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20.03.2015

"Sieben Wochen ohne" - Spielzeugfreie Zeit im Kindergarten

Mit dem Bus auf große Fahrt.
Wir fahren mit der Eisenbahn.
Unser Flugzeug startet gleich.
Ich brauche keine Kreide.

Sieben Wochen ohne Spielzeug, das hört sich für manche Menschen vielleicht fremd an. Bei uns im Kindergarten heißt es alle zwei Jahre in der Passionszeit:"Sieben Wochen ohne".

Sieben Wochen ohne vorgefertigtes Spielzeug, Materialien im Überfluss, ohne gelenkte Angebote, dafür mit viel Platz für Bewegung, Zeit Grenzen der Langeweile zu überwinden und in Kreativität umzusetzen. Die Herrausnahme des Spielzeugs und der Spielangebote von Erwachsenen für einen begrenzten Zeitraum ist die Methade, eine Situation zu schaffen, in der Kinder Erfahrungen mit ihren Möglichkeiten und Grenzen machen können, in der sie sich im Geschützten Rahmen des Kindergartens "ausprobieren" können.

Muße, Langeweile, Nichts-Tun, nicht funktionieren sind notwendige Pausen, ach denen wir Erwachsene uns oft genug eshnen. Wir sollten unseren Kindern die Gelegenheit geben, diese lebensnotwendigen Bedürfnisse zu erfahren.

Langeweile aushalten und diese in Kreativität umwandeln, so beschreibt es die Idee, die hinter dem Projekt der spielzeugfreien Zeit steckt. Ein Projekt, das aus dem Bereich der Suchtprävention kommt. Das Profekt kann Kindern einen Zeit-Raum und einen Spiel-Raum schaffen, ihre Möglichkeiten und Grenzen zu erproben. Da in dieser Zeit die Aktivitäten und Situationen konsequent von den Kindern ausgehen, können sie die Funktion bestimmter "Lebenskompetenzen" (z.B. Umgang mit Sprache, Beziehungsfähigkeit, verstärkte Wahrnehmung persönlicher Bedürfnisse, Entwicklung von Selbstvertrauen usw.) als sinnvoll erleben und weiterentwickeln. Dazu gehört es auch, einmal zu erleben, dass nicht alles klappt, dass man Fehler macht, dass man auch einmal Frustrationen aushalten muss, ohne dass diese gleich von Erwachsenen ausgeglichen werden.

Kinder sollen lernen, aus der Unzufriedenheit mit einer Situation heraus, Lösungen selbstständig zu entwickeln und nicht durch Ersatzangebote der Situation auszuweichen. Dies können sie jedoch nicht lernen, wenn Erwachsene bei jedem Anzeichen von Langeweile bei Kindern, sofort mit Unterhaltungs- oder Spielangeboten eingreifen. Auch im späteren Leben ist nicht immer jemand da, der uns sofort Frustrationen aus dem Weg räumt.

In der Suchtforschung gibt es viele Hinweise darauf, dass Menschen, die vielfältige Lebenskompetenzen entwickelt haben, die mit ihren Stärken und Schwächen umgehen, die Handlungsalternativen selbst entwickeln können, deutlich weniger suchtgefährdet sind als Menschen, die dies nicht können. Lebenskompetenzen sind "Schutzfaktoren" gegen Sucht.

Nach Ostern,  wird in Absprache mit den Kindergartenkindern entschieden, welche Spielsachen wieder aus dem Keller geräumt werden sollen und welche doch  noch ein paar Wochen dort verweilen dürfen.

 

Birgit Rüther

 

 

 

 

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