entfaltet, dass wir gerne leben können. Dass wir uns lieben können und als Folge andere lieben können.

Wir wissen das von Kindern, die im ersten Lebensjahr zu wenig Zuwendung erfahren haben. Das ist ganz schwer aufzuholen. Und oft sind es dann Menschen, die ein Leben lang auf der Suche sind, nach mehr Liebe. Und Liebe heißt hier nicht allein, dass mich einer in den Arm nimmt, es heißt mehr leidenschaftlich als alle Leidenschaft dieser Welt.

Liebe erfahren heißt: Ich weiß, ich bin gewollt. Ich weiß, dass ich eine Heimat habe, wo ich sein kann, mich zugehörig fühle. Liebe erfahren heißt: Es nimmt mich einer und fängt mich auf, auch wenn ich schwach bin. Auch wenn ich Fehler mache.

 

Wir sehen das bei Säuglingen ganz beispielhaft: Der kann sich nicht selbst versorgen. Der kann sich nicht selbst beruhigen, sich nicht selbst trösten. Der braucht en Gegenüber, das da ist, verlässlich, komme, was da wolle. Und durch die Erfahrung lernt ein Menschenkind sich selbst zu lieben und als Konsequenz andere zu lieben. Wir Menschen sind bedürftige Wesen – auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen. Unser Leben ist eine Suche nach Liebe. Nach Orten, wo wir sein dürfen, wie wir sind.

Genau das ist der Punkt, wo dieses Thema mit dem Glauben zu tun hat. Denn wer glaubt, der glaubt Gott gerade das:

Ich bin gewollt. Du wolltest, dass es mich gibt auf dieser Erde. Ich bin kein Betriebsunfall einer heißen Nacht. Du traust mir etwas zu. Du stehst mir bei, auch in meinen Fehlern.

Für mich ist die Beziehung zu Gott die Antwort auf meine endlose Liebesbedürftigkeit. Verlässlich. Bedingungslos. Ewig.

In der Zeitung habe ich gelesen, dass eine Gemeinde in Osnabrück gestern Liebesbriefe in der Fußgängerzone verteilt an. Adresse: An meinen Menschen. Absender: Dein Gott. Diese Aktion bringt es auf den Punkt. Wo ich erfahre, wie menschliche Liebe begrenzt und gefährdet ist – hier ist eine Liebe, die hält. Die mich hält.

Wo erleben Sie, dass Sie geliebt sind? Bedingungslos? Ewig?

Wir möchten Ihnen am Ausgang eine Karte schenken. Da stehen berühmte Worte drin, die die Liebe besingen:

1.Korinther 13,4-13

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie läßt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf.

 

Wahrscheinlich geht’s Euch wie mir: Wie oft ist meine Liebe so nicht. Kann menschliche Liebe überhaupt so sein? Aber das ist auch nicht ein Lied über meine Liebe, die manchmal stark und manchmal schwach ist. Die kommen und gehen kann. Die manchmal eigennützige Motive hinter Liebeserklärungen versteckt. Das ist ein Lied auf Gottes Liebe zu dir und mir. Das ist Gottes Werben: Lass dich auf mich ein. Erlebe, wie meine Liebe dich verwandelt. Nehmen Sie es mit - Erinnerung an ein unverbrüchliches JA, dass zu Ihnen gesprochen ist.

Das ist mehr als eine Floskel. Denn es will eine Folge haben: Die Folge, dass ich lieben kann. Dass ich die Sicherheit habe, dass ich mich fallenlassen kann, dass ich jemand anders auffangen kann – weil ich selbst gehalten bin, in Gottes Armen. Dass ich mich verschenken kann und mich eben nicht die Angst kaputt frisst, dass ich zu kurz kommen könnte.

 

Bei jeder Trauung, die ich begleite ist das mein Hauptanliegen. Dass das die beiden – je für sich - wissen. Die werden als Paar gesegnet. Aber ich danke Gott auch für jeden der beiden einzeln und sage Ihnen weiter: Bevor Ihr JA sagt, sagt ein anderer Ja zu Euch. Und wie Euer JA persönlich meint, meint der es auch persönlich.

 

Natürlich, auch Ehen die in der Kirche geschlossen werden, können scheitern. Manchmal dann steht die Frage im Raum: Hat der Segen nicht gewirkt? Hat Gott nicht aufgepasst?

Missverständnis: Segen ist kein Bad im Drachenblut. – Nicht: „Gott, mach das mal“ – keine Delegation der Verantwortung.

Eine Liebeserklärung ist nie eine Entmündigung. Die Liebeserklärung Gottes auch nicht. Es ist vielmehr die Zusage: Weil ich dich liebhabe, gehe ich mit, komme, was da wolle, auch durch alle Krisen. Und die Verbindung mit mir, jedes Gespräch mit mir, jedes Gebet, soll dir und Euch helfen, dass ihr kreativ Eure Partnerschaft gestalten könnt.

 

Damit bin ich beim zweiten Punkt: der Pflege, die wir unseren Partnerschaften angedeihen lassen müssen. Jede Pflanze wird gegossen, jedes Auto gewartet. Auch eine Partnerschaft funktioniert nicht einfach so.
Wir wissen aus der psychologischen Wissenschaft, dass es ein paar Regeln gibt, die die Liebe stärken. Manche dieser Regeln sind im Grunde banal – und trotzdem müssen wir daran erinnert werden.

 

Die erste Pflegemaßnahme: Reduzieren Sie Ihre Erwartungen, überfordern Sie ihre Partnerschaft nicht: Wie furchtbar: „Du bist alles für mich!“ Merken Sie: Der Anspruch ist zu hoch. Die Erwartung: Mein Partner muss alles abdecken – dann dürfte er keine Fehler und keine Schwäche haben. Er wäre er Gott und kein Mensch. Lassen Sie Ihrem Partner seine/ihre Menschlichkeit!

Er oder sie Partner kann nicht allein ihr Lebensglück machen. Definieren Sie sich nicht nur als Mann/Frau, als Teil einer Partnerschaft. Denn Sie bleiben ein Individuum, eine Persönlichkeit. Sie brauchen auch ein eigenes Leben – und vielleicht sogar ein Geheimnis.

 

Die zweite Pflegemaßnahme: Bringen Sie Ihre Partner-Landkarte auf den neuesten Stand! Ihr Partner ist wie ein ganzes Land, vielleicht gar ein ganzer Kontinent. Was wissen Sie darüber? Paare, die die genaue Landkarte von der Welt des anderen kennen, können viel besser mit schwierigen Ereignissen und Konflikten fertig werden.

Sie kennen sich? Nennen Sie mal einige Lebensträume ihres Partners. Seine drei Lieblingsfilme? Das schwerwiegendste Ereignis seiner Kindheit? Wovor hat er am meisten Angst? Welches sind seine besten Freunde, welches seine Rivalen, vielleicht gar Feinde? Kultivieren Sie das Fragen! Reden Sie!

 

Die dritte Pflegemaßnahme: Pflegen Sie Zuneigung und Bewunderung füreinander!

Wissen Sie noch, wie Sie sich kennengelernt haben? Was hatten sie an? Was waren die Orte, an denen Sie sich getroffen haben? Egal, was jetzt ist, damals muss sie was gepackt haben, dass Ihre Geschichte weiterging. Und sich daran zu erinnern ist keine Nostalgie, keine Sentimentalität. Paare, die die glücklichen Erlebnisse der Vergangenheit kultivieren und feiern, haben die besten Chancen für eine positive Zukunft

Machen Sie sich einen positiven Charakterzug ihres Partners klar und erinnern sie sich an eine Begebenheit, wo sie diesen Charakterzug erlebt haben. Erzählen Sie das ihrem Partner! Du bist witzig, aufmerksam, gutaussehend, verführerisch, zärtlich, kraftvoll, abenteuerlustig, zurückhaltend und ich weiß noch genau, als du …

So findet man auch etwas wieder, was man vielleicht schon lange verloren hatte.

 

Die vierte Pflegemaßnahme: Wenden Sie sich einander zu und nicht voneinander ab!

Partner ignorieren meist aus Gedankenlosigkeit die (emotionalen) Bedürfnisse des anderen, nicht aus Boshaftigkeit

Kämpfen Sie gegen die Gedankenlosigkeit. Eröffnen Sie für Ihren Partner ein Gefühlskonto und zahlen Sie ein. Machen Sie für sich einen Kontoauszug.

„Einfach mal so im Büro angerufen“ – „Seine Lieblingskaugummis ins Auto gelegt“ Einzahlungen! Seine Mutter ertragen, ohne Kommentar. Statt Tatort einen Liebesfilm mitgeguckt. Auch Abhebungen:

„Vergessen seine Fotos abzuholen“ – „Zu spät von der Arbeit gekommen“

Nur bitte keinen Wettkamp, wer mehr einzahlt …

 

Die fünfte Pflegemaßnahme: Lassen Sie sich von Ihrem Partner beeinflussen! – Beziehen Sie einander in Entscheidungen ein! Fragen Sie: Was meinst du dazu? Trauen Sie ihm / ihr Kompetenz zu

 

 

Ich könnte die Reihe endlos fortsetzen, was wir füreinander und für unsere Liebe tun können.

Meine Frau und ich fanden dabei dieses Buch anregend: Die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe von John M. Gottman

 

 

Meine Zusammenfassung möchte ich Ihnen an dieser Skulptur sagen:

Paar auf einem Fundament – das die Individuen und die Liebe trägt – dann ist viel möglich …

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