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Home > Go!Special > Rückblick > 2010-02-28 > Kreuzverhör2010-02-28

"Höher, schneller, weiter... - Wann haben wir genug?" - Fragen und Antworten aus dem Kreuzverhör am 28.02.2010

Konzentration für das Kreuzverhör: Pastor Matthias Richter lauscht den Fragen aus dem Publikum.

[Manche Fragen sind hier zu Frageblöcken zusammengefasst.
Einige wenige Karten sind im Gewimmel nach dem Go!Special abhanden gekommen – sorry!
]
    
Welches ist der Königsweg für die Intervalle zwischen Leistung und Muße?
Ich vermute mal, ich muss auf der einen Seite Ziele haben, die mich locken, das Gefühl, ich kann mich einsetzen, meine Gaben einbringen, habe Kontakte, kann etwas bewirken – aber all das geht nicht dauerhaft über meine Kraft und meine Fähigkeiten hinaus. Diese Balance zu finden ist eine echte Aufgabe – und manchmal auch eine Kunst.

Fängt Zurückhaltung nicht mit Konsequenz an? Wie können wir Konsequenz lernen? Wie können wir konsequente Haltungen vermitteln?
Sehr schwere Frage! Mit Vorbild wohl am ehesten.

Wie sieht es mit einem gesunden Selbstbewusstsein aus?
Danke für diese Frage! Genau das ist ein wichtiger Faktor für ein verantwortungsvolles Leben in Freiheit. Für mich gründet ein gesundes Selbstbewusstsein oder ein gesundes Selbstwertgefühl darin, dass ich mich angenommen und getragen weiss, so wie ich bin, mit meinen Stärken genau wie mit meinen Schwächen. Und genau darum geht es im Christsein: Nicht alle Menschen haben ein gutes Selbstwertgefühl von zuhause mitbekommen, manchmal kriegt es im Leben Brüche und geht verloren. Meinen Selbstwert habe ich von Gott, der ist meine Stärke. Und oft hilft mir das, gegen die Angst zu kurz zu kommen, anzustinken.

Wie kann ich dem Druck widerstehen, wenn ich Verantwortung habe? - Wie mache ich meinem Arbeitgeber diese Entschleunigung klar? - Wie kann ich aus der Tretmühle aussteigen, ohne ins Abseits zu geraten?
Ich würde zunächst mal sagen: Was Abseits ist, bestimmen Sie! Es ist doch kein Abseits, wenn Sie auf eine Gehaltszulage oder eine Beförderung verzichten, wenn Sie auf der anderen Seite einen Zugewinn an persönlicher Freiheit und z.B. Freiheit gewinnen. Und dann würde ich gucken, was die Tretmühle alles ausmacht. Meistens wird sie durch mehrere Faktoren gebildet: Wenn Sie im Job nichts ändern können, dann vielleicht zuhause. Oder umgekehrt! Ich würde immer darauf achten, dass Sie im Leben in mehreren Rollen zuhause sind. Manchmal fängt Veränderung klein mit einer der Rollen an.

Was erzählen Sie den Menschen, für die sich diese Fragen nach dem „Immer-Mehr“ gar nicht stellen, weil sie kaum genug zum täglichen Überleben haben?
Danke für diese Ergänzung! Natürlich richten sich meine Anregungen an die Menschen, die im „Höher-Schneller-Weiter“ gefangen sind und überhaupt auch erst die Möglichkeiten zu diesem „Wettbewerb“ haben. Insofern ist das wirklich ein „Luxus-Problem“. Ich glaube aber, dass es sich auch auf vielen Wohlstandsebenen abspielt und nicht erst ab 100.000 Euro Jahreseinkommen aktuell ist. Aber das andere ist ja auch klar:  Man kann die Augen wirklich nicht mehr verschließen davor, dass es immer mehr soziale Ausgrenzung gibt, auch im immer noch reichen Deutschland. Die Schere zwischen Arm und Reiche geht weiter auseinander. Es macht mich traurig, dass in dem ganzen Nachdenken über das Sparen unseres Staates immer zuerst an die Sozialleistungen gedacht wird, dass man immer zuerst bei denen etwas wegnimmt, die schon wenig haben. Und dass man in der Debatte die Menschen am unteren Einkommensrand, die wenig verdienen oder von Sozialleistungen leben, gegeneinander ausspielt.


Wie kann ich eine andere Person dazu bringen, ihr Leben zu entschleunigen?
Natürlich ist letztlich jeder für sich selbst verantwortlich. Einen echten Freund aber erkennt man sicher daran, dass er mutig auch Unbequemes sagt, den Konflikt aushält. Er wird  sich aber auch fragen lassen müssen, wie er sein eigenes Leben gestaltet. Das kann dann ja spannend werden!

Wie können Vernünftige etwas ausrichten, wenn sie zu wenige sind?
Ich höre da Frust raus – und kann ihn auch ein ganzes Stück weit verstehen. Aber ich denke dann: Frust ist das letzte, was wir uns heute erlauben können…

Wie schwer ist es heute in der Erziehungsarbeit von Kindern, den Druck (Handy, Klamottenwahn, Nike-Schuhe) entgegen zu halten! Wie viel kann man eigentlich dagegen halten, was können Eltern tun? - Wie können wir die Menschen, insbesondere die Kinder und Jugendlichen im Herzen erreichen, dass sie verstehen und tun? - Wie bringe ich Schüler und Lehrer dazu, das „Höher-Schneller-Weiter“-Prinzip nicht immer in den Vordergrund zu stellen?
Diese Frage können viele von Ihnen sicher besser beantworten als ich es kann. Zunächst würde ich meinen: In die Aufreihung in der Frage von Lehrern und Schülern müssen dann ja unbedingt die Eltern auch rein. Wahrscheinlich ist es immer das gleiche: Es geht um das Vorbild, in allen Beziehungen. . Die Frage ist dann, was Kinder erleben, welche Werte zählen. Und ob sie erleben, dass der Mensch mehr ist, als man in Noten fassen kann. Ich weiß, dass die Realität oft so ist, dass ja wirklich die Noten das alleinige Kriterium für einen Ausbildungsplatz sind. Wichtig ist mir dann, dass gerade Kinder und Kinder aber auch Entdecken, dass sie trotzdem etwas wert sind, etwas können, gefragt sind. Ich hoffe, unsere Kinder- und Jugendarbeit in St. Paulus ist so ein Ort.

Ein Kind fragt: Warum gibt es schlechte Noten? Warum wird nach Noten beurteilt?
Schlechte Noten sagen zunächst mal nur, dass ein Kind nicht so gut rechnen oder lesen kann. Sie sagen nicht, ob jemand ein guter Freund sein kann, ein Geheimnis bewahren kann oder hilfsbereit ist. Das ist ja auch wichtig im Leben! Vielleicht kann eine schlechte Note ja auch sagen: Da braucht ein Kind Hilfe. Oder: Du bist ein Faulpelz!
Hast du eine bessere Idee, wie man Schülerbeurteilen kann als mit Noten? Ich glaube, es gibt nicht so richtig gute andere Möglichkeiten. Aber das andere darf man nicht vergessen: Noten sagen nicht etwas darüber aus, was einer für ein Mensch ist.


Herr Pastor, warum tragen Sie Ihren Ehering an der linken Hand?

Das ist lustig, da wurde ich gerade in letzter Zeit öfter mal drauf angesprochen. Der Grund ist ganz einfach. Als wir im November geheiratet haben, hatte ich den Ring erst rechts. Als ich Heiligabend 500 mal Frohe Weihnachten gewünscht und entsprechend viele Hände geschüttelt habe und ziemlich viele Menschen ihre guten Wünschen durch einen kräftigen Händedruck untermauern wollten, war klar: Nie wieder den Ring auf rechts!

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