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Predigt im Go!Special am 9.2.2020: "Ausgepowert! - Schaffe ich meine Arbeit oder schafft sie mich?"

Das hier Aufgeschriebene gibt die frei gehaltene Predigt nicht eins zu eins wieder. Im Vortrag wurden sicherlich an der ein oder anderen Stelle andere Formulierungen oder Erläuterungen gebraucht. Es gilt in jedem Fall das gesprochene Wort. :-)

 

Liebe Go!Special-Freunde!

 

Alles muss zur Ruhe kommen. Nur so entsteht Kraft und Energie für Neues. Neues Leben. Gott selbst kommt zur Ruhe. Selbst Gott legt die Schöpferhände in den Schoß und lässt es gut sein für heute. Welch ein Segen, wenn ich mich ausstrecken kann, Atem schöpfe. Nichts, was mich bedroht. Nichts, was ich tun muss. Nichts, was mich fordert. Nichts, was mir einen Gedanken oder eine Sorge abverlangt.


Gott legt die Schöpferhände in den Schoß und lässt es gut sein für heute.

So beschreibt die Bibel die Burnout-Prophylaxe, die von Gott selbst in diese Welt gebracht wurde.


Unvorstellbar? Unvorstellbar! Wir leben in einer anderen, einer durchgetakteten Zeit. Ich jedenfalls erlebe es: Wieder und wieder gibt es solche Tage, an denen ich es nicht lassen kann. Nicht mal das Sorgen lassen kann. Selbst das Denken kann ich nicht lassen. Dies und das beschäftigt mich. Ich trage es durch die Tage, es begleitet mich durch schlaflose Nächte, es begegnet mir wieder in meinen Träumen. Als ob ich nie zur Ruhe käme.


So leben und arbeiten wir. Und was die Folge davon sein kann, haben wir eben im Theaterstück erlebt, und wir erleben es in unserem Alltag, bei unseren Freunden und Arbeitskollegen wieder und wieder. Zur Erschöpfung der Seele kommt auch die Erschöpfung des Körpers. Stress macht krank auf die Dauer. Denn das was der Stress körperlich bewirkt – also zum Beispiel Anstieg des Blutdrucks, Erhöhung der Atemfrequenz, Erhöhung des Zuckergehalts im Blut, Schwächung des Immunsystems – soll uns ja für den Moment fähig machen einer Krisensituation zu begegnen: also zu fliehen oder zu kämpfen.


Wer also dauerhaft Stress hat, der kämpft dauerhaft oder ist andauernd auf der Flucht. Die Frage an einen „Stressie“ ist also nicht: Wie bekomme ich meine ständigen Kopfschmerzen weg, sondern sie lautet: Wogegen kämpfst du? Wovor läufst du davon? Da geht es – für uns alle stressgeplagten Menschen – ans Eingemachte: Wovor hast du Angst? Warum glaubst du, das du andauernd kämpfen musst?


Es gibt unzählige wichtige und gute Ratschläge zum Umgang mit Stress und wie man dem Ausgepowertsein vorbeugt. Aber es ist eben immer auch ein ganz individuelles Problem, das auch etwas mit meiner Persönlichkeitsstruktur zu tun hat. Deshalb ist es so schwer, die drei oder fünf Tipps zu nennen, die das Ausgepowertsein verhindern und die für alle Situationen und Menschen passen.


Etwas anderes ist mir viel wichtiger geworden, je mehr ich auch bei mir selbst und in meinem Umfeld die Gefahrt wahrnehme, auszubrennen vor lauter Druck und Stress und Zeitmangel. Nicht von ungefähr habe ich am Anfang an die biblische Vorbeugungsstrategie erinnert. Denn der andauernde Stress, die nie enden wollende Arbeit ist keine Naturgesetz. Nein, angelegt in der Natur und in uns ist etwas anderes: Der Wechsel von Tun und Lassen, von Arbeit und Ruhe. Das Aufhören. Das gehört unbedingt dazu. In der Bibel wird schon das Schöpferhandeln Gottes so beschrieben. So hat es Eingang gefunden in die christliche Tradition, und wir kennen das zum Beispiel aus dem dritten Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen.


Das hört sich nun langweilig moralisch an: Den Feiertag heiligen. Das übersetzen viele sofort mit: Du sollst sonntags schön in die Kirche gehen und den Gottesdienst besuchen.


Aber ursprünglich ist weder der Sonntag mit dem Feiertag gemeint, noch die Kirche oder der Gottesdienst mit dem Wort „heiligen“. Sondern Feiertag, das heißt im 2. Buch Mose: Schabbat, der siebte Tag. Und heiligen heißt soviel wie „aussondern, herausholen, tabuisieren“. Du sollst den siebten Tag aussondern, herausholen aus dem Einerlei des Alltags und der Arbeit. Gott macht den siebten Tag zum Tabu. Arbeit ist tabu.


Das hebräische Wort „schabbat“ heißt einfach „aufhören“ (oder auch „feiern“ im Sinne von: sich am Werk freuen). Die älteste Erwähnung des „Aufhörens“ aus dem Alten Testament haben wir schon vorhin im Theater gehört, aus dem 2. Buch Mose. Da heißt es: „Sechs Jahre sollst du dein Land besäen und seine Früchte einsammeln. Aber im siebten Jahre sollst du – schabbat – aufhören… Sechs Tage sollst du deine Arbeit tun, aber am siebten Tag sollst du – schabbat – aufhören.


In den Sabbat-Geboten geht es also nicht um das Tun, auch nicht um das religiöse Tun, sondern um das Lassen, das Aufhören, auf dem ein Segen liegt. Es gibt keine kultische Füllung des Tages! Es geht nur um das Aufhören. Nichts wäre falscher, als den Sabbat/Sonntag durch neue religiöse Pflichten zu einem „religiösen Arbeitstag“ zu machen! Die verordnete Ruhe ist kein Mittel zu einem höheren Zweck, sondern sie ist selbst der Zweck des Gebotes.


In den Sabbat-Geboten gibt es nicht von ungefähr auch den Bezug zur Schöpfungsgeschichte, der uns allen bewusst ist: Auch Gott hat nur sechs Tage gearbeitet, aber am siebten ruhte er. Nun kann man fragen: Warum hat Gott das nötig eine Pause zu machen? Nicht aus Gründen der Regeneration (wie bei uns Menschen), sondern: schabbat. Aufhören. Oder, so kann man das Wort auch übersetzen: feiern: im Sinne von: Sich am Werk freuen. Es gut sein lassen! Am Sabbat segnet Gott das Aufhören bzw. Aufhören-können. Das Feiern, das genießen von dem was da ist, geschaffen ist, erreicht ist. Das Aufhören gehört von Anbeginn der Welt dazu. Es macht das Geschöpf zum Geschöpf. Es gehört dazu, wenn Leben Leben sein soll. Es ist die Vollendung der Schöpfung. Es macht den Menschen zum Menschen.


Das heißt: Wenn Du immer nur am Kämpfen bist, wenn Du 24/7 nur noch arbeitest, dann machst du aus dir eine Maschine, ein totes Ding, bloße Mechanik. Das heißt nicht, dass die Pause die Arbeit ersetzen soll, das Leben also ein ewiger Müßiggang werden soll, sondern: Es geht darum, wieder und wieder Pause zu machen, aufzuhören. Beim genauen Hinhören tut Gott das während seiner Schöpfungsarbeit auch: Am Ende jedes Tages heißt es: Und Gott sah, dass es gut war. Gott tut es jeden Tag: Aufhören. Feiern, was da ist. Es – wortwörtlich – gut sein lassen!


In allem was wir tun und lassen – so sieht es die Bibel – gibt es immer drei Dimensionen:

1. die Beziehung zu Gott

2. die Beziehung zu sich selbst

3. die Beziehung zum Nächsten

Und für alles gilt: Es geht darum, nicht das letzte aus allem herauszuholen, aus dem was uns umgibt, aus dieser Erde und den Mitmenschen und Mitarbeitern das letzte rauszuholen, aus unserer Arbeitszeit und Arbeitskraft das letzte rauszuholen.


Das gilt 1) für die Beziehung zum Nächsten: Das Sabbatgebot sagt es ausdrücklich. Darin sind alle einbezogen (im Sabbatgebot): Söhne und Töchter, Arbeiter und Angestellte, Flüchtlinge, Tiere, sogar das Ackerland. Nicht: das Letzte aus ihnen herausholen, sondern: Aufhören. Feiern, sich an ihnen freuen, sie genießen.

Das gilt 2) für die Beziehung zu Gott: Nicht das letzte aus ihm herausholen, nicht ihm einen perfekten Glauben abliefern, religöse Pflichten erfüllen, um aus Gott als Wunscherüllungsautomat das letzte herauszuholen, sondern wieder und wieder: Aufhören, sich an ihm freuen, an ihm dem Schöpfer, dem Befreier, den, der mich beschenkt.

Und das gilt 3) für die Beziehung zu mir selbst: Nicht das Letzte aus mir herausholen, sondern wieder und wieder: Aufhören! Mich gut sein lassen. Was tut mir gut? Zu mir selbst finden.


Alles muss zur Ruhe kommen. Nur so entsteht Kraft und Energie für Neues. Neues Leben.

Selbst Gott kommt zur Ruhe. Danke für‘s Zuhören.


(Lutz Tietje)

 

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