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Predigt zum Go!Special am 5. Juli 2015

Pastor Matthias Schlicht bei der Predigt (Foto: Sandra Schlicht)

Am Anfang waren Töne. Diese Töne. - - - Das Erste, was wir gehört haben, war das: Mutters Herzschlag. Unsere ganze Entwicklung ist von diesem Rhythmus geprägt. Er hat uns begleitet, während der ganzen Zeit, als wir entstanden sind.

Dann kamen andere Töne dazu. Jede Mutter, die ein Kind erwartet, summt oder singt des öfteren. Ich hörte dies: - - - das Lieblingslied meiner Mutter. Als ich geboren wurde, kannte ich bereits diese vertrauten Töne. Sie waren in meinem Kopf und Herzen, lange bevor etwas anderes darinnen war.

Dann war mein ganzes Leben von Musik umgeben. Zuhause wurde der Radioapparat „Saba Freudenstadt 125“ sofort nach dem Aufstehen angeschaltet, und erst zum Schlafengehen machte man ihn aus. Udo Jürgens, James Last und die Beatles wechselten sich ab. Klassische Musik gab es nicht, und Musikinstrumente auch nicht. Nur Großvater hatte sich ein Schifferklavier zugelegt und selbständig gelernt. Und Mundharmonika.

Wenn wir in die Welt hineingehen, werden wir in der Grundschule mit Musikunterricht konfrontiert. C-Flöte. Es war schrecklich – und bei mir nachhaltig erfolglos.

Beeindruckender war dagegen das alljährliche Schützenfest. Wenn der Spielmannszug kam, hörte man das schon von weitem. Viele sind davon fasziniert. Warum eigentlich? Erst Jahre später las ich bei Konrad Lorenz, dass vor allem bei Männern ein lauter Rhythmus Aufmerksamkeit und Aggression weckt. Das kommt auch bei den Schimpansen vor; nur ohne Spielmannszug.

In der Pubertät hat Musik wieder andere Schwingungen. Endlich darf man auf Feten gehen. Bis 22 Uhr. Fetzige Musik, bei der man so richtig abhotten kann.

Später dann: Romantisches. Und dazu Engtanz mit Ulrike Meyer. Musik macht Stimmung und drückt Stimmung aus. Musik geht in’s Herz und kann Herzliches ausdrücken. Sie kann Gefühle ausdrücken, die manchmal schwer mit Worten zu sagen sind.

Die Bibel ist voll von Musik. Wir können sie nicht hören, aber nachlesen. Die Texte von Liedern sind dort abgedruckt. Sogar die älteste Überlieferung im Alten Testament ist ein Lied:  das Loblied, das Mirijam gesungen hat, nach der Befreiung Israels aus Ägypten. Die Psalmen sind eine einzige Musiksammlung, Lieder zum Singen im Tempel von Jerusalem,
begleitet von Harfe und Trommel, Flöte und Schellen. Die Psalmlieder besingen fast die ganze Gefühlswelt von Menschen: Dank und Lob an Gott, Klage über andere und Anklage Gottes, Kummer und Not finden Ausdruck, ebenso Aggression und Angst, Hoffnung und Zuversicht. Und auch die erotische Liebe wird besungen: im Hohelied der Liebe.

Gefühle, Leben, Glaube, Religion und Musik. All das passt zusammen, es fügt sich zusammen. Es bildet sich gegenseitig ab. Gefühle, Leben, Glaube, Religion und Musik. All das bildet sich gegenseitig ab und ergänzt einander. Schade, dass uns die Töne der biblischen Lieder nicht überliefert sind. Die Notenschrift, die Notation, wie wir sie heute kennen, hat sich erst spät und langsam entwickelt. Noch im 7. nachchristlichen Jahrhundert hieß es: „Wenn die Töne nicht von den Menschen im Gedächtnis behalten werden, vergehen sie, weil sie sich ja nicht aufschreiben lassen.“ (Isidor von Sevilla)

Schade. Doch auch wenn uns die biblischen Flötentöne fehlen, ahnen wir doch hinter der Hochachtung der Texte, wie schön sie gewesen sein muss; wie mächtig, auf ihre Weise.

Und wie ist das mit der Ohnmacht? Musik kann auch anders sein. Aufstachelnd. Anstachelnd. Hart. Fast schon gewalttätig. Streitlust weckend. Dann fühlen wir uns ihr ohnmächtig ausgeliefert. Und können nur versuchen, wegzuhören. Wenn es denn geht. Denken wir  nur an die Weihnachtslieder in den Kaufhäusern im Advent.

Diese Art der Musiküberflutung finde ich abstoßend, gerade weil die Musik zu Weihnachten so wichtig ist. Denn Weihnachten ist ohne Musik nun wirklich undenkbar. Wenn die Engel den Hirten die Botschaft bringen, stelle ich mir die Felder voller Töne vor: Töne bis zu den Sternen. Und Maria bewegte alle diese Worte in ihrem Herzen. Und wohl auch die Töne, die damit verbunden waren. Hielt ihr Kind Jesus dabei im Arm, und Jesus hörte ihren Herzschlag.

Irgendwann, so Gott will, sind wir alt. Alt und so dünnhäutig, dass auch wir ihn wieder hören: Den Urrhythmus des Lebens. Diesmal: unseren eigenen Herzschlag. Und dann: …

Was werden wir danach hören? Manche sagen: Genau das! Nämlich nichts. Stille. Unendliche Stille für immer.

Ich glaube das nicht. Mit Dietrich Bonhoeffer glaube ich an eine jenseitige Musik, eine göttliche Sphärenmusik, die mit Worten nicht zu beschreiben ist. Mit Dietrich Bonhoeffer glaube ich: Wenn sich die Stille dann tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet. All deiner Kinder hohen Lobgesang.

(Matthias Schlicht)

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