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01.02.2019

Acht Jahre lang Pastor und Libero - Pastor Matthias Schlicht verlässt St. Paulus

Pastor Dr. Matthias Schlicht (Foto: Jan Iso Jürgens)

Kurz vor dem Jahreswechsel sorgte die Meldung für große Überraschung: Pastor Dr. Matthias Schlicht wird die St. Paulus-Gemeinde zum 1. März 2019 verlassen, um im benachbarten Kirchenkreis Stade eine halbe Pfarrstelle zu übernehmen.


„Es gab keinen Vorfall oder Ärger, sondern die bei mir langsam anbahnende Erkenntnis, dass Vieles immer schwerer wurde, dass ich am Ende der langen Arbeitstage sehr erschöpft und mein Körper total müde war. Das Einschlafen fiel schwer, ich konnte nicht mehr abschalten“, erklärt der 57-Jährige, als ich ihn in meiner Eigenschaft als Gemeindebriefredakteurin besuche.


Viele intensive Gedanken während seiner vierwöchigen Reha im Schwarzwald, Gespräche mit seiner Frau Sandra, mit den Hauptamtlichen in St. Paulus, mit Freunden innerhalb und außerhalb der Kirchengemeinde führten letztlich zu dem Entschluss, künftig auf die Hälfte seines Gehalts zu verzichten und die Stelle für Vertretungsdienste im Kirchenkreis Stade anzunehmen. Als sogenannter Springer wird er Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Gottesdienste leiten, ist aber in der Regel nicht in Gremienarbeit und konzeptionelle Gemeindearbeit eingebunden.


„In St. Paulus hatte ich acht Jahre mit schöner und auch erfolgreicher Arbeit. Diese Gemeinde hat auf jeder der beiden Pastorenstellen einen Pastor verdient, der 100 Prozent Power einbringen kann. Und ich habe jetzt 50 Prozent verdient, das heißt, dass ich auch mal kürzer treten kann. Meine Stelle bei St. Paulus kann man aber leider nicht auf 50 Prozent zurückstutzen“, bringt er es auf den Punkt. „Es gibt bei einer lebendigen Gemeinde im Hintergrund sehr viel Organisatorisches zu tun. Trotz des enormen Einsatzes unserer vielen Ehrenamtlichen sind die Pastoren die Liberos, bei denen alle Strippen zusammenlaufen. Das ist etwas, was mir viel Spaß machte, allerdings auch Kraft kostet“, gibt Matthias Schlicht zu. „Wenn ich merke, ich habe diese Kraft nicht mehr, dann ist es nur ehrlich, das auch zu sagen. Diese Ehrlichkeit hat die Gemeinde ebenso verdient wie meine Frau und meine Kinder.“


Alles habe seine Zeit. „Man kann Stress auf Dauer nicht überspielen durch Schauspielerei, Kochen und Essen oder durch guten Wein.“ Vieles, was er in der Vergangenheit anderen gepredigt habe, predige er jetzt sich selbst. Als ich meinen persönlichen Eindruck ausspreche, er sei im Laufe der Jahre „weicher“ geworden, widerspricht er nicht.

Lässt sich die Arbeit seiner neuen Pfarrstelle wirklich auf 50 Prozent beschränken? „Die Kirchenleitung kann sich darauf verlassen, dass ich meine Arbeit gut machen werde. Über meine freie Zeit verfüge aber jetzt ich und kein anderer. Da muss ich dann auch hart sein.“ Mit der zusätzlichen Freizeit will er achtsam umgehen.


Privat werden die Schlichts in Buxtehude bleiben. Sie ziehen mit Hund Sam in eine Wohnung im Norden der Stadt, bleiben aber St. Paulus treu – die Umpfarrung ist bereits geplant. Wenn der oder die Neue in St. Paulus sich erstmal in Ruhe eingearbeitet hat, steht Pastor Schlicht gern als Urlaubsvertretung in Buxtehude zur Verfügung.


Aus der Zeit in St. Paulus nehmen Sandra und Matthias Schlicht viele Erinnerungen und tolle Begegnungen mit sowie die Erfahrung, wie viel in dieser Gemeinde möglich ist, „selbst bei total verrückten Ideen“. St. Paulus sei eine moderne Gemeinde, die auf die Menschen zugeht und immer wieder neue Wege findet, sie zu erreichen. Enttäuschungen, dass man irgendetwas in St. Paulus nicht umsetzen konnte, habe es nicht gegeben. Andachten an anderen Orten oder in neuen Formaten, Rainbow-Dinner, Lutherabende, Verkostungen, Bibelabende und vieles mehr haben ihm besonders Spaß gemacht.


Und noch etwas weiß der vielseitige Pastor zu schätzen: „Die Gemeinde hat einen Pastor getragen, der etwas Komödiantisches hat, aber auch ernst sein kann. Schließlich geht es um was – es geht um das Wort, das du dir selbst nicht sagen kannst. Ich konnte hier mit den Traurigen traurig und mit den Fröhlichen fröhlich sein.“


Wie geht es in der St. Paulus-Gemeinde weiter? Alle hoffen, dass die Stelle bald neu besetzt wird. Der Antrag auf Wiederbesetzung der Pfarrstelle wurde deshalb umgehend gestellt. Pastor Schlicht hat keinerlei Zweifel, dass die Gemeinde die Vakanzzeit gut überstehen kann. „Mein Kollege Lutz Tietje ist voll dabei, ebenso Ilse Mörchen. Der Kirchenvorstand ist Klasse, es gibt viele Ehrenamtliche.“


Für die Zukunft wünscht er sich, dass St. Paulus lebendig und vielfältig bleibt, weiterhin Spuren von Frömmigkeit aufgreift und einladende Gemeinde für alle ist. Wenn die Kleine Abendandacht fortgeführt wird, würde er sich freuen. „Aber Erfindungen für die Ewigkeit sind nicht mein Ziel gewesen, sondern einfach, meine Arbeit gut gemacht zu haben.“

 

Anja Stukenbrock


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