Aktuell
Wer wir sind
Gottesdienst
Go!SpecialDas KonzeptDas TeamGo!Special GlaubenskursRückblick
Glaube
Aktivitäten
Paulz
Jugend
Kindertagesstätten
Service
Home > Go!Special > Rückblick > 2015-12-13 > 2015-12-13_Predigt

Predigt im Go!Special am 13.12.2015 "Früher war alles... genauso!"

Pastor Lutz Tietje

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort)

 

Liebe Go!Special-Freunde! „Nächstes Jahr machen wir es aber ganz anders“ - der Vorsatz, mit dem eben das Theaterstück endete, ist doch zum Scheitern bestimmt. Oder, was meinen Sie? Zu sehr kleben am Weihnachtsfest all die Traditionen und Gewohnheiten, die einen durch Generationen begleiten.


Manchmal reicht es noch, um darüber zu lachen. So wie es mir ging in einem Gespräch mit einem Zeitgenossen vor einigen Wochen. Wir unterhielten uns über dies und das, und dann sagte er mir: „Also, ich bin ja nicht oft in der Kirche, aber einen Tipp möchte ich Ihnen doch geben, Herr Pastor, wenn ich darf: Sie Sie müssen mal die Dekoration in ihrer Kirche ändern. Die ist ja immer gleich. Jedenfalls immer wenn ich komme, steht da ein Tannenbaum.“


Alle Jahre wieder... der Baum, der Schmuck, die Geschenke, das Essen, Tante Gundel... Tausend Gewohnheiten, Traditionen, manche davon liebgewonnen, manche davon verhasst. Manches gerät durcheinander, wenn die Familie auseinandergeht zum Beispiel weil die Kinder ausziehen, oder wenn ein lieber Mensch stirbt und nun Weihnachten nicht mehr ist, wie es immer war.


Aber eben auch die Tabus, über die man nicht redet, die Sehnsucht, die man sich nicht zu sagen traut, die Themen, die man lieber nicht anspricht, der Streit, den man jedes Jahr neu zu umgehen versucht.


Dass es Gewohnheiten, Traditionen gibt, aber auch Kommunikationsabläufe, die immer gleich sind, das ist ja nicht nur Weihnachten so. Es gibt solche Muster in unserem Leben und in unserem Verhalten. Um es gleich zu sagen: Kein Weihnachtsbrauch, keine Weihnachtstradition – und sei sie noch so alt oder noch so modern, gewöhnlich oder ungewöhnlich – ist an sich schlecht oder die einzig wahre.

Und: Wir brauchen Muster! Damit wir uns nicht jeden Tag neu überlegen müssen: Putze ich heute die Zähne oder nicht? Damit wir nicht jedes Jahr Weihnachten neu erfinden müssen und uns fragen müssen: Wie feiern wir eigentlich dieses Fest?


Das Problem entsteht erst dann, wenn diese Muster oder Traditionen ein negatives Vorzeichen bekommen, nämlich dann, wenn sie (häufig unbewusst) nicht ehrlich (sondern manipulativ) sind, ein negatives Selbst- oder Fremdbild transportieren, negative Gefühle auslösen oder zu einem toten Punkt führen.


Hinter diesen Gewohnheiten und Traditionen steht meistens eine Sehnsucht, ein Wunsch, der ganz einfach ist. Zu Weihnachten zum Beispiel: Ich möchte es schön haben, ich möchte Zeit haben für Wesentliches, ich möchte Harmonie erleben, mit den Menschen, die mir wichtig sind, ich möchte anerkannt, gewertschätzt werden, ich möchte geliebt werden und Liebe weitergeben.


Wir haben es auf unterschiedliche Weise gelernt, wie wir mit unseren Bedürfnissen umgehen, ob wir uns trauen ehrlich zu sein oder nicht, ob wir uns trauen, überhaupt zu sagen: „Das und das ist mein Bedürfnis oder mein Wunsch“ oder „so oder so fühle ich mich gerade“. Und ob es nicht Tricks gibt, das zu erreichen, was man erreichen will, auch ohne ehrlich zu sein.


Das Theaterstück war ein Paradebeispiel dafür, welche Tricks und Strategien es gibt, Menschen zu etwas zu bringen, Bedürfnisse durchzusetzen oder anzumelden, ohne sie offen auszusprechen. Schmeicheln, schmollen, laut werden, schreien, anpassen, auffallen, lieb sein oder was auch immer. Negativ wird so ein Muster dann, wenn die entscheidende Ich-Botschaft nicht ausgesprochen wird, wenn es negative Gefühle schafft, wenn man immer wieder an die gleichen toten Punkte kommt.


Was also tun?


Ich möchte all diese Verwicklungen rund um Gewohnheiten, Kommunikationsmuster und Traditionen nicht achselzuckend hinnehmen, sondern Ihnen heute zwei Tipps mitgeben, die mir wichtig sind. Und ich will Ihnen auch sagen, woher ich diese Tipps nehme: Aus der Weihnachtsgeschichte selbst! Aus dieser alten Geschichte von Maria und Josef und dem Kind in der Krippe, die wir alle kennen, die wir aber vielleicht kaum noch wahrnehmen, weil sie nur noch schmückendes Beiwerk ist, das halt dazugehört wie die Weihnachtsbaumkugeln von Großmutter, die wir jedes Jahr aufhängen.


Gerade in der Weihnachtensgeschichte von Maria, Joseph und dem Kind in der Krippe werden reihenweise, Erwartungen, Traditionen und Muster über den Haufen geworfen.


Die Weihnachtsgeschichte erzählt von Gott aber nicht so, wie die Menschen damals und wir heute es gewohnt sind. Sie erzählt nicht von dem Allmächtigen, dem Großen, Unbegreiflichen, dem Herrscher, der im Himmel wohnt – und man weiß gar nicht so genau, wo der Himmel ist, sondern man weiß nur, dass man diesen Gott nicht sehen und anfassen kann, und dass er irgendwie nebulös bleibt.


Weihnachten erzählt ganz anders von Gott. Da ist ein Gott, der den Menschen nah kommt, der einer von ihnen wird, der sich sehen und anfassen lässt in einem Kind, einem Menschenkind. Dieser Gott hat eine Mutter, aber eine ohne edlen Stammbaum, sondern ein einfaches Mädchen aus der Provinz aus Nazareth. Der Ort seiner Geburt, kein vornehmer Palast, nicht der Mittelpunkt der Welt, wo es jeder mitbekommt, sondern ein Stall, ganz am Rand der kleinen Stadt Bethlehem, wo die Geburt höchstens Ochs und Esel bemerken. Und die ersten, die es erfahren, sind nicht Könige oder die Cheftheologen, sondern die Hirten, das gottlose Pack, mit dem man sich damals besser nicht abgab.


An der Weihnachtsgeschichte, sozusagen bei Gott selbst lernen, wie wir all den negativen Mustern entkommen. Wenn Sie selbst das Gefühl haben, in einem negativen Muster drin zu stecken: Lassen Sie es, unterbrechen sie es, tun sie etwas unerwartetes und sprechen sie es an.


So wie Gott, der uns nahe sein will, der uns seine Liebe zeigen will. Gott lässt die Muster sein, die immer nur zu einem toten Punkt geführt haben: Nicht mehr: Ja, ihr Menschen habt doch meine Wort, hier in der Bibel – und die Menschen sagen, „Ja, aber das verstehen wir nicht“. Nicht mehr: Ich schicke Euch meine Boten, Engel, Propheten und andere Verkündiger – und die Menschen sagen: „Ja, aber denen glauben wir nicht“.


Gott hört auf mit diesem Muster, er tut das Unerwartete: Er kommt selbst. Als Wesen, das jeder Mensch gern hat und ins Herz schließt, als wehrloses, liebenswertes Baby, das uns menschlich macht.


Deshalb mein erster Tipp, wenn Sie Weihnachtstraditionen haben, vor denen Ihnen graust: Hören Sie auf damit. Tun sie etwas Unerwartetes oder sprechen sie es an.


Und wenn Sie es ansprechen, dann gleich der zweite Tipp, den ich der Weihnachtsgeschichte entnehme: Vermitteln Sie eine „Ich-Botschaft“ und keine „Du-Botschaft“.


Gott kommt nicht zu den Menschen und sagt: Du bist nicht in Ordnung, Du bist ungläubig, oder selbstsüchtig, Du bist so voller Zweifel und moralisch völlig unperfekt – oder was auch immer Gott über uns Menschen denken könnte.


Dass Gott ein Kind wird, dass Gott Mensch wird, ist die radikalste Art „Ich“ zu sagen und gleichzeitig an der Beziehung zum Menschen festzuhalten. Da ist ein Gott, der sagt: Ich will Dir nahe sein Mensch. Ich will nicht ohne Dich sein. Ich will Dein Freund sein. Ich will für Dich da sein, Dein Herz gewinnen.


Weihnachten erzählt davon, dass Gott scheinbar nur eine Sehnsucht hat: Nämlich uns Menschen. Du und ich, wir fehlen ihm. Uns will er glücklich sehen.


Deshalb: hören Sie auf zu Weihnachten den Druck, den Stress, die leeren Traditionen zu ertragen. Und wenn Sie es ansprechen, dann sagen Sie, wie Sie sich fühlen, was Sie empfinden, was Sie sich wünschen. Aber sagen Sie nicht, was der andere Ihrer Meinung nach tun sollte, was er Ihrer Meinung nach falsch gemacht hat oder was er Ihrer Meinung nach ist. Es geht um Ihre Sehnsucht, Ihre Wünsche!


Sagen Sie nicht „Du“, sagen Sie „Ich“. Denn Sie sind nicht der Maßstab, nach dem der andere sich zu richten hat. Aber Sie sind der Maßstab, wie weit der andere Ihnen nahe treten darf und wie weit nicht.


Die Weihnachtsgeschichte und die Bibel insgesamt bindet zwei Dinge ganz nahe aneinander: Wahrheit und Liebe. Lassen Sie nicht zu, dass sich die Liebe gegenüber der Wahrheit oder die Wahrheit gegenüber der Liebe durchsetzt. Sonst zerstören Sie beides. Wenn Sie „um des lieben Friedens Willen“ die Wahrheit verschweigen, wird Ihre Liebe erkalten. Und wenn Sie lieblos dem anderen die Wahrheit um die Ohren hauen, dann werden Sie auch die Wahrheit verlieren. Denn dann wird sie zu einer kalten Rechthaberei. Sagen Sie einander die Wahrheit in Liebe. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Es ist schwer, die Wahrheit zu sagen, und es ist schwer, die Wahrheit zu hören. Aber Jesus sagt: Die Wahrheit wird euch frei machen.


Danke für's Zuhören!


(Pastor Lutz Tietje)

Kontakt

Spenden

Kircheneintritt

Links

Impressum

Seitenübersicht