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Die Predigt im Go!Special am 27. Oktober 2019: "Hoffnung haben! Du machst den Unterschied."

Pastor Lutz Tietje (Foto: Marion Knoop)

Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Im Vortrag wurden sicherlich an der ein oder anderen Stelle andere Formulierungen oder Erläuterungen gebraucht. Es gilt in jedem Fall das gesprochene Wort. :-)

 

Liebe Go!Special-Freunde!

Ein kahles Zimmer. Keine Blumen, keine Bilder, nichts Buntes. Nur Tisch und Stuhl. Auf dem Tisch thront auf einem Teller ein Marshmallow, süßes, weißes Zuckerzeug. So wie hier vorn!


Dann werden vierjährige Kinder einzeln in diesen leeren Raum geführt. Ein Erwachsener erklärt ihnen: „Ich werde gleich gehen und dich in diesem Raum allein lassen. Wenn du es schaffst diesen Marshmallow nicht zu essen, bis ich wiederkomme, bekommst Du einen zweiten Marshmallow geschenkt und darfst beide essen.“


Dann wurden die Kinder allein gelassen, für eine kürzere oder längere Zeit. Gefühlt für eine kleine Ewigkeit, die es ja auf Erden durchaus gibt, wenn man warten muss. Sechs Minuten oder manchmal sogar 15 Minuten mussten die Kinder warten.


Manche Kinder lehnten sich entspannt zurück und hatten alle Geduld der Welt und jede Menge Vertrauen. Sie warteten ruhig, bis der Erwachsene zurück kam und sie ein zweites Marshmallow bekamen, und sie wurden nicht enttäuscht.


Manche Kinder beschäftigten sich eingehend mit dem Marshmallow, rochen, fühlten, tasteten und kämpften sichtlich mit sich, es nicht zu essen. Andere Kinder setzen sich ordentlich und kerzengerade hin. Vielleicht kommt der Erwachsene ja schneller zurück, wenn sie sich ordentlich verhalten? Ein Mädchen versuchte, mikroskopisch kleine Stücke herauszufitzeln, die man nicht sah. Ziemlich clever.


Manche Kinder hatten das Marshmallow schon aufgegessen, ehe die Tür überhaupt zu war. Sie warteten nicht eine Sekunde. Schneller als man gucken konnte, war der Marshmallow vertilgt.


Der Psychologe, der sich dieses Experiment für Vierjährige ausgedacht hatte, Walter Mischel, ist berühmt geworden mit diesem Test. 40 Jahre später hat er die dann 44-jährigen Männer und Frauen wiedergetroffen und befragt. Mischel fand heraus, dass statistisch die Kinder, die damals warten konnten, mehr soziale Kompetenzen entwickelt hatten, besser mit Rückschlägen und Enttäuschungen umgehen konnten und langfristigere Ziele verfolgten. Sie hatten also nicht nur damals, sondern im Leben überhaupt ein zweites Marshmallow erreicht.


Ich finde diesen Test faszinierend, weil er zeigt, welch eine Kraft die Hoffnung ist, auch für den jetzigen Augenblick Leben. Welche eine Kraft ist diese Hoffnung: Sie verändert: Das Warten in dem absoluten Vertrauen: Das wird kommen. Das wird gut werden. Nicht nur die Kinder in dem Experiment beeindrucken mich. Sondern auch sonst Menschen, die mit diesem positiven Vertrauen in die Zukunft leben. Und was die Hoffnung bewirkt, wie sie mein Jetzt, mein Handeln beeinflusst:

An den Kindern sehen wir es: Ich suche Zeichen, einen Vorgeschmack, ich ändere meine Haltung, tue das, was ich kann, dafür, dass sich die Hoffnung erfüllt oder wenigstens die Vorfreude steigt.


Die Hoffnung ist eine große Stärke, die Kraft, weiter zu leben. Hoffnung ist der Antrieb für das Leben, sie ist das Leben selbst. Menschen, die keine Hoffnung haben (auf eine positive Zukunft), verlieren die Lust an der Gegenwart.


Diese Kraft ist so wichtig, weil das Leben ja ist wie es ist, nämlich bedroht, alles andere als ein Schlaraffenland, in dem das Schöne, Erfüllende immer von selbst passiert. Wir Menschen machen wieder und wieder die Erfahrung: Vieles im Leben kann einem die Kraft rauben. Man ist müde, man sieht das eigene Elend. Man macht Fehler. Man enttäuscht andere. Man enttäuscht sich selbst. Man sieht Gewalt und Streit darum, wer den größten oder nächsten Marshmallow kriegt.


Und mit all diesen Erfahrungen nimmt die Angst zu. Die Angst, auf das falsche Pferd gesetzt zu haben. Angst, es nicht zu schaffen. Angst, nicht zu überleben. Angst am Ende der Dumme zu sein. Angst raubt einem die Hoffnung. Angst ist das Gegenteil von Hoffnung.


Umso wichtiger ist es die Hoffnung zu nähren und zu düngen, eben wie ein zartes Pflänzchen, das viel Pflege braucht, aber eben auch eine unersetzliche Lebenskraft ist.


Jede Hoffnung braucht einen Grund. Es gibt mehrere Quellen der Hoffnung:


1) Stärke des Wunsches

2) Veranlagung (wir alle kennen, die, für die von ihrem Typ her das Glas eher halbvoll oder eher halbleer ist).

3) Menschen, die uns umgeben, vor allem die normalen Menschen um uns herum, nicht „die da oben“.

4) Erfahrungen, vor allem die persönlichen, nahen Erfahrungen, nicht so sehr die „Weltrevolution“. Diese positiven Erfahrungen kann man sammeln und teilen.

5) Die Zusagen anderer (ganz wichtig, in welcher Beziehung wir zu der „verheißenden“ Person stehen. Es macht einen Unterschied, ob es meine Mutter ist, die mir etwas verspricht oder ein Politiker.)


Wer so auf die Lebenskraft Hoffnung blickt, versteht augenblicklich, warum auch das Christentum im tiefsten eine Religion der Hoffnung ist. Warum glauben, also an Gott glauben, heißt: zu hoffen. „Ich hoffe auf Gott“, das heißt, ich lebe in einer vertrauensvollen Beziehung mit dem Gott, der der Schöpfer dieser Welt ist, der sie gut gemacht hat, und dessen Grundverheißung, die sich durch die ganze Bibel zieht, ist: Alle Geschöpfe sollen dieses Gute erfahren.


Martin Luther hat einmal gesagt: Der Satz „Ich hoffe auf Gott“, ist die beste und kürzeste Zusammenfassung dessen, was Christsein bedeutet, es ist „die Summe der ganzen christlichen Lehre“. Woran erkennt man eine Christin, einen Christen? An der Hoffnung!


Und „christlich“ ist diese Hoffnung, weil sie in Jesus Christus begründet ist und ihre Quelle hat.


In diesem Jesus Christus hat Gott gezeigt, was der Welt blüht. Eine Welt in der Lahme gehen, Blinde sehen, in der jedes Geschöpf und wir Menschen ihren Wert und ihre Würde entdecken und zurückgewinnen. Eine Welt, in wir die Natur, die Schöpfung betrachten, wie einen wundervollen Garten, in dem wir leben, den wir bebauen und bewahren dürfen. Eine Welt, in der, Kinder, die nichts leisten, umarmt werden, in der ich Fehler mache und mir vergeben wird, und ja, auch eine Welt in der Totgeglaubte leben und der Tod nicht das letzte Wort hat.


In Jesus Christus hat Gott gezeigt, wie das Gute in die Welt kommt: Durch einen der anfängt, die Hand zu reichen, ein gutes Wort zu sagen, zu tun, was dem Leben dient. Durch einen, der nicht aufhört, uns Menschen zu rufen: Komm, folge mir. Du machst für diese Welt den Unterschied!


Danke für‘s Zuhören.


Lutz Tietje

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