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"Ach du liebe Zeit!" - Die Predigt im Go!Special am 30. März 2014

Pastor Matthias Schlicht
Die Michel-Uhr

James Bond. Pierce Brosnan trägt eine Omega Semaster Armbanduhr, Roger Moore eine Seiko Special, Sean Connery eine Tissot. 1983: Matthias Schlicht trägt eine Michel-Uhr. Damals, ich studierte in Hamburg, wurde der Michel renoviert. Die grüne, markante Kupferhaube musste vollständig ersetzt werden. Da das Geld dafür knapp war, machte man aus dem grünen Kupfer Uhrenspiegel. Für 150 DM konnte man sie kaufen. Da ich ein Uhrenfan bin (nicht nur von James-Bond-Uhren) habe ich mir eine Micheluhr geholt. 150 Mark bedeuteten für mich dann: einen Monat lang in der Mensa Stammessen I. Für die Zeit bringt man eben Opfer.


Die Zeit hat viele Aspekte. Eine Uhr ist ein gutes Gleichnis dafür. Auf der einen Seite ist Zeit der konkrete Zeitpunkt. Den kann ich nicht „packen“, aber genau abmessen. So bezeichnete man früher die Uhr als „Zeitmesser“. So erkenne ich, wann der Go!Special losgeht und wann der „Tatort“ beginnt. Auf der anderen Seite ist Zeit ein besonderer Zeitabschnitt. Auch diese Zeit kann ich nicht „packen“, ich kann sie nur (er)leben und später erinnern. Wenn ich meine Micheluhr anschaue, dann steht mir wieder meine Studienzeit vor Augen. Wie ich Griechisch mit Freimut lernte und Hebräisch mit Gabriele. Wie es in der Vorlesung von Professor Koch oder Professor Lohse war. Welche Stammkneipen ich hatte und wie ich das U- und S-Bahn-Netz auswendig kannte. Zeiten des Lebens durchlaufen wir alle: Kinderzeit, Jugendzeit, Ausbildungszeit. Es gab auch mal eine sog. „Verlobungszeit“. Erinnern Sie sich noch?


Menschliche Erfahrungen mit der Zeit finden sich auch in der Bibel wieder. Da wird auch von den besonderen Lebenszeiten gesprochen. „Alles hat seine Zeit“ im Leben, heißt es im Buch des Prediger Salomos (Kapitel 3). Und dann wird aufgezählt: geboren werden, sterben, weinen, lachen, klagen, tanzen: alles hat seine Zeit. Die Bibel kennt auch den exakten Zeitpunkt. Allerdings nicht mit einer Uhrzeit verbunden (logisch, gab’s ja noch nicht), sondern mit einer bestimmten existenziellen Entscheidung. „Kairos“ heißt das im Neuen Testament. Wenn ich mich für oder gegen Gott entscheide; ob ich diesen oder jenen Weg nehme: der Moment meiner existenziellen Entscheidung ist der „Kairos“. Der eine Zeitpunkt. Sartre, Camus und Simone de Beauvoir hätten sich gefreut.


Nun hat die Bibel noch einen dritten Zeitaspekt. Er wirkt zunächst ungewöhnlich, vielleicht sogar schwierig zu verstehen. Ich versuche es zu erklären. Es geht um die Zeit Gottes. Ein kurzer Exkurs dazu: alle Physiker, die über den Urknall nachdenken, sind sich einig: erst mit dem Urknall ist im Universum die Zeit (und der Raum) entstanden. Vorher gab es keine Zeit! Wir können uns das nicht vorstellen. aber man kann das naturwissenschaftlich beweisen. Die Bibel sagt tausende Jahre zuvor genau dasselbe. Zeit (und Raum) sind erst zu einem bestimmten Punkt „geworden“, sie sind „geschaffen“ worden von Gott. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. … Und es ward Abend, und es ward Morgen: der erste Tag“.


Wenn Gott aber die Zeit schafft, dann ist er vor aller Zeit und um alle Zeit herum. Er hält die Zeit in seinen Händen, ist aber selbst zeitunabhängig. Die Zeit gilt nicht für Gott. „Denn 1000 Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist“. Trotzdem glauben wir, dass Gott in dieser, in unserer Zeit präsent ist. Das Volk Israel hat das im Alten Testament erlebt, die Menschen im Neuen Testament mit Jesus. „Gott ist gegenwärtig“ und doch gleichzeitig mehr als unsere Zeit; um unsere Zeit herum ist die Zeit Gottes gewebt. Unsere Zeit auf Erden ist endlich. Mein erstes Datum ist der 14.12.1961; mein letztes Datum kenne ich nicht. Aber ich glaube, wenn meine Zeit hier in diesem Erdenraum abgelaufen ist, dann finde ich mich in der Zeit Gottes wieder. Dieses Versprechen gilt uns allen.


Ach du liebe Zeit. Wie lange habe ich nun geredet? Übrigens: die Uhr, die ich im Moment am Arm trage, ist eine Sector. Die hat mir zu Beginn unserer gemeinsamen Lebenszeit meine Frau Sandra geschenkt. Die hätte James Bond auch gefallen.

Vielen Dank für’s Zuhören.


Dr. Matthias Schlicht, Pastor

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