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Kreuzverhör im Go!Special am 26.06.2011 zum Thema "Spinner, Träumer, Visionäre - Lohnt es sich, Ideale zu leben?"

Marion Knoop und Peter Flämig nehmen Pastor Lutz Tietje (Mitte) mit den Fragen der Besucher ins Kreuzverhör.

Wieso haben die Menschen Verlangen nach Träumen?

Weil wir Geschöpfe Gottes sind. Vielleicht ist es in uns tatsächlich so etwas wie die Suche nach dem verlorenen Garten Eden, die Suche nach dem Vollkommenen, nach etwas was uns tragen und ausfüllen kann, die uns beim Träumen antreibt. Und letztlich steht dahinter wohl die Sehnsucht nach Gott selbst.


Welches Ideal haben Sie, und wie weit würden Sie gehen, um es zu bekommen?

Eines meiner Ideale ist, dass ich (und das wünsche ich mir für alle Menschen) in der Lage bin, Menschen wirklich zu lieben und so anzunehmen wie sie sind. Das hat für mich etwas damit zu tun, dass Menschen andere Menschen als gleichberechtigt und wirkliches Gegenüber zu respektieren. Und überall dort, wo das nicht geschieht und die Würde eines Menschen mit Füßen getreten wird, hoffe ich, dass ich die Kraft und den Mut haben, dagegen zu halten.


Was tue ich, wenn ich zwei widersprechenden Idealen nachstrebe, zum Beispiel Partnerschaft und Familie auf der einen Seite und Freiheit auf der anderen Seite?

Ich glaube nicht, dass sich Freiheit und Partnerschaf widersprechen. Mein Trauspruch heißt: „Gott ist Geist, und wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit.“ (2.Korintherbrief 3,17) Freiheit ist immer Freiheit für etwas. Nur ein freier Mensch ist in der Lage, sich an etwas oder jemanden zu binden und Verantwortung zu übernehmen. Das Ideal, sagen zu können: „Ich kümmere mich nur um mich selbst, was kümmert mich der Rest der Welt.“ - das ist nicht die Freiheit, wie ich sie verstehe.


Was ist, wenn man Angst hat, wenn man ausgelacht wird, wenn andere deinen Traum nicht unterstützen, sondern dich dafür hassen? Soll man trotzdem träumen?

Eindeutiges Ja. Wie ich vorhin schon gesagt habe: Hört nicht auf zu träumen. Dass ein Ideal oder ein Traum immer auch Widerstände provoziert, ist etwas, was wir alle kennen. Aber das ist ja gerade die Kraft eines Traumes, dass er sich auch gegen Widerstände durchsetzen kann. Und wenn Leute über dich lachen, such dir andere Verbündete.


Ich glaube, als Team kann man mehr erreichen, als wenn 10 Einzelkämpfer ins Rennen geschickt werden – langfristig gesehen. Warum wollen „Vorstände“ das nicht einsehen? War das, was früher geklappt hat, falsch?

Das Ideal der Teamarbeit kann ich nur unterstreichen. Jedes Ideal, jeder Traum steckt andere an. Ein gutes Beispiel dafür ist für mich eine Kirchengemeinde wie St. Paulus. Was wäre diese Gemeinde, wenn nicht ganz viele Menschen gemeinsam das leben würden, was Gott in uns hinein gelegt hat, und etwas von diesem Glauben weitersagen? Und davon lassen sich wieder Menschen anstecken, bringen ihre Ideen ein, und tragen etwas von Gott weiter. Das viele die Möglichkeit bekommen, mitzumachen, das kann man beim Kirchenvorstand immer wieder einfordern.


Wieviel von einem „Träumer“ steckt in Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren? Und warum werden sie in vielen Bereichen immer rarer?

Im Ehrenamt steckt tatsächlich viel von dem Traum oder dem Ideal, zu sagen: Ich bin mir selbst nicht genug. Und wo ich etwas von mir einbringen, wo ich helfen kann, wo ich eine Aufgabe finde, die mich erfüllt, da frage ich nicht nach der Bezahlung und ob man mit dieser Arbeit reich werden kann. Das ist die Kraft eines Ehrenamtes, dass es auf diese Weise an das Innerste eines Menschen rührt. Warum die Ehrenamtlichen scheinbar immer weniger werden, wäre ein Thema für sich. Ich glaube das gar nicht, dass das so pauschal stimmt. Für unsere St.-Paulus-Gemeinde stimmt das zum Beispiel nicht, dass die ehrenamtlich Engagierten immer weniger werden.


Dürfen die Menschen den Glauben an das Gute im Menschen und das Recht der Menschlichkeit immer und überall leben?

Sie sollten es leben dürfen, immer und überall. Dass es Situationen oder Länder gibt, in denen es um die Menschlichkeit nicht so gut bestellt ist, wissen wir auch. Umso mehr bleibt es unsere Aufgabe, der Menschlichkeit zu ihrem Recht zu verhelfen.


Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Handeln. Aber ist es nicht ein Unterschied zwischen „Glauben“ und „Überzeugen“?

Wenn ich wirklich an etwas glaube, dann bin ich auch überzeugt davon. Aber es ist etwas zweites, ob ich auch einen anderen Menschen davon überzeugen kann. Das ist gewiss nichts, was automatisch passiert. Da wird man mit Widerständen leben müssen, und damit, dass Menschen sich auch nicht überzeugen lassen. Aber nur da, wo ich für etwas brenne, kann auch ein Funken überspringen.


Hatte Gott es wirklich nötig, sich ein Gegenüber zu schaffen – zum lieben? Wird er dadurch nicht etwas „vermenschlicht“?

Ich glaube, Gott ist die Liebe. Und keine Liebe kann sich damit begnügen, sich selbst genug zu sein, sondern braucht ein Gegenüber für seine Liebe. Und deshalb gibt es mich und dich und die ganze Welt. Dadurch wird nicht Gott „vermenschlicht“, sondern dadurch tragen wir Menschen etwas von Gott in uns, weil wir eine Schöpfung seiner Liebe sind.


Wann glaubt man?

Ich denke, jeder Mensch glaubt an etwas. Selbst der, der sagt, ich glaube nur an das, was ich sehen oder nachrechnen oder beweisen kann. Wir Menschen tragen das in uns, das wir auf der Suche sind nach dem, wofür es sich zu leben lohnt, und Antworten suchen auf die Frage nach unserem Woher und Wohin.


Welchen Traum haben Sie für die Kirche angesichts der immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen?

Mein Traum für die Kirche hat nicht so viel mit Geld zu tun, ob es nun knapper wird oder nicht. Mein Traum für die Kirche handelt davon, dass Menschen durch Gottes Geist mutig und fähig werden, von ihrem Glauben zu erzählen und ihn in der Welt und in einer Gemeinde zu leben. Ich träume von einer Gemeinde, die etwas von Gottes Gegenwart und der Fröhlichkeit des Glaubens ausstrahlt und Mensch ansteckt. Und weil Geld immer auch den Ideen und Träumen folgt, und weil in der Geschichte der Kirche schon vieles wirklich geworden ist, das Menschen nicht für möglich gehalten haben, darum würde ich da jetzt gar nicht so sehr über das Geld nachdenken. Die Kirche, von der ich träume, gibt es auch dann, wenn das Geld nicht mal mehr reicht, um einen Pastor bezahlen zu können.


Gott fragen „Was träumst du“? Wir bekomme ich Klarheit, was Gott zu meinen Träumen meint?

Ich denke, dass es wichtig ist, dass wir unsere Träume mit Gott teilen, so wie unser ganzes Leben. Beten, in der Bibel lesen, sich damit beschäftigen, was die Bibel sagt darüber, wie Gott ist, und was er für uns Menschen will – das heißt für mich, danach zu fragen, was Gott träumt. Letztlich möchte ich meine Träume messen an dem, was Gott für uns Menschen vorhat, auch wenn ich nicht hundertprozentig sicher sein kann. Aber es gibt keinen anderen Maßstab dafür als die Bibel.

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