Aktuell
Wer wir sind
Gottesdienst
Go!SpecialDas KonzeptDas TeamGo!Special GlaubenskursRückblick
Glaube
Aktivitäten
Paulz
Jugend
Kindertagesstätten
Service
Home > Go!Special > Rückblick > 2011-09-25 > 2011-09-25_Kreuzverhoer

Fragen und Antworten des Kreuzverhöres im Go!Special am 25.09.2011 zum Thema Gebet

Pastor Lutz Tietje (Mitte) beim Kreuzverhör.

Darf ich mit Gott im Gebet auch schimpfen?

Ganz bestimmt. Beim Beten komme ich selbst mit Gott in Kontakt, so wie ich bin. Im Gebet darf also alles vorkommen, was in mir drin ist: die Freude und die Dankbarkeit genauso wie die Klage oder das Schimpfen, weil ich wütend bin.


Wie bekomme ich das Gefühl der richtigen Gebetszeit?

Zunächst einmal würde ich sagen: Es gibt keine „richtige“ Zeit zum Beten und keine „falsche“ Zeit, so wie es auch keine „richtigen“ oder „falschen“ Gebete gibt. Dann wenn mir danach ist, wenn ich es einrichten kann, wenn es mir ein Bedürfnis ist, dann ist es auch die richtige Zeit zum Beten. Ich halte viel von einer regelmäßigen Verabredung mit Gott, die man sich selbst vornimmt. Dann muss man nicht immer drauf warten, ob einem gerade danach ist.


Warum erfüllen sich nicht alle Wünsche beim Beten?

Darauf werde ich jetzt gewiss nicht erschöpfend antworten können. Das ist eine Thema für einen eigenen Go!Special, oder eigentlich ein Thema für ein ganzes Leben. Aber es ist gut, dass diese Frage kommt, weil das ja immer wieder unsere Erfahrung ist, dass wir das Gefühl haben, dass unsere Bitten und Gebete zu Gott scheinbar unerhört bleiben. Vielleicht jetzt nur so viel: Die Frage nach dem „Warum“ wird niemand von uns wirklich befriedigend beantworten können. Worauf ich aber vertraue ist: Gott meint es nicht schlecht mit mir. Und er ist auch kein Wunscherfüllungsautomat. Wenn ich in einer Beziehung lebe, dann ist mir ja nicht die Frage am wichtigsten: Wie bringe ich den anderen dazu, etwas Bestimmtes für mich zu tun? Genau so ist es auch in der Beziehung zu Gott.

Aber es bleibt auch dabei: Dass ich manchmal unter dem, was mich bedrückt, auch leide, dass mir Schlimmes widerfährt und ich mich daraus nicht so einfach wieder aufrappeln kann, das kann man mit ein paar Worten jetzt nicht so einfach beiseite schieben.


Kann ich Gott mit meinem Gebet auch verärgern, zum Beispiel wenn ich für „böse Dinge“ bete?

Ich finde es eine schöne Vorstellung von Gott so menschlich zu denken, dass ich mir vorstelle, dass er sich freut, enttäuscht ist oder auch sich ärgert. Aber hinter dieser Frage steht ja vielleicht die Befürchtung, wenn ich Gott mit einem falschen Gebet verärgere, dann bekomme ich von ihm hinterher die Quittung in Form einer Strafe oder so. Das glaube ich nicht. So billig oder gedankenlos würde ich ja auch nicht mit einem guten Freund oder mit meinen eigenen Kindern umgehen wollen.


Soll ich beten, auch wenn ich überhaupt kein Bedürfnis danach verspüre?

Wenn mir das Beten und die Beziehung zu Gott überhaupt wichtig ist, dann halte ich viel davon, das Beten nicht davon abhängig zu machen, ob meine Stimmung danach ist, oder ob ich zufällig noch fünf Minuten übrig habe, in die ich das Beten hineindrücken könnte. Das kann man gut daran sehen, wie die Mönche im Kloster, also Menschen, die intensiv mit Gott leben wollen, das machen: Da ist das Beten viel weniger Kunst als vielmehr Handwerk. Da gibt es feste Zeiten für das Gebet, zu denen gebetet wird, egal ob sich der Einzelne gerade danach fühlt.


Wie kann ich von Gott Antwort erhalten? Woran merke ich, dass Gott mein Gebet erhört hat?

Ich glaube, Gottes Antwort erreicht mich auf ganz unterschiedlichen Wegen. Mir ist es wichtig, in der Zeit mit Gott auch bewusst Zeit einzuplanen, um auf Gott zu hören, also zum Beispiel ein Bibelwort oder die Losung des Tages zu bedenken und auf mich wirken zu lassen. Manchmal erlebt man eine Antwort auf ein Gebet ganz unmittelbar, etwa wenn ein Wunsch sich erfüllt oder ein Problem sich löst. Manchmal ist es eher eine Sicherheit, die ich gewinne, einen bestimmten Weg einzuschlagen. Manchmal entdeckt man eine Antwort erst im Nachhinein, wenn man eine Entwicklung in seinem Leben betrachtet und entdeckt: Das war Gottes Antwort auf mein Gebet von damals.


Ich würde gerne das Tischgebet zu Hause wieder einführen, geniere mich aber ein wenig, vor allem wenn Gäste da sind, die das nicht kennen.

Mein Vorschlag: Es muss nicht gleich ein langes, ausformuliertes Gebet sein. Für mich dient ein Tischgebet dazu, zu Beginn des Essens innezuhalten und sich bewusst zu werden: Es ist nicht selbstverständlich, dass wir an einem gedeckten Tisch sitzen und alle satt werden. Also: Wenn Sie sich zu Beginn des Essens die Hände reichen und sich eine gesegnete Mahlzeit wünschen, kann das schon eine Form eines Tischgebetes sein. Und das würde ich auch mit Leuten machen, die zu Gast sind, und ihnen sagen: Wir fangen unser Essen immer auf diese Weise an.


Wenn ich glaube, dass Gott schon seinen Pläne für mein Leben hat, warum soll ich dann noch beten?

Weil Beten mehr ist, als Gott zu irgendetwas bringen zu wollen. Und weil ich ja vielleicht auch von Gottes Plänen für mein Leben erfahren will. Und schließlich sage ich in einer Beziehung, zum Beispiel zu einem guten Freund, ja auch nicht: Du weißt schon so viel von mir, also brauchen wir nicht mehr miteinander zu reden.


Manchmal bezweifle ich, dass Gott all die Gebete von allen Menschen überhaupt erfassen kann.

Dafür ist Gott Gott und ich nur ein Mensch, dass ich das jetzt nicht logisch erklären kann. Es ist mir ein ganz wichtiger Glaube, dass ich mein Leben nicht stumm ertragen muss sondern mit Gott als dem Grund meines Lebens in Kontakt kommen und in Kontakt bleiben kann.


Zu wem bete ich als Christ: zu Gott oder zu Christus?

In Jesus Christus hat sich Gott ein menschliches Gesicht gegeben. Wenn ich Christus begegne, begegne ich Gott. Darum kann ich auch zu Christus beten, genauso wie ich auch zum Heiligen Geist beten kann, der ebenfalls Gott ist.


In Freundschaften ist es doch so, dass es nicht allein nur die Worte sind, die eine Freundschaft ausmachen, sondern auch das, was dahinter steckt. Ist das auch mit Gott so?

Ganz bestimmt ist das auch mit Gott so. Die Freundschaft mit Gott wird Auswirkungen haben, auf die Art und Weise wie ich mit Gott rede, aber auch auf das, was ich tue und wie ich lebe. Die Freundschaft mit Gott betrifft und verändert mich als Mensch und mein ganzes Leben.


Wissen Sie wer in Rom oder in Köln am anderen Ende der Leitung ans Telefon gegangen wäre, und wofür das Geld für das Gespräch verwendet worden wäre? Und warum gibt es das Telefon mit dem Ortsgespräch hier in St. Paulus inzwischen nicht mehr?

Dass es ein Ortsgespräch zu Gott ist, das ist natürlich hier in St. Paulus immer noch so. Aber dass es nur ein Telefon gibt, also nur eine Leitung zu Gott, das haben wir inzwischen hier in St. Paulus verstanden, dass es so nicht ist. Ein Glück, dass jeder, der jetzt gerade in dieser Kirche ist, nicht erst zu diesem Telefon gehen muss, um mit Gott zu reden. Und wofür das Geld verwendet wird: Ich weiß es nicht, aber ich vertraue mal darauf, dass es bei Kirchens gut aufgehoben ist.


Wie kann ich ein Kind zum Gebet ermutigen, das sagt: „Meine Mama sagt, ich brauche keinen Gott“?

Ich würde dem Kind erzählen, was ich mit Gott erlebe und wie und warum ich mit Gott rede. Natürlich wird das Kind immer erleben, dass es Menschen gibt, die eine Beziehung zu Gott haben und suchen, und genauso andere Menschen diese Beziehung nicht haben und suchen. Aber deshalb brauche ich mich mit dem Gebet nicht verstecken. Und das Kind bekommt vielleicht auch unabhängig von der Mutter Lust, die Freundschaft mit Gott zu entdecken.


Ich weiß, Gott ist immer bei mir. Manchmal möchte ich aber allein sein. Sollte ich Schuldgefühle haben, wenn ich dann nicht bete? Wäre es gar „Sünde“, wenn ich mich so bewusst von ihm trenne? Wartet er auf mich und mein Gebet?

Ich glaube, Gott wartet auf mich, so wie eine Liebende auf den Geliebten wartet und sich nach ihm sehnt. Natürlich ist der Geliebte ein freier Mensch, und kann die Liebende auch warten lassen. Ich würde da nicht von Schuldgefühlen reden, eher davon, dass ich das Wunder und Abenteurer einer Liebesbeziehung verpasse.


Wie macht man eine Verabredung mit Gott?

Das gute ist, dass es dazu keinen Terminkalender braucht, und Gott nicht Monate im Voraus ausgebucht ist. Gott wird sich Zeit für mich nehmen, wann immer ich dazu bereit bin.


„...wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ - so beten wir im Vaterunser. Wenn es aber Dinge gibt, die ich nicht verzeihen kann, lüge ich dann bei jedem Vaterunser?

Wenn ich das Vaterunser nur dann beten könnte, wenn ich hinter jedem Wort und jedem Satz zu 100 Prozent mit meinem Glauben oder meinem Leben stehen kann, dann könnte ich es nie beten. Ich bete das Vaterunser, um mein Leben und meinen Glauben immer wieder daran auszurichten und mit Gott darüber in Kontakt zu sein. Und wenn ich dann neu über Schuld und Vergebung im Blick auf einen konkreten Menschen oder eine konkrete Situation nachdenke, dann hat das Gebet schon seinen ersten Zweck erfüllt.


Ist es egal, was ich bete oder muss es ein „erlerntes'“ Gebet sein? Wie betet man richtig? Genügt es einfach, am Tag an Gott zu denken und zu danken?

Wie gesagt, beim Beten geht es nicht um richtig und falsch. Es geht um den Kontakt mit Gott, und dazu gehört ja auch, dass ich an ihn denke, dankbar werde, mir Zeit nehme für ihn. Ein vorformuliertes Gebet kann dazu helfen, aber natürlich darf ich mit Gott auch mit eigenen Worten reden.


Würde ohne Nahrung die Seele verhungern? Warum nicht?

Nicht nur unser Körper, sondern auch unsere Seele braucht Nahrung, da bin ich mir sicher, und das wollte ich mit meinem Einstieg zur Predigt sagen.

Kontakt

Spenden

Kircheneintritt

Links

Impressum

Seitenübersicht