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Die Predigt zum Go!Special am 3. Juni 2018: "Heiter gescheitert - Wie gehen wir mit Niederlagen um?"

Pastor Lutz Tietje bei der Predigt (Foto: Marion Knoop)

 

Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Drei Punkte in Klammern (...) deuten an, dass hier im Vortrag weitere Erläuterungen und andere Formulierungen gebraucht wurden. Es gilt in jedem Fall das gesprochene Wort. :-)

 

Liebe Go!Special-Freunde!


Ich werde die Bilder nicht los: Weinende Menschen, überall. Wieder und wieder halten die Fernsehkameras drauf: Bitterlich weinende Kinder, die sich ihrem Vater oder ihrer Mutter in den Arm werfen, weinende Frauen und Männer. Im Schock aufgerissene Augen, die den Blick nicht abwenden können.


Es war der 8. Juli 2014: Das 1:7 der Brasilianer gegen Deutschland im Halbfinale der Fußball-WM. Eine desaströse Niederlage für Brasilien (…)


Der Sport schreibt Geschichten wie das wahre Leben.

Wir haben es auch eben im Theater erlebt, beim Has- und Igel-Cup (…) Und der spannendste Moment, wo wir alle gern Mäuschen spielen, kommt hinterher. Eine oder Einer hat gewonnen. Aber wie verkraften die Anderen ihre Niederlage?


Man kann allein an diesem Has- und Igel-Cup, den wir gerade miterlebt haben, viel über das Gefühl der Niederlage und unseren Umgang damit lernen:


1) Druck. Der Druck erfolgreich zu sein. Der Druck: „Was werden die anderen sagen?“


2) Erwartungen. Ob eine Niederlage überhaupt eine Niederlage ist, und wie groß sie ist, das entscheidet sich häufig an den Erwartungen an uns selbst oder ein Ereignis. (…) Beim Has- und Igel-Cup: Wenn die Erwartung da ist, dass ich ganz sicher gewinne, ja gewinnen muss, dann ist schon der zweite Platz eine Niederlage, die einen völlig zerstört. Das Gegenbeispiel ist der, der sich auch über den 5. Platz freut.


3) Schuld. Scheitern ist auch immer mit Schuld verknüpft. „Wer oder was ist schuld an dieser Niederlage?“, ist deshalb eine übliche Frage.


Und hinter all dem lauert die Angst vor einer Erfahrung, die wir auf jeden Fall vermeiden wollen: Das Gefühl: Du bist nichts wert. Du bist nicht gut genug. Du bist nicht geliebt.


Man kann sich fragen, woher dieses Gefühl kommt: Nur wenn Du etwas leistet, nur wenn du etwas gut machst oder gar am besten von allen machst, nur im Gelingen, nur im Optimum bist du wer, bist du gut, bist du geliebt und liebenswert.


Nur allzu häufig verknüpfen wir Stichworte wie „Glück“ oder „Erfolg“ mit anderen Stichworten wie äußerste Anstrengung, hartes Training, Erziehung mit strenger Hand, fehlerloses oder untadeliges Leben. Ich kenne viele, für die das auch im Glauben an Gott gilt. (…) das Bild von Gott, der immer und überall darüber wacht, dass ich mich korrekt verhalte. Ich treffe viele Menschen, die meinen, dass der Glaube (vor allem der Glaube eines Pastors!) darin sichtbar wird, dass ich mich immer und überall vor allem moralisch korrekt verhalte und ein vor allem so ein „guter Mensch“ bin. Ja, schon die Tatsache, überhaupt glauben zu können, ist für viele Menschen eine „Leistung“, die abhängig ist von meinem Training, von meiner Anstrengung, von meinem Intellekt oder von den Umständen unter denen ich lebe.


Aber ich behaupte, dass gerade darin die Wurzel liegt für ein unglückliches Leben und einen unglücklichen Glauben.


Es gibt kein Leben ohne Scheitern. Es gibt keinen Erfolg ohne Niederlage.


Denn:


1) Laufen lernt man nur durch Hinfallen

Bevor ein Kind lernt, zu laufen, ist es ca. 2000 Mal hingefallen. Das sind 2000 Niederlagen vor dem ersten Erfolg!

Leben ist probieren, nicht „du hast nur diesen einen Versuch, und wenn der gelingt, dann weißt du, wie du es immer machen musst, oder wenn der nicht gelingt, dann bist du auf ewig verloren.“


2) Das Gefühl, etwas wert, liebenswert zu sein, lernt man nur durch Vertrauen.


Davon erzählt eine kleine Geschichte aus der Bibel, die eine berührende Geschichte davon ist, wie wie Jesus mit Niederlagen umgeht. (Zum Nachlesen: Johannesevangelium, Kapitel 21, Verse 15-17). Es ist die Geschichte von der Begegnung zwischen Jesus und Petrus, nachdem Petrus Jesus dreimal verleugnet hatte und damit die bitterste Niederlage in seinem Leben erlebt hatte.


Der Evangelist Johannes erzählt, dass es bei dieser Begegnung keine Vorhaltungen von Jesus gegenüber Petrus gibt, auch keine Analyse, wie es zu dieser Niederlage kommen konnte, sondern Jesus stellt dreimal dem Petrus eine kleine Frage: „Hast du mich lieb?“. Petrus antwortet mit „Ja“ und erhält daraufhin (dreimal) den Auftrag von Jesus: „Weide meine Schafe“. (...)


„Hast du mich lieb?“ - Mit dieser Frage hält Jesus an der Beziehung fest zu Petrus, macht deutlich, dass es genau das ist, was im Moment der Niederlage zählt: Am Menschen – und nicht an seiner Tat! - festzuhalten, den Wert eines Menschen nicht aufzugeben. Und in dem „Ja“, mit dem Petrus antwortet, findet er zurück zu dem Vertrauen, dass auch zu ihm selbst „Ja“ gesagt ist. Jesus nimmt dem Petrus dreimal die Schuld und das Versagen und gibt ihm so den unendlichen Wert zurück, geliebt zu sein und lieben zu dürfen.


„Weide meine Lämmer“ - Das sagt ja auch: Ich kann dich gebrauchen. Du kannst etwas tun. Probiere es neu! Gib auf die anderen acht, kümmere dich. Sieh bitte immer genau hin und achte sehr darauf, dass nie jemand verlorengeht, auf welche Weise auch immer (…).


„Glauben“ heißt nicht „etwas leisten“, sondern aus einem Vertrauen leben und aus diesem Vertrauen Kraft schöpfen: Du bist angesehen von Gott und bei Gott, heute und immer. Du bist beim Namen genannt, gerufen, in deinem alltäglichen und oft unscheinbaren Leben wirklich gemeint und gewollt. Dir ist vergeben worden, Gott allein weiß wie oft. Nichts wird dir von Gott je nachgetragen.


So funktioniert aufstehen, wenn wir zu Boden gegangen sind. So schön ist aufstehen.

So schön ist Auferstehung; und so leise kann sie sein. Das ist das Geheimnis von Ostern!


Damit ein Mensch, der unter uns ist, etwas von seiner Furcht verliert, vergessen oder verleugnet zu werden, genügt es oft schon, nur leise „Ja“ zu sagen oder „Ja“ zu zeigen auf die doch in aller Furcht vor der Niederlage auch immer verborgene Frage: Hast du mich lieb?


Es gibt etwas, das macht uns fähig, zu leben in der manchmal schweren, manchmal dunklen Welt:

Dass wir ein „Ja“ hören, dem „Ja“ vertrauen von dem, der uns gewollt und geschaffen hat.

Und:

Dass wir leise „Ja“ sagen oder zeigen all denen, die uns so sehr suchen mit ihrer kleinen Jesusfrage: Hast du mich lieb?

Danke für‘s Zuhören


(Pastor Lutz Tietje)

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