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Alle Fragen und Antworten des Kreuzverhörs im Go!Special am 10. März 2013

Pastor Lutz Tietje im Kreuzverhör

Ich denke immer, dass tröstende Worte von mir erwartet werden, Ratschläge, wie man mit dem Leid umgehen soll. Ist das zu rational gedacht?


Es ist auf jeden Fall nicht verkehrt, tröstende Worte zu sprechen oder auch Ratschläge zu geben oder ganz praktisch zu helfen, wenn ein Leidender mich darum bittet. Aber ich glaube, dass all das im akuten Fall vielleicht nicht als allererstes nötig beziehungsweise eine Hilfe ist. Gerade im ersten Moment, im ersten Schock kann es genauso wichtig sein, einfach da zu sein, mit auszuhalten und zu tragen, was es zu tragen gibt.



Was kann ich tun, wenn ich die Mutlosigkeit oder Verzweiflung eines guten Freundes nicht mehr ertragen kann? Darf ich auch einmal eine Pause vom Trösten nehmen?


Ja, natürlich, es kann ja keine Pflicht zum Trösten geben. Wenn da tatsächlich jemand untröstlich ist und mir das selbst eine Last wird, dann würde ich nur nicht einfach so wegbleiben und sagen „Du kannst mir gestohlen bleiben“. Sondern ich würde dem Untröstlichen offen sagen, wie es mir mit ihm geht, und dass ich das Gefühl habe, dass ich nicht helfen kann, oder er sich nicht trösten lassen will.



Was mache ich, wenn ich etwas ganz Schlimmes, zum Beispiel Vergewaltigung, erlebe, über das ich aus bestimmten Gründen nicht reden kann?


Es ist immer schwierig, an dieser Stelle zu einer ganz persönlichen Leidsitutation etwas zu sagen, die ich nur durch ein paar wenige Worte kenne. Soviel möchte ich aber zu dieser Frage sagen: Wichtig ist mir, dass niemand das Gefühl haben muss, mit seinem Leid ganz allein bleiben zu müssen. Wenn kein Freund oder keine Freundin da ist, um darüber zu sprechen, dann kann die Person sich auch einen Pastor oder eine Pastorin suchen, jemand also von dem er oder sie sicher ist, da bleibt alles unter vier Ohren, da kann ich mein Leid teilen und auch mit Gott teilen.



Aber wie kann es sein, dass man eventuell bis zu seinem Lebensende leiden muss? Wenn man psychisch krank ist, oder man hat immer Hoffnung, aber es ist kein Ende abzusehen, auch wenn man darum bittet. Ist das Vorbestimmung? Welchen Sinn macht das?


Ob und welchen Sinn ein Leiden macht, das weiß man im besten Falle immer erst im Nachhinein. Es gibt lebenslanges Leiden, das ich nicht mal eben hier am Bistrotisch erklären kann. Aber ich wüsste nicht, wie man leben kann, ohne nicht auch immer wieder zurückzufinden zu dem „Ja“: Ja, es ist gut, dass ich da bin. Es sind Menschen da, die zu mir stehen und für die ich wichtig bin. Darum geht es doch bei jedem Trost, zu diesem „Ja“ immer wieder zurückzufinden.



Woran merkt auch ein zweifelnder oder ungläubiger sterbender Mensch, dass Gott schon bei ihm, an seiner Seite ist?


Manchmal ist schon die Tatsache, dass man die Kraft und Geduld hat, etwas auszuhalten und durchzuhalten ein Zeichen dafür, dass Gott da ist. Aber es gibt kein untrügliches Zeichen für die Gegenwart Gottes, an dem jeder, auch der, der mit Gott gar nichts anfangen will, erkennen kann, das Gott da ist. Ich möchte es andersherum sagen: Gott ist da, noch bevor ich daran denke, oder auch wenn ich meine, ihn nicht nötig zu haben. Es kommt nur auf meine Augen, die Augen des Herzens an, ihn zu erkennen. Und schon wie wir Menschen miteinander umgehen und wie wir beieinander – auch bei dem Leidenden – stehen, kann etwas von Gottes Gegenwart vermitteln.



Wie kann ich als Christin mit Menschen reden, die nicht glauben und Leid erfahren?


Da sein, zuhören, Leid mit aushalten oder auch ganz praktisch helfen – all das kann ich auch tun, wenn mein Gegenüber mit Gott und dem Glauben nichts am Hut hat. Aber ich kann trotzdem sagen, wie ich die Welt sehe. Ich sage das auch zu Menschen, die nichts von Gott erwarten: Wenn ich heute abend ins Bett gehe, dann werde ich an dich denken und für dich beten.



Kann man Jesus auch ohne Leid erfahren?


Ja, ganz bestimmt. Nirgendwo gibt es dieses Gesetz, dass man erst oder nur im Leiden etwas von Gott erfahren könnte. Das habe ich ja in einem Nebensatz auch versucht, in meiner Predigt zu sagen. Ich wünschte mir viel mehr offene Augen und Herzen, um Gott gerade im dann zu erfahren, wenn es mir gut geht und wenn ich glücklich bin. Denn so – als glücklichen Menschen – hat mich Gott gemeint.



Warum spielen Kinder gerne „Leiderfahrungen“, zum Beispiel durch Schießen mit Softair-Gewehren?


Ich frage mich, ob Kinder durch das Spielen mit Gewehren, Leiderfahrungen spielen, oder nicht eher etwas anderes, zum Beispiel die Erfahrung von Macht und Stärke, oder die Erfahrungen von Siegen und Verlieren. Kinder erleben die Welt ja auch wie sie ist, im Glück und im Leid, und sie verarbeiten diese Erfahrungen und probieren sich aus im Spielen. Das ist wichtig und deshalb spielen sie auch Leiderfahrungen.



Wenn mir etwas Schlechtes passiert, bin ich von Gott enttäuscht – ich glaube doch an ihn! Wie kann ich diese Haltung überwinden?


Ich kann das gut verstehen, dass man manchmal von Gott enttäuscht ist, wenn man Leid erfährt. Mir ist es wichtig, dass dann auch Gott zu sagen und hinzuhalten. Ich will das auch Gott klagen und mich bei ihm beschweren. Aber dass Gott es tatsächlich nicht gut mit uns meint, das ist nur eine Vermutung, die ich genausowenig beweisen kann wie das Gegenteil. Ich kann mich immer nur da hinein flüchten, dass alles, was mir widerfährt, umschlossen ist von Gottes Liebe, und dass ich bei ihm aufgehoben bin auch in all dem, was ich nicht verstehe.



Wenn Gott in Form von Jesus zu einem Menschen wurde, bringt uns das nicht auf eine Ebene mit Gott? Und warum heißt Jesus dann nicht auch Gott? Heißt das dann auch, dass ein Selbstgespräch ein Gespräch mit Jesus ist?


Jesus heißt ja Gott und wird in der Bibel oft so bezeichnet, zum Beispiel als Gottes Sohn. Eben deshalb weil in ihm Gott ganz auf unsere Seite gekommen ist, und die Schreiber der Bibel das mit diesem Titel „Gottes Sohn“ ausdrücken wollten.

Und zu der Frage nach dem Selbstgespräch: Ich glaube, dass alles, was wir sprechen – mit anderen oder mit uns selbst oder mit Gott – und auch unser Schweigen sozusagen vor den Ohren Gottes geschieht. Von daher finde ich das gar keinen schlechten Gedanken, dass auch ein Selbstgespräch ein Gespräch mit Gott ist.



Warum hat Jesus am Kreuz gefragt: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen“?


Das ist unsere Frage, die Jesus da am Kreuz heraus schreit, unsere ganz menschliche Frage mitten im Leid. Und das ist die unerhörte und paradox klingende Botschaft der Kreuzigung, dass Gott in Jesus auch unsere Gottverlassenheit mit uns teilt. Aber gerade darin erweist es sich, dass es nichts, wirklich nichts gibt, was uns von Gottes Liebe trennen kann.



Was kann ich Menschen antworten, die mich fragen: „Warum immer ich? Warum passiert mir immer etwas? Hört das Leid nie auf?“


Ich habe auf die Frage nach dem Warum keine allgemeingültige Antwort und ich glaube nicht, dass es eine solche Antwort gibt. Ich möchte diese Frage aushalten mit dem Menschen, der sie stellt. Ich stelle sie selbst Gott. Und ich mache mich auf die Suche nach dem, was mich und den Fragenden wieder „Ja“ zum Leben sagen lässt.



Wie kann ich Gottes Trost erfahren, wenn ich ihn mir nicht zusprechen kann?


Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Frage richtig verstehe. Ich glaube, dass ich im Leid immer Verbündete brauche, die sich zusammen mit mir ausstrecken nach dem, was mich hält und trägt im Leid. Denn oft genug kann man sich den Trost nicht selbst zusprechen, sondern braucht – im übertragenen Sinne – den Schoß der Mutter, auf dem man sitzen kann bis der Schmerz nachlässt.



Sollte uns folgender Gedanke nicht auch glücklich machen? Gott hat Gefühle und hat als Jesus gezeigt, dass er leiden kann. Da wir nach seinem Ebenbild gemacht sind, müssen wir (auch) leiden und damit unsere Ähnlichkeit zu Gott erfahren.


Ich möchte den Gedanken weiter führen: Liebe und leiden gehören zusammen. Wir leiden an etwas umso mehr, je mehr wir es lieben. Wenn zum Beispiel ein von uns geliebter Mensch stirbt, leiden wir daran mehr, als wenn wir diesen Menschen gar nicht gekannt hätten. Leiden und Liebe gehört zusammen. Darum erzählt die Bibel auch davon, dass Gott an seinen Menschen leidet, die er liebt. Gottes Liebe erweist sich gerade darin als Liebe, dass er mit uns mitleidet.

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