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Home > Go!Special > Rückblick > 2010-10-03 > Kreuzverhör2010-10-03

Kreuzverhör im Go!Special am 03.10.2010 zum Thema "Und was ist der Dank dafür?"

Pastor Lutz Tietje wird von Günter Parey (links) und Anna Kroll ins Kreuzverhör genommen.

Ich versuche schon lange, in unserer Familie ein Tischgebet einzuführen, werde aber immer nur belächelt und nicht ernst genommen. Haben Sie einen Tipp?

Es immer schwer, jemanden vom Danken zu überzeugen, zu sagen „das muss man doch“, wenn es der betreffende Mensch nicht wirklich von innen, vom Herzen tun mag. Es ist vielleicht einfacher, wenn man als Kind schon in irgendeine Form des Tischgebetes hinein wächst und es gar nicht anders kennen lernt. Ich würde den Fragesteller oder die Fragestellerin gerne ermutigen nicht aufzugeben und immer wieder den Versuch zu machen. Und selbst wenn es kein Tischgebet ist, so gibt es doch vielleicht eine andere Form oder Geste, gemeinsam am gedeckten Tisch Danke zu sagen und es nicht einfach als selbstverständlich hinzunehmen. Ein Freund, der einige Zeit in Norwegen gelebt hat, erzählte mir zum Beispiel von einem Brauch, den er dort in einer Familie kennengelernt hat, dass man das Essen immer beendete mit dem Satz „Danke für's Essen“ - und damit Danke sagte an den, der gekocht hatte und auch danke sagte für Sattwerden.


Wieso müssen wir Gott danken? Er hat uns erschaffen und er will uns ja nicht verhungern lassen.

Niemand „muss“ danke sagen, genauso wie niemand lieben „muss“. Aber es ist doch einfach die Frage, mit welchem Maß ich mein Leben messe. Mit dem Anspruch dessen, der zu wissen meint, was ihm zusteht, oder mit dem Staunen darüber: Mir ist mehr geschenkt als das, was ich machen kann. Und mir gelingt mehr, als das, was ich mit meinen Fähigkeiten vermag. Natürlich kann ich sagen: Wieso sollte ich danken, es ist doch alles da, ich kann doch für alles sorgen. Aber mit solch einer Sicht der Dinge sehen wir doch nur oberflächlich auf das, was wir sind und haben.


Was ist, wenn ich keine Dankbarkeit fühle, weil ich so viele Sorgen habe?

Zunächst mal finde ich es wichtig zu sagen, dass wir hier in einer anderen Situation sind als an der Wursttheke, wo die Verkäuferin dem Kind ein Stück Wurst schenkt und die Mutter ihm in die Seite stubst und sagt: „Was sagt man da?“ Es geht mir beim Thema „Dankbarkeit“ um mehr als um die Erziehung zur Höflichkeit. Natürlich gibt es Situationen im Leben, in denen einem nicht nach Danken zumute ist. Aber wenn ich diese andere Dimension in meinem Leben entdeckt habe, dass da ein Gott ist, der für mich sorgen will, dann fange ich in einer Notsituation auch an zu beten und sage: „Du, Gott, willst doch für mich sorgen. Also sieh an, wie es mir gerade geht und hilf mir heraus.“ Gerade in den schweren Augenblicken will ich diese Dimension Gottes in meinem Leben nicht vergessen, sondern gerade dann Gott ganz nah wissen.


Wie hängen Danken und Verzeihen zusammen?

Das Danken deckelt das Verzeihen nicht zu, sondern das Verzeihen gelingt nur, wenn ich das, was mir jemand angetan hat, auch wirklich ernst nehme, aber gewillt bin, die Beziehung zu diesem Menschen zu retten, den Menschen zu sehen und nicht zur seine böse Tat. Danken und Verzeihen hängen vielleicht zusammen, indem beide Geschwister der Liebe sind. Und wenn man einen Menschen wirklich liebt, dann fällt das Danken für diesen Menschen leichter und dann gelingt es auch zu verzeihen.


Soll ich für Leid und Kummer danken, weil vielleicht später einmal etwas Gutes daraus wird?

Ich finde das etwas Großes, wenn man für Leid und Kummer danken kann. Das gelingt wohl nicht in dem Augenblick, in dem es einem ganz schlecht geht. Aber im Rückblick ist es wohl möglich. ich selber habe die Erfahrung gemacht, dass die schweren Erfahrungen die sind, aus denen ich manchmal viel lerne und die eine Bedeutung gewinnen für die Art und Weise, wie ich auf mein Leben blicke und wie ich mich verhalte.


Wir feiern ja heute 20 Jahre Wiedervereinigung. Aber noch immer gibt es das Gegenüber von Ossis und Wessis. Wer sollte heute wem danken?

Ich denke, wofür wir heute vor allem und alle gemeinsam dankbar sein können, ist, dass es die Wiedervereinigung überhaupt gegeben hat. Dass Menschen für ihre Freiheit aufgestanden sind und mit friedlichen Demonstrationen es geschafft haben, der Welt und dem gemeinsamen Land, in dem wir heute leben, ein anderes Gesicht zu geben. Wer bei der Wende welche Rolle gespielt hat und wer welchem Menschen wofür danken kann, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Da werden zunächst mal die Menschen, die damals mit dabei waren, ganz persönliche Antworten finden müssen.


Ist es nicht egoistisch, nur für mich und meine Familie danke zu sagen, wenn es so viele Menschen gibt, denen es schlecht geht?

Zunächst: Auch wenn es anderen Menschen schlechter geht als mir, würde ich nicht auf das Danken verzichten wollen. Aber das Danken wird mich und meinen Blick auf die ungerechte Verteilung der Güter in der Welt verändern. Das habe ich in der Predigt versucht zu sagen mit dem Satz, dass das Danken uns die Hände öffnet und dass Dankbarkeit und Gerechtigkeit Geschwister sind.


Es gibt immer wieder Menschen, die „danke“ nur aus Höflichkeit sagen. Wie soll ich damit umgehen?

Ich freue mich zunächst mal über jedes „Danke“, das ich höre. Ich würde das Danke erst einmal gerne annehmen können, bevor ich der Vermutung nachgehe, dass es nicht ehrlich gemeint oder nur eine leere Floskel ist. Wenn es mich bei jemandem, den ich gut kenne, wirklich nervt, dann würde ich es vielleicht ansprechen. Aber zunächst mal finde ich, dass man das Danke ruhig häufig hören und sagen kann.


Ist Dankbarkeit gegenüber einem Menschen auch eine Dankbarkeit gegenüber Gott?

Natürlich kann ich einem Menschen danken, ohne dabei gleich an Gott denken zu müssen. Und doch glaube ich, dass wir mit Menschen beschenkt sein können, dass uns Gutes – auch von anderen Menschen – widerfährt, was wir nicht selber machen oder und verdienen können. Und das bringt mich auf die Spur nach dem Geber der guten Gaben zu fragen. Das Geschenk und den Sinn darin erfahren wir nur, wenn wir den kennen, der es schenkt.


Zweifeln Sie, Herr Tietje, an der Wissenschaft und an ihren Ergebnissen?

Nein, aber ich wollte mit den entsprechenden Sätzen in meiner Predigt sagen, dass das, was ich wissenschaftlich erklären kann, nur eine und oft nicht die wichtigste Dimension in meinem Leben ist.


Was ist der Gegensatz zur Dankbarkeit? Undankbarkeit?

Ich denke schon, oder?


Noch ein zwei Stellungnahmen, die keine Fragen sind, aber trotzdem nicht untergehen sollen:

Matthias Richter gehört zum Go!Special. Schade, dass er weggeht aus der Gemeinde. Ich hoffe, dass es trotzdem weitergeht mit dem Go!Special, auch in Erinnerung an ihn.

Ich bin froh, dass Lutz Tietje den Go!Special würdig fortführen kann. Hätte mir noch gewünscht, dass auf den Weggang von Matthias Richter kurz eingegangen worden wäre. Ansonsten: Toller erster Eindruck, denn die „Vorgaben“ sind sehr hoch. Ich freue mich schon auf den nächsten Go!Special.

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