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„Geschenk des Himmels – Was wir uns wirklich wünschen“ - Die Predigt beim Go!Special am 15.12.2013

Pastor Lutz Tietje (Foto: M. Knoop)

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort)


Liebe Go!Special-Freunde,


ich beginne heute mit einer Beichte. Ich gestehe etwas, was man von einem Pastor so vielleicht nicht erwarten würde: Manchmal geht mir Weihnachten auf den Keks. Ich meine nicht die vielen Lichter, die Weihnachtsmärkte, den Geschenkestress – all das kann ich durchaus genießen. Aber ich ärgere mich, wenn ich merke, dass sich mit dem nahenden Weihnachtsfest Erwartungen einschleichen, die alles unecht werden lassen und mich oder andere Menschen unter Druck setzen. Wenn ich spüre, dass scheinbar zu diesem Fest alles anders, besser, schöner, harmonischer sein muss als sonst im Jahr. Dass ich zum Beispiel, nur weil Weihnachten kommt, an Menschen denken oder beschenken soll, die ich sonst das Jahr über vergesse. Dass ich in diesen Tagen besonders besinnlich sein soll, obwohl ich sonst während des Jahres mir auch nicht fünf Minuten Zeit für mich nehme.


Und weil ich das weiß, dass mich diese übertriebenen Erwartungen ärgern, habe ich mir für diese Adventszeit selbst ein Geschenk gemacht. Das habe ich heute mitgebracht. Ein Geschenk, das mich wieder und wieder auf den Boden zurückholt, das mich an das erinnert, was mir Weihnachten eigentlich wichtig ist. Es liegt bei mir im Arbeitszimmer herum, mal auf dem Schreibtisch, auch mal auf dem Boden. Ich packe es für mich selbst aus und auch wieder ein. Ich habe es mitgenommen zur Andacht im Altenheim oder auch zur Adventsfeier im Kindergarten. [Geschenk auspacken]


Eine Handvoll Stroh. Kein typisches Weihnachts-Accessoire, zugegeben. Da gibt es schönere, die Kerzen und Lichter, das Tannengrün, die glänzenden Kugeln am Weihnachtsbaum. Aber dieses Stroh hier ist mir wichtig, gerade weil es auf den ersten Blick als Symbol für Weihnachten eine Enttäuschung ist.


Eine Enttäuschung war dieses Stroh ja auch damals beim ersten Weihnachten. Für Maria und Josef war es eine Enttäuschung, weil sie sich mit Sicherheit ein anderes Bett gewünscht haben für ihr Erstgeborenes als eine Futterkrippe mit Stroh. Eine Enttäuschung war dieses Stroh für die Hirten, die gekommen waren, um den versprochenen Retter zu sehen. Vielleicht hatten sie die Ehrentitel für den Heiland im Hinterkopf, wie ihn schon die Propheten besungen haben: Wunder-Rat, Gottheld, Friedefürst, Messias. Und sie fanden ein Arme-Leute-Baby, das auf Stroh gebettet war. Maria und Josef und die Hirten erlebten auch die Welt zu Weihnachten nicht anders als sonst, nicht glanzvoll und prächtig, sondern trocken und spröde, eben aus Heu und Stroh.


Und so ist es mit dem Stroh bis heute: Das Stroh sagt nur, wie es wirklich ist. Auch heute ist meine kleine persönliche Welt und die große Welt um mich herum manchmal trocken und spröde und piecksig , so wie das Stroh – auch wenn es Weihnachten wird. Meine Welt ist nicht auf Knopfdruck festlich geschmückt, gemütlich, vertraut und geborgen. Ich wünsche es mir zwar, und ich weiß, dass Viele es sich wünschen. Aber gerade zu Weihnachten wird mir besonders bewusst, was alles nicht glänzt, in der großen und kleinen Welt um mich herum. Da spüre ich besonders die Wunden, die mir das Leben geschlagen hat und merke, was ich vermisse und auch wen ich vermisse.


Ja, Weihnachten ist Wünsche-Land. Weihnachten ist Sehnsuchts-Land. Daran erinnert mich das Stroh, das so trocken ist, wie ich mich manchmal auf dem Trockenen fühle. Das so spröde und stumpf ist, wie mein Leben manchmal alltäglich, gewöhnlich und wenig glänzend ist.


Aber dieses Stroh erzählt auch noch etwas anderes: Auf diesem Stroh kommt Gott zur Welt. Auf diesem Stroh ist er geboren – mitten hinein in die piecksige Welt.


Weihnachten wird es nicht, weil meine Sehnsucht so groß ist, und ich irgendetwas dagegen setzen muss. Sondern Weihnachten wird es, weil Gott Sehnsucht hat nach seinen Menschen und uns nahe sein will. Weihnachten wird es nicht, weil ich mal wieder einen Wunschzettel schreiben will, sondern weil Gott sich seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt: Zur Welt zu kommen, bei mir und dir, bei seinen Menschen zu sein. Hier in dieser spröden, piecksigen Welt sagt er: „Hier bin ich. Da will ich sein. Da will ich Gott sein.“ Für diese Welt, so wie sie ist. Für diese Welt, die eigentlich keinen Platz für ihn zu haben scheint, die schon damals keinen Platz für ihn hatte, so dass er mit einem Stall ganz am Rand vorlieb nehmen musste.


Was für ein Glück, was für ein Geschenk ist das, wenn jemand zu mir sagt: Du bist mir wichtig. Bei dir will ich sein, das ist mein größter Wunsch.

Was für ein Geschenk des Himmels ist das, wenn Gott selbst sagt: Du bist mir wichtig. Bei Dir möchte ich sein, für Dich möchte ich da sein.


Die Engel auf den Feldern vor Bethlehem beschreiben dieses Geschenk des Himmels auf eigenartige Weise: „Das habt zum Zeichen. Ihr werdet finden ein Kind, in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen“. So also kommt Gott zur Welt – nicht die große Show, bei der er die Welt in ein Paradies verwandelt. Gott kommt als Kind. So zeigt er seine wahre Größe. Weil er so, und nur so, unser Herz erreichen kann. Ein Kind rührt immer zuerst unser Herz an. Gott legt sich uns in den Arm als hilfloses, der Fürsorge bedürftiges Kind. So will er unser Vertrauen und unsere Liebe locken. Es geht ihm ums Herz, denn nur wenn sich in unseren Herzen etwas ändert, kann diese Welt anders werden. Es geht Gott ums Herz, und das heißt: Es geht ihm ums Ganze, um mein, um dein ganzes Leben. Dafür muss all der äußere Schein des Weihnachtsfestes, alle Glanz, jede Festtafel und alle liebgewordenen Traditionen durchsichtig werden.


Und Weihnachten ist ja erst der Anfang. Es wird die Sendung von diesem Jesus in der Krippe sein, uns zu zeigen, wer wir wirklich sind. Uns zu zeigen, was es heißt, ein Menschenkind zu sein. Ein Mensch zu sein heißt Gottes Kind zu sein. Gott auf seiner Seite zu wissen und aus dieser Beziehung zu leben. Jesus, auch der erwachsene Jesus ist nicht der Retter, weil er die Welt durch ein paar gute Taten und ein paar schlaue Worte ein bisschen freundlicher und angenehmer gemacht hat. Sondern Jesus ist der Retter, weil er in seinem Tun und Reden den Blick freigelegt hat zu unserem Innersten, zu unserem Herzen, zu dem Grund auf dem wir leben: Gott, der uns nahe sein will.


Auf diesem Stroh wohnt Gott. Und sehen, wo Gott wohnt, heißt den Weg nach innen zu wagen. So wird das Stroh für mich zum Spiegel: Ich sehe mich so wie ich bin. So spröde, manchmal auf dem Trockenen, in einer piecksigen Welt. Und zugleich: Geliebt und beschenkt, von Gott umfangen, und begabt und fähig, zu lieben und selbst für andere zu einem Geschenk des Himmels zu werden.


Deshalb haben wir heute in diesem Go!Special nicht von ungefähr als erstes das Lied „Driving home for christmas“ gehört. Denn Weihnachten ist ein Stück „nach Hause kommen“, „heimkehren“. Zurückfinden zu meinem Ursprung, zum Grund meines Lebens. Und dieses Zuhause, sind Gottes Worte: Ich bin da, für dich da.


Und das habt zum Zeichen: Gott im Kind, im verletzlichen Kind – so wie ich, tief drinnen, immer noch verletzliches Kind bin, das sich gehalten zu sein wünscht, das beschenkt werden will, das heil werden will. Und so werden die Engel es zu dir und mir sagen, wenn es Weihnachten wird: „Siehe, dir ist heute der Heiland geboren“. Da unten, da wo du bist, da wartet Gott schon auf dich.


Danke fürs Zuhören.


(Lutz Tietje)

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