Aktuell
Wer wir sind
Gottesdienst
Go!SpecialDas KonzeptDas TeamGo!Special GlaubenskursRückblick
Glaube
Aktivitäten
Paulz
Jugend
Kindertagesstätten
Service
Home > Go!Special > Rückblick > 2011-06-26 > 2011-06-26_Predigt

"Spinner, Träumer, Visionäre..." Die Predigt beim Go!Special am 26.06.2011

Pastor Lutz Tietje während der Predigt.

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort).

Liebe Go!Special-Freunde,

jedes Schloss hat mal als Luftschloss angefangen. Dass wir Menschen Bilder einer neuen Zunkunft in uns tragen, dass wir träumen können, ist eine wunderbare Gabe, die Gott uns mit auf den Weg gegeben hat. Aus dem, was wir im Herzen tragen, wächst die Kraft, dieser Welt ein anderes Gesicht zu geben. Der Dichter Antoine de Saint-Exupéry hat es so ausgedrückt:

„Wenn du ein Schiff bauen willst, fange nicht an, Holz zusammen zu suchen, Bretter zu schneiden und Arbeit zu verteilen, sondern wecke in den Menschen die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer.“

Es geht um deine Sehnsucht, um das, was dein Herz ausfüllt, bei diesem Go!Special heute. Und dafür haben wir hier ein paar Beispiele als Dekoration aufgebaut: Das Ideal einer Liebe, die dich durchs Leben trägt und ewig hält [Brautkleid]. Der Traum von der Freiheit [Harley Davidson]. Das Ideal einer Welt, die wir Menschen bebauen und bewahren und nicht vergiften und zerstören [Anti-Atomkraft-Fahne].

Ich könnte das fortsetzen: Dass wir heute nicht mehr denken, die Erde sei eine Scheibe, dass wir in einer Demokratie leben, dass wir zuhause einen PC stehen haben und ein Handy in der Hosentasche tragen – all das gäbe es nicht, wenn nicht irgendwelche „Verrückten” einen Traum gehabt hätten, den sie verfolgt haben auch gegen Widerstände solange, bis er Wirklichkeit wurde.

Aber wenn wir so eine starke Kraft in uns tragen, warum verlieren wir sie dann manchmal? Warum geben wir unsere Ideale auf? Warum verliert sich der jugendliche Idealismus, mit dem so viele von uns in das Leben gestartet sind?

Ich denke, das ist so, weil wir unsere Erfahrungen machen. Weil wir dann, wenn wir alles haben, bequem werden. Weil wir die Erfahrung machen, dass die Liebe, von der wir dachten, sie hält ewig, zerbricht. Weil wir von Menschen enttäuscht werden. Weil wir von uns selbst enttäuscht werden, wenn wir das Beste wollen, aber nur halb so gutes dabei heraus kommt.

Deshalb halten wir uns lieber an das, was wir sehen, was wir können, was es schon immer gab, bleiben realistisch, geben unsere Erwartungen auf. Denn wer nichts mehr erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden. Wer immer von Menschen enttäuscht wird, der vertraut irgendwann niemandem mehr, der glaubt nichts mehr und liebt nichts mehr und bleibt ganz bei sich selbst – und hört auf, Mensch zu sein.

Aber dazu hat Gott uns nicht geschaffen. Wir hören auf Menschen zu sein, wenn wir unsere Sehnsucht, unsere Träume und Ideale verlieren. Davon erzählt die Bibel. Und vor allem erzählt die Bibel vom allerersten Träumer, von Gott selbst. Der war sich sich selbst nicht genug in seiner Vollkommenheit, sondern er träumte von einem Gegenüber, dem er seine Liebe schenken kann. Und aus diesem Traum entstand die Ganze Welt, die Steine und die Pflanzen, die Tiere und die Menschen. Und weil Gott die Menschen zu seinem Ebenbild schuf, sind wir Menschen genauso dazu bestimmt zu träumen und unseren Idealen zu folgen.

Die Bibel ist voll von Erzählungen über solche Menschen, die ihren Träumen und Idealen folgen, die aufbrechen in ein gelobtes Land, in dem Milch und Honig fließen. Und wenigstens von einem dieser Menschen will ich heute erzählen. Nicht von den großen Träumern, wie Abraham oder Mose, wie Petrus oder Paulus. Sondern von einem ganz unscheinbaren, von einem römischen Hauptmann, einem der Besatzer im Palästina zur Zeit Jesu.

Dieser römische Hauptmann war zugleich auch ein Vater, der einen Sohn hatte. Diese Sohn war so schwer krank, dass er das Bett nicht mehr verlassen konnte. Alle Bemühungen um ihn und alle ärztliche Kunst waren bisher vergeblich geblieben. Aber sein Vater, der Hauptmann, war sich sicher, dass das nicht der Sinn des Lebens für seinen Sohn sein konnte. Wann immer er an sein Bett kam, sah er auch ein anderes Bild vor seinem inneren Auge: Das Bild seines Sohnes, der fröhlich und lachend in seine Arme läuft. Und dieses Bild, das ließ ihn nicht los.

Das ist das erste, das einen Träumer und Idealisten auszeichnet: Idealisten sehen ein Bild von der Zukunft, etwas, dass es noch nicht gibt, oder nicht mehr gibt. Bilder von innen, nicht das, was vor Augen ist. Das ist die Stärke eines Traums, dass er mit Bildern, nicht mit Worten arbeitet.

Und dieses Bild, dass der Hauptmann mit sich trug, trifft auf die Erzählungen von Jesus. Über Jesus erzählten die Leute damals: Da ist einer, der solche Bilder wahr werden lässt. Der Menschen heilen kann.

Als der Hauptmann das hört, kann er nicht anders, als zu diesem Jesus zu gehen und seine Chance zu suchen. Er weiß nicht viel von diesem Jesus, er hat kaum eine Ahnung von der jüdischen Religion, die vielleicht hinter dem Ganzen steht. Aber das Bild seines fröhlichen Sohnes in seinen Armen lässt ihn nicht los. Er kann nicht anders, als loszugehen.

Und das ist das zweite Typische: Ein Ideal, ein Traum setzt in Bewegung. Ein Traum, der Menschen nicht in Bewegung setzt, ist gar keiner. Ein Traum, der dich in deinem Sessel lässt, so lang bis du darüber einschläfst, ist wohl nicht mehr als eine Flucht aus der so enttäuschenden Welt. Aber ein wirklicher Traum, ein Ideal, setzt dich immer in Bewegung, und setzt auch andere Menschen in Bewegung für die Verwirklichung dieses Traumes.

So kommt dieser Hauptmann zu Jesus und sagt ihm, was ist: „Mein Kind liegt zuhause ganz elend, und nichts konnte ihm bisher helfen.“ Und Jesus antwortete: „Und nun soll ich kommen und ihn gesund machen?“

In diesem Moment, wird dem Hauptmann aufgefallen sein, wie lächerlich diese Situation ist. Er, der römische Hauptmann, der Besatzer, der Unterdrücker bittet einen Juden, einen Unterdrückten, um Hilfe und klagt ihm sein Leid wegen eines kranken Kindes. Welcher Jude, der noch ein bisschen Stolz in sich trägt, würde dann nicht antworten: „Soll ich etwa kommen und dir helfen? Entweder du zwingst mich, oder du kannst mich mal.“

Aber der Hauptmann lässt sich nicht abbringen, zu stark ist das Bild seines fröhlichen Kindes, das er in sich trägt. Und er sagt zu Jesus: „Ich weiß nicht, wie du helfen kannst. Ich weiß nur, wie das bei mir geht: Ich bin ein Hauptmann und ich habe Soldaten unter mir. Und wenn ich zu einem Soldaten sage „Tu das“, dann tut er es. Vielleicht musst Du gar nicht kommen, Jesus, sondern sprich nur ein Wort, und dann wird mein Kind gesund.“

Als Jesus das hörte, drehte er sich zu allen um, die dabei standen und sagte: „Wirklich, einen solchen Glauben habe ich in ganz Israel noch nicht gefunden.“

In diesem Satz nennt Jesus die Kraft, die in einem Traum steckt, beim Namen: Es ist der Glaube. Der Glaube als Kraft, die Berge versetzen kann. Eine so enorme Kraft, dass sie mehr und mehr auch benutzt wird von Menschen, die mit Religion und Gott vielleicht gar nicht viel am Hut haben. Vom Mediziner, der seinem Patienten eine Placebo-Pille gibt, von Psychotherapeuten und Motivationstrainern. Der Glaube, eine enorme Kraft in jedem Traum, neben der Liebe und der Hoffnung wohl die stärkste, die wir in dieser Welt überhaupt haben.

Deshalb sind Träumer und Idealisten immer auch gläubige Menschen. Deshalb hat jeder Traum, jedes Ideal immer auch mit Gott zu tun. Träumen ist ein zutiefst spiritueller Akt. Da wo dein Herz schlägt, wofür du dich wirklich einsetzen willst, was dich wirklich umtreibt, was du wirklich liebst – da hast du es mit Gott zu tun.

Aber wo immer wir religiös werden und Gott ausblenden bekommen wir ein Problem. Da wird der Glaube leicht zum Aberglaube oder zu bloßer Magie, wird unsere Träumerei zum Götzendienst. Und dann vermag es die Kraft des Glaubens sogar, Menschen zu verführen und zu zerstören. Auch dafür gibt es genug Beispiele in unserer Geschichte.

Ja, der Glaube hat immer einen Preis. Der Glaube kostet dich immer deine Hingabe.

Und das Dumme daran ist, dass es keine Garantie dafür gibt, dass aus einem Traum auch tatsächlich Wirklichkeit wird. Dass Dumme ist, dass du deinem Traum folgen und heute den Samen säen kannst, aber vielleicht nicht zu denen gehören wirst, die auch die Früchte ernten werden.

Träumer und Idealisten sind nicht nur Menschen die glauben, sondern manchmal auch Menschen, die dran glauben müssen. Jesus hat dran glauben müssen. Martin Luther King hat dran glauben müssen. Die Menschen, die an unser innerdeutschen Grenze ihr Leben gelassen haben, haben dran glauben müssen lange bevor die Mauer dann tatsächlich fiel.

Und weil der Preis so hoch sein kann, halte ich es für wichtig, dass wir nicht nur fragen: Was will ich? Sondern auch: Was willst Du Gott?, Wovon träumst du, Gott?

Und dann kann es tatsächlich passieren, dass aus einem Traum Wirklichkeit wird. Dass es auch uns so geht, wie dem Hauptmann. Denn am Ende der Geschichte sagte Jesus zu ihm: „Geh hin, dir geschehe, wie du geglaubt hast.“

Und das sagt Jesus noch bis heute: Hört nicht auf zu träumen. Denn dazu hat Gott euch geschaffen.

Danke für's Zuhören.

Lutz Tietje

 

P.S.: Die biblische Geschichte vom römischen Hauptmann und seinem Kind ist nachzulesen im Matthäusevangelium, Kapitel 8, Verse 5 bis 13.

Kontakt

Spenden

Kircheneintritt

Links

Impressum

Seitenübersicht