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"Kaufst Du noch oder lebst Du schon?" - Die Predigt beim Go!Special am 25. März 2012

Pastor Lutz Tietje bei der Predigt...
...und im Kaufrausch.

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort).

Liebe Go!Special-Freunde,

ganz klar, dass ich heute hier bei diesem Thema mit einer Einkaufstüte hier vorne stehe. Eigentlich aber müsste ich hier stehen so schön eingepackt in Einkaufstüten, wie auf dem Bild an der Leinwand zu sehen ist. Denn ich habe mich gefragt: Wie wäre es eigentlich, wenn ich mein Leben, mich selbst in so eine Einkaufstüte packen würde? Was müsste da alles hinein in meine „Lebenstüte“, damit es ein gefülltes, ein erfülltes Leben ist? Das ist doch die eigentlich entscheidende Frage – nicht unbedingt bei der Shopping-Tour am Samstag, wohl aber bei der Shopping-Tour des Lebens. Was muss alles in mein Leben hinein, damit es gefüllt und erfüllt ist?

Das es nicht genügt, nur das in die Lebenstüte zu packen, was man kaufen und mit Geld bezahlen kann, das ist uns allen doch klar. Wir kennen alle die Geschichten von denen, die im Lotto Millionen gewonnen haben und trotzdem nicht glücklich damit geworden sind. Wir lesen ständig die Storys von dem Prominenten, die doch alles haben an Geld und Ruhm, eine wirklich prall gefüllte Lebenstüte, und die doch nicht glücklich werden in ihrem Leben.

So wie wir es gerade von der Sängerin Whitney Houston erfahren haben, die ein gefeierter Star war, die doch eigentlich alles hatte, was man sich wünschen kann, und die dann – vollgepumpt mit Drogen und Medikamenten – in einer Badewanne ertrinkt.

Und trotzdem holt uns das und holt auch mich das immer wieder ein: Die Schnäppchenjäger-Mentalität. Das Gefühl, das was ich kaufen und besitzen kann, macht mein Leben reich und sicher und wertvoll. Und die Werbung um uns herum hört nicht auf, uns das immer wieder vor Augen zu führen, mit allen Mitteln und nach allen Regeln der Kunst. Denn das sitzt scheinbar ganz tief in uns drin, dass doch etwas dran sein muss an der Erkenntnis: „Haste was, dann biste was“.

Es gibt einen Werbeslogan, über den sich vor einiger Zeit viele aufgeregt haben, der es aber in seiner Weise auf den Punkt bringt: Der Werbeslogan einer großen Elektronikmarkt-Kette, der hieß: „Geiz ist geil“. Das kleine Wörtchen „geil“ bringt es auf den Punkt: Wir wollen doch alle ein „geiles“ Leben führen. Es muss etwas „geiles“ in meine Lebenstüte hinein. Dieses Wörtchen „geil“ ist ja austauschbar: Es muss etwas in mein Leben hinein, das mich einem besonderen, und auch besonders wertvollen Menschen macht. Etwas, an dem ich erkennen und spüren kann: Ja, ich bin wer!

Es gibt ja heutzutage auch ganz seriöse Forscher, die sich mit unserem Thema beschäftigen. Ich habe von einer Studie der Havard Universität in den USA gelesen, in der Psychologen und Soziologen als Glücksforscher untersucht haben, was eigentlich dran ist an dem Satz, das Geld glücklich macht. Sie haben Menschen gefragt und gestestet, die viel Geld haben und ausgeben und solche, die nur wenig Geld haben. Und das Ergebnis der Studie war eine Rangliste von Empfehlungen, wie man mit seinem Geld umgehen muss, so dass es möglichst glücklich macht.

An erster Stelle der Empfehlungen steht der Tipp: Geben Sie Ihr Geld für Erlebnisse aus! Das Beispiel, das die Forscher dazu anführen, ist das Beispiel des Urlaubs: Es muss gar nicht der Urlaub in der kostspieligen Traumvilla sein oder die Reise bis auf die andere Seite der Erde. Sondern wichtiger ist, was man im Urlaub erlebt. Und was für den Urlaub gilt, so sagen die Forscher, gilt auch für das Leben. Es müssen Erlebnisse, besondere Erlebnisse in die Lebenstüte hinein.

Das leuchtet mir ja nun unmittelbar ein, dass Erlebnisse mein Leben reich machen. Aber wie verquer und um die Ecke gedacht ist es, zu meinen, ich bräuchte dafür Geld, um Erlebnisse zu haben, und ich könnte mir mit Geld solche Erlebnisse beschaffen? Da frage ich mich doch: Wie kaufe ich mir einen Sonnenuntergang? Wie kaufe ich mir das Lied der Amsel, das mich morgens früh durch das geöffnete Fenster weckt? Wie kaufe ich mir den Satz „Ich liebe Dich“? Wie kaufe ich mir das Erlebnis, bei der Geburt eines Kindes dabei sein zu können?

Der Tipp, der Glücksforscher, der an zweiter Stelle steht, lautet: Geben Sie Ihr Geld aus, um anderen Menschen zu helfen. So stellen sie eine Beziehung zu anderen Menschen her und fühlen sich verbunden. Auch das leuchtet mir ein: Natürlich machen mich die Beziehungen zu Menschen an meiner Seite reich. Aber wie sehr um die Ecke gedacht ist das eigentlich, dass ich dazu Geld brauche. Wie kaufe ich mir Beziehungen, die mich tragen, und wirkliche Gemeinschaft mit Menschen, die mir zur Seite stehen?

Es bleibt bei dieser Frage: Wie fülle ich meine Lebenstüte? Wie kommt so etwas wie Erfüllung, Glück, Sinn und Anerkennung in mein Leben hinein?

Die Werbung hat sich ja längst darauf eingestellt, dass das unsere eigentliche Frage ist. Den Werbefachleuten ist klar, dass sie mir nicht nur ein Produkt andrehen müssen, sondern auch ein Lebensgefühl. Egal ob es sich um ein Auto, eine Zigarette oder ein Parfüm handelt, immer geht es auch um ein Lebensgefühl. Wenn ich ein schickes Auto kaufe, dann kaufe ich eben nicht nur einen Haufen Blech oder ein Wunderwerk der Technik, sondern ich kaufe ein Stück Freiheit, ich kaufe den Spaß am Leben oder ein Statussymbol.

Es gibt eine wunderbare Geschichte in der Bibel (Markusevangelium, Kapitel 10, Vers 17 bis 27), die erzählt wie ein Mensch mit seiner Lebenstüte zu Jesus kommt und ihn danach fragt, wie er sie denn am besten gefüllt bekommt. In dieser Geschichte kommt der Satz vor, der inzwischen zu einem Sprichwort geworden ist. Jesus sagt: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in Gottes Welt kommt.“

Ausgangspunkt dieser Geschichte ist eben dieser Mann, der Jesus fragt: Wie mache ich das, dass mein Leben gefüllt, erfüllt ist, mit etwas, das nicht vergeht? Was muss ich tun, um wirklich ein erfülltes Leben zu haben? Was muss in mein Leben hinein, was nicht schon morgen wieder vergeht oder ein Update braucht? Genau diese Frage stellt der Mann Jesus. Er formuliert sie etwas anders, etwas altertümlicher vielleicht, aber es ist genau diese Frage nach einem erfüllten Leben. In der biblischen Formulierung fragt der Mann: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu bekommen?“

Ewiges Leben. Hinter diesem Wörtchen „ewig“ steckt die eine Angst, die uns alle umtreibt, und die wir uns so selten klar machen: Was muss ich tun gegen die Angst vor dem Tod? Was muss in dieses Leben hinein, wenn doch alles, was ich je hinein tun könnte, vergänglich ist? Was muss ich tun, wenn ich doch von allem, was ich kaufe und besitze, am Ende nichts mitnehmen kann?

So fragt dieser Mann. Und Jesus sagt: „Du bist doch ein frommer Mann. Du weißt doch, was in der Bibel steht. Was liest du da?“ Der Mann antwortet: „Da lese ich die Gebote, die Gott uns gegeben hat: Du sollst nicht töten. Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht stehlen. Diese Gebote habe ich alle gehalten!“ So sagt es der Mann, als wäre das Leben dadurch reich, dass wir eine bestimmte moralische Leistung erbringen. Als könnten wir uns den ewigen Reichtum unseres Lebens dadurch erarbeiten, dass wir uns an bestimmte moralische Regeln halten.

Jesus antwortet ihm: „Sehr gut. Aber eins fehlt Dir noch: Verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Dann wirst du einen unverlierbaren Besitz haben bei Gott. Und dann komm und folge mir nach.“

Da wurde der Mann ganz traurig, drehte sich um und ging fort. Denn er war sehr reich.

Das war wohl das allerschwerste, was Jesus von dem Mann verlangen konnte: Loszulassen, was er besitzt. Und ich merke das auch bei mir selbst: Das ist das Allerschwerste – loszulassen. Loszulassen, was ich besitze, weil es mir doch Sicherheit gibt – denn wie sonst sollte ich mein Leben füllen? Das ist die Frage nach meiner Angst, ich könnte zu kurz kommen in diesem Leben. Das ist das eigentlich Provokative an dieser Frage: Was kannst Du loslassen von den Dingen, von dem Besitz, von dem du meinst, es garantiere dir ein erfülltes Leben? Was kannst Du loslassen, um wirklich das Leben, erfülltes Leben zu finden? Um dich nicht nur auf das zu verlassen, was du besitzt und was du dir erarbeitet hast, was du meinst dir verdient zu haben, und was doch morgen vergehen kann? Was kannst du loslassen, um dich selbst zu finden?

Das ist es, was Jesus diesen Mann fragt. Und alle, die das miterleben, sind erschüttert und betroffen. Sie sagen: Das ist zuviel verlangt. Das ist ja menschenunmöglich, das wir so radikal loslassen, dass wir unsere Lebenstüte, die wir mühsam gefüllt haben, wieder auskippen, dass wir alle Sicherheit aufgeben und dann wirklich uns selbst finden, das finden, was uns wertvoll macht und unser Leben wirklich füllen kann.

Jesus sagt: „Mag sein. Mag sein, dass das schwer ist. Dass das menschenunmöglich ist, so loszulassen. Mag sein, dass das für Menschen unmöglich ist, die Lebenstüte wirklich zu füllen. Aber für Gott ist es nicht unmöglich.“

Für Gott ist es möglich, dein Leben zu füllen. Und er hat schon längst damit angefangen. Kannst du darauf, kann ich darauf vertrauen, dass Gott mein Leben füllt? Dass er schon längst dabei ist? Am ersten Tag deines Lebens hat er damit angefangen. Und er tut es jeden Tag neu. Dass ich lebe und heute hier bin, dass ich heute morgen aufgewacht bin, das habe ich mir nicht gekauft und auch nicht durch ein moralisch einwandfreies Handeln verdient. Das, was ich bin, was mich groß und wertvoll macht, das habe ich nur geliehen. Das ist geschenkt von Gott. Das ist geschenkt jeden Tag neu. Geschenkt so wie das Lied der Amsel am Morgen, geschenkt wie der Satz „Ich liebe dich“, geschenkt die Geburt des Kindes, bei der ich dabei sein durfte. Gott füllt mein Leben. Das macht mein Leben groß und wertvoll.

Das, was mich bei dieser ganzen Geschichte vom Kaufen, vom Haben und vom Sein wirklich umtreibt und unruhig macht, ist diese Frage: Schaffst Du es, darauf zu vertrauen, dass du dein Leben geschenkt bekommst, dass du es dir nicht verdienen und durch Besitz sichern musst? Schaffst du es, hinter all dem, was du besitzt und dir meinst, verdienen zu müssen das Leben zu entdecken, das dir schon längst geschenkt ist, und das zu teilen? Den einen Augenblick, in dem du einem anderen Menschen in die Augen blickst. Den einen Augenblick, in dem du den Sonnenaufgang bestaunen kannst. Den einen Augenblick, in dem du weißt: Gott hat längst für mich gesorgt.

Danke fürs Zuhören!

(Pastor Lutz Tietje)

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