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"Tiger im Tank - Woher kommt deine Kraft?" - Die Predigt im Go!Special am 5. Juni 2016

Pastor Lutz Tietje

 

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort)

 

„Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann, wenn mein Herz daran glauben kann – dann kann ich es auch erreichen“ So, liebe Go!Special-Freunde, hat Muhammed Ali, der am Freitag gestorben ist, über seine Kraft gesprochen. Der Jahrhundert-Sportler, eine Institution, wenn es um die Frage geht: Woher bekommst du Kraft?


Was hätte ein Muhammed Ali sich wohl ausgesucht bei unserer Auftankstelle? Die Antwort liegt scheinbar auf der Hand: Das Krafttraining, das Schwarzbrot, die Vitamine… Aber Muhammed Ali ist ja nicht nur deshalb so berühmt geworden, weil er ein so austrainierter, körperlich fitter Sportler war. Sondern auch, weil er innerlich, mental so stark war. Mohammed Ali beim Pilgern, bei einer Meditation, das kann man sich vielleicht nicht so recht vorstellen. Wenn ich jedoch das Zitat von Muhammed Ali ernst nehme, dann scheint es so zu sein, dass die Stärkung des innerlichen Menschen viel wichtiger ist, wenn sich das Gefühl einstellen soll: Ich habe Kraft. „Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann, wenn mein Herz daran glauben kann – dann kann ich es auch erreichen.“ Oder wie es in der Bibel steht: Der Glaube (und nicht das Krafttraining) kann Berge versetzen.


Ob nun der Energie-Drink oder die Schreitherapie - Was ist das eigentlich wirklich, was uns Kraft gibt? Und wie funktioniert das mit dieser innerlichen Kraft, die uns so stark machen kann, mit Gott und dem Glauben, der einem Menschen Kraft gibt?


Ich möchte davon erzählen mit einer Geschichte aus der Bibel. Die Geschichte von Elia, einem Propheten, von dem uns im Alten Testament erzählt wird.


Elia war resigniert. Er litt unter einem massiven Burnout-Syndrom, würden wir sagen. Er war ein Eiferer für Gott, jemand, der sich echt eingesetzt hat für seinen Job. Er hat dafür gekämpft, dass das Volk Israel nicht anderen Göttern nachläuft. Er war erfolgreich damit, aber dann bekommt er Gegenwind von ganz oben. Die Königin höchstselbst, die von Gott nichts wissen will, bedroht Elia. Sie droht ihm damit, ihn umzubringen, ihn einfach aus dem Weg zu schaffen.


Da bricht Elia zusammen, innerlich. Dieses NEIN, das er hört, ist zu heftig. Das ist wohl immer der Auslöser einer Krise, dass wir ein NEIN hören, empfinden, erfahren, das uns die Kraft raubt. Bei Elia ist es die Drohung der Königin. Wir kennen dieses übermächtige NEIN aus vielen anderen Krisenerfahrungen:

Die Krankheit, die mich ereilt – ein NEIN zu einem gesunden, glücklichen Leben, wie ich es mir erträume.

Der Unfall, der mir passiert – ein NEIN zu dem Leben wie es bisher war.

Der Ehemann, der von seiner Frau verlassen wird, oder umgekehrt – ein NEIN, eine Absage an den Menschen: Du bist nicht gut genug, liebenswert genug.

Die Arbeit, die mir über den Kopf wächst – ein NEIN. Du schaffst es nicht.


Ausgelaugt. Im Innersten verletzt. NEIN. Elia flieht um sein Leben. Läuft in die Wüste hinein, setzt sich unter einen Wachholderstrauch und sagt: „Ich kann nicht mehr. Lass mich sterben, Gott! Ich bin nicht besser als meine Vorfahren.“


Elia hat aufgegeben. Er stimmt ein in dieses NEIN, das er erfahren hat. Bis heute stellen wir uns in solchen Krisen die Frage: Woher nimmst du in so einer Situation deine Kraft? Die Frage dahinter ist die: Wie kannst es schaffen, wieder ein JA zu hören. Wieder einem JA Vertrauen zu schenken, und nicht einem NEIN?


Ein JA, dass sich vielleicht so anhört: Du bist in Ordnung. Du bist wertvoll. Du bist geliebt, weil du du bist und nicht nur weil du dieses oder jenes geleistet hast. Du kannst etwas.

Und wie kann ich dieses JA nicht nur hören, sondern auch fühlen? Wie kann ich Vertrauen entwickeln auf dieses JA? Ob nun Mohammed Ali, oder Mahatma Gandhi oder Jesus: Diese Menschen haben sich deshalb einen Namen gemacht, weil sie es geschafft haben und gezeigt haben, dass sie aus einem großen JA leben.


Die Bibel erzählt, wie das bei Elia passiert, dass der Kraftlose wieder aufstehen kann. Das erste, was geschieht, wird in der Geschichte von Elia so erzählt:

„Ein Engel kam, weckte ihn und sagte: »Steh auf und iss!« Als Elija sich umschaute, entdeckte er hinter seinem Kopf ein frisches Fladenbrot und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder schlafen. Aber der Engel des Herrn weckte ihn noch einmal und sagte: »Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!« Elija stand auf, aß und trank und machte sich auf den Weg.“


Ganz handfest ist das, was hier geschieht: Es kommt ein guter Freund und sorgt dafür, dass Elia essen, trinken und schlafen kann. Essen, trinken und schlafen!


Die Bibel erzählt also, dass der Mensch in der Krise nicht nur die Meditation, die geistige Stärkung braucht, sondern äußerer und innerer Mensch gehören zusammen: Deshalb ganz handfest: Keine Stärkung ohne die Stärkung des äußeren Menschen. Derjenige, der gerade einen Unfall hatte, braucht nicht als erstes eine Bibel in der Hand, sondern einen Arzt, der ihn behandelt. Diejenige, die gerade einem Schicksalsschlag getroffen ist, braucht eine Freundin, die nicht als erstes eine schlaue Lebensweisheit raushaut, sondern sagt: Komm erst mal rein, setz dich, wir trinken einen Tee zusammen. Ich koche was für dich. Leg dich erstmal hin, schlaf mal ne Runde. Wie wohltuend ist allein das schon! Den äußeren Menschen stärken! Das ist nichts nebensächliches, sondern eine ganz elementare Kraftquelle.


Aber damit ist noch nicht alles wieder gut. „Steh auf und iss! Du hast einen weiten Weg vor dir!“ Ein weiter Weg ist es, aus dem NEIN einer Krise wieder zu einem JA zu finden.


Da kommt also etwas hinzu, die Stärkung des „inneren“ Menschen. Elia geht, so wird erzählt, 40 Tage und Nächte – eine symbolische Zahl in der Bibel für den Weg der inneren Auseinandersetzung und persönlichen Reifung und letztlich – die Begegnung mit Gott.


Den inneren Menschen stärken – das ist, so behaupte ich, immer eine Begegnung mit Gott. Das heißt, was dich wirklich stärkt innerlich, das ist etwas, das kommt von außerhalb. So wie das Allererste JA zu deinem Leben, du nicht selbst, sondern jemand anderes zu dir gesagt hat: Deine Eltern und dein Schöpfer, Gott, der wollte, dass es dich gibt. Im Tiefsten, im Innersten gilt: Du lebst aus einem JA, das du dir nicht selbst sagen kannst. Ein JA, das du dir nicht erarbeiten kannst. Ein JA, das du dir nicht verdienen kannst.


Elia also geht 40 Tage lang und kommt am Berg Horeb an. Dort fragt Gott Elia: „Elia, was willst du hier?“ Und Elia sagt es nochmal. „Herr, ich habe mich leidenschaftlich für dich, den Gott Israels und der ganzen Welt, eingesetzt. (...) Ich allein bin übrig geblieben und nun wollen sie auch mich noch töten.“


Da ist es nochmal, dieses große NEIN, das auf Elia lastet. Gott sagt jetzt nicht: „Ist doch nicht so schlimm, kann doch mal passieren… Stell dich nicht so an. Du musst dich mehr anstrengen. Los jetzt, gib nicht so einfach auf.“


Nein: Gott sagt: „Stell dich dort in diesen Felsspalt. Ich will an dir vorübergehen.“

Die Begegnung mir Gott! Die Stärkung des inneren Menschen kommt aus der Begegnung mit Gott. Von dort kommt das JA, das zu mir gesprochen ist, das ich mir nicht selbst sagen kann. Vom Grund meines Lebens, vom Anfänger meines Lebens, dessen JA ich mich verdanke, dessen JA mich tagtäglich erhält. Beten, Meditieren, zur Ruhe kommen, den Gottesdienst besuchen, in der Bibel lesen, glauben – all das ist Einüben in das Vertrauen, das du gewollt und wertvoll bist. Einüben in das Vertrauen darauf, dass er JA zu dir sagt.


Und wie begegnet dir Gott? Die Geschichte von Elia stellt dazu keine Regel auf, sondern erzählt, wie Gott Elia begegnet. Zuerst kam ein Sturm auf, aber Elia spürte: Gott ist nicht im Sturm. Dann kam ein Erdbeben, aber Gott war nicht im Erdbeben. Dann kam ein Feuer, aber Gott war nicht im Feuer. - Das alles ist das Größer, Besser, Stärker – das alte Leben, das Elia hinter sich lassen muss.


Und dann kam ein „sanftes Sausen“ oder wie man auch übersetzen kann: „der Hauch eines verschwebenden Schweigens“. Gott in einem Hauch von Nichts, so wie Elia sich selbst gefühlt hatte. Aber so, dass Elia spürt: Er ist da. Er ist für mich da.


Und dann bekommt Elia einen neuen Auftrag von Gott. So findet er seine Kraft wieder. Gott, der das allererste JA zu ihm gesprochen hat, und der es Tag für Tag erneuert, der kann etwas mit Dir anfangen. Gott sagt: „Ich bin für dich da.“ Und : „Ich kann dich gebrauchen“. In der ersten Sekunde deines Lebens hat er das zu dir gesagt, und er wird es auch noch in der letzten Sekunde sagen. Spürst du die Kraft, die von diesem JA ausgeht?


Danke für‘s Zuhören.

Pastor Lutz Tietje

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