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Predigt zum Go!Special am 22.10.2017: "Das ist mir heilig! - Woran du dein Herz hängst"

Pastor Lutz Tietje (Foto: M. Knoop)

(Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Es gilt das gesprochene Wort)

 

 

 

Es war an einem Abend,

Als ich kaum 20 Jahr'.

Da küsst' ich rote Lippen

Und gold'nes, blondes Haar.

Die Nacht war blau und selig,

Der Neckar silberklar,

Da wusste ich, da wusste ich,

Woran, woran ich war:


Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren,

In einer lauen Sommernacht.

Ich war verliebt bis über beide Ohren

Und wie ein Röslein hat ihr Mund gelacht.

Und als wir Abschied nahmen vor den Toren

Beim letzten Kuss, da hab ich's klar erkannt:

Dass ich mein Herz in Heidelberg verloren.

Mein Herz, es schlägt am Neckarstrand.


(© Beda und Ernst Neubach)




Liebe Go!Special-Freunde,


das Herz verlieren , das Herz an etwas hängen – eigenartig, dass es scheinbar nichts Schöneres gibt. Dass wir uns das wünschen und es eine große Sehnsucht ist.


Dass es etwas Schönes, Erstrebenswertes sein soll

  • zu verlieren, wo wir doch alle alles gewinnen wollen

  • sich an etwas zu hängen, d.h. zu binden, wo wir doch alle frei sein wollen

  • das Herz, also sein Innerstes, Wesentliches wegzugeben, ohne Angst zu haben, sich selbst zu verlieren.

Ja, obwohl es verrückt erscheint, bleibt unser Herz unruhig, weil es sich verschenken, sich an etwas hängen, sich verlieren will, weil es nicht allein bleiben kann, und deswegen immer auf der Suche ist, nach einem großen „Du“, einem Gegenüber. Scheinbar geht es nicht ohne Hingabe.


Und wenn man mal im Wörterbuch schaut, welche Synonyme es für den Ausdruck „sein Herz verlieren“ gibt, dann findet man da so etwas wie: eine Schwäche haben für, fliegen auf, verrückt sein nach, versessen sein auf.

Alles Ausdrücke, die eher eine Einweisung in die Psychiatrie rechtfertigen würden als das Lob auf einen Menschen anzustimmen, der das wahre, ultimativ glücklich machende Leben gefunden hat.


Das ist uns unheimlich, das kommt uns verrückt vor. Deshalb versuchen wir das unruhige Herz zu beruhigen mit dem Haben und Besitzen, An-sich-reißen und Festklammern. Wir wollen unsere Welt erobern: versuchen, Dinge an uns zu binden, sich die Welt einverleiben, legen wert darauf, dass etwas „uns gehört“, dass wir über etwas das Sagen haben, dass unsere Regeln gelten.

Aber im Tiefsten unseres Herzens wissen wir ganz genau: Die großen und entscheidenden Dinge empfangen wir nur, wenn wir uns hingeben.


Das wird am deutlichsten am Beispiel der Liebe. Liebe ist ihrem Wesen nach Hingabe. Der Schlager vom Herz in Heidelberg macht es deutlich: Liebe ist ein Prozess, bei dem sich ein Mensch verliert an einen anderen. Und gerade indem er sich verliert, findet er sich selbst. Gerade indem er etwas, ja sein Innerstes weggibt, empfängt er.

Das Gegenteil davon, festhalten, besitzen wollen, festklammern, an-sich-reißen – das ist der Tod für die Liebe und jede Beziehung.


Und diese Form von „Hingabe“ hat dann auch etwas damit zu tun, dass wir Sinn finden in unserem Leben. Kein verliebtes Paar auf der Parkbank würde sagen „Das Leben ist sinnlos“.


Und das alles gilt nicht nur für die Liebe, sondern auch für etwas anderes großes, das wir uns alle wünschen: Glück. Die Fachleute definieren „Glück“ ja neuerdings mit einem neudeutschen Begriff: Flow. Glücklich sind wir, wenn wir im Flow sind. Flow bedeutet so viel wie „fließen“ oder „strömen“. Glücklich bin ich, wenn „es fließt“, wenn ich mich verströme, wenn ich eins bin mit dem, was ich gerade tue, oder mit dem was um mich herum ist.


Das scheint eine Art Grundsatz, Grundprinzip unseres Lebens zu sein. Auch in der Natur entdecken wir es, das Prinzip von Saat und Ernte funktioniert so. Ohne die Saat, das Saatkorn in der Erde, das sich verliert und sich dort ja tatsächlich auflöst, gibt es kein Wachsen und keine Ernte. Das ist kein Gesetz, das uns irgendwie auferlegt, aufgetragen, befohlen worden ist, sondern Leben funktioniert so!


Wenn das so etwas Grundsätzliches ist, so etwas Allumfassendes, kein Wunder, dass dann auch Gott dabei ins Spiel kommt. „Unser Herz ist unruhig bis es Ruhe findet in Gott“, hat der Kirchenvater Augustinus gesagt. Und Luther hat es so ausgedrückt: „Woran du dein Herz hängst, woran du dein Herz verlierst, das ist eigentlich dein Gott“. Gott ist also nicht diese eine spezifische Vorstellung von einem alten Mann im Himmel, oder dem großen Bestimmer mit dem erhobenen Zeigefinger. Sondern Gott ist das „Große Du“ an das sich unser Herz hängt, sich verliert, sich hingibt.


Und weil wir alle nichts lieber wollen als unser Herz zu beruhigen und es an etwas zu verlieren, ist es also nicht die Frage, ob ich an Gott glaube oder nicht, sondern an welchen Gott ich glaube.


Wir sind sozusagen „auf (einen) Gott hin“ geschaffen. Welchen Gott also wählen wir als „großes Du“? Welchem Gott geben wir uns hin?

Die Götter, die wir uns selbst suchen, und machen, tun nur so großzügig. Am Ende empfangen wir nichts sondern verlieren alles. Der Graue, der hier vorhin am großen Herz stand, hat es uns eindrücklich vor Augen geführt.Wir alle kennen Beispiele dafür, was dabei heraus kommt: Der total Reiche ist in Wirklichkeit arm dran. Der Mächtige mutiert zum Unterdrücker. Der Wissende ist total herzlos. Der Liebende wird zum Tyrannen.


Deshalb will Luther eigentlich sagen: Häng dein Herz an den, der allein Gott ist, der dich geschaffen hat und dessen Liebe dein Leben trägt. Mehr als Du denkst oder dir das vorstellen kannst. Erwarte nicht von den Dingen oder Menschen dieser Welt, dass sie dich ultimativ glücklich machen, dein Leben retten, dich erlösen.


Den Weg zur Hingabe finden wir aber nicht auf dem Weg des Drucks oder der Moral. Hingabe ist etwas, was von innen kommt. Man erreicht es nicht durch Appelle, sondern durch Vertrauen.

Es bleibt für das unruhige Herz eine Frage des Vertrauens. Schaffst Du es, darauf zu vertrauen, dass du dein Leben geschenkt bekommst? Glaubst du, dass du alles gewinnen kannst, wenn Du bereit bist zu geben? Vertraust Du darauf, dass du fliegen kannst, wenn du auf den Boden unter den Füßen verzichtest?


Danke für‘s Zuhören.

 

(Pastor Lutz Tietje)

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