Der Himmel über St. Paulus (© St.-Paulus-Kirchengemeinde)

04.10. Lesung mit Florence Brokowski-Shekete

"Mist, die versteht mich ja"

Florence Brokowski-Shekete (Foto: Orlanda/Matthias Purkart)

Lesung wird ein weiteres Mal verschoben

Eigentlich sollte Florence Brokowski-Shekete bereits im Januar aus ihrer Autobiografie lesen, dann gab es wegen der Corona-Einschränkungen einen Ersatztermin am 31. Mai. Nun muss die Lesung wegen der Pandemie ein weiteres Mal verschoben werden, und zwar auf den 4. Oktober 2021, um 19 Uhr in der St.-Paulus-Kirche.

Alle Besucher, die sich bereits angemeldet hatten, werden schriftlich über die Verschiebung benachrichtigt. Im Oktober - so die Hoffnung - kann die St.-Paulus-Kirche voll besetzt sein, denn schon jetzt gab es für die Lesung über 200 Anmeldungen.

Die Geschichte, die Florence Brokowski-Shekete mit St. Paulus verbindet, beginnt im Februar 1969: Ein junges Elternpaar klopfte an die Tür von St.-Paulus-Pastor Christhard Schomerus und suchte eine Pflegemutter für sein zweijähriges Kind. Die beiden stammten aus Nigeria und absolvierten ein Studium in Hamburg, das es ihnen nicht ermöglichte, sich selbst ganztägig um ihr Kind zu kümmern. Pastor Schomerus vermittelte ihnen eine alleinstehende Frau, die bereits lange Jahre ehrenamtlich in der Gemeinde tätig war, die Kinder liebte und von der es hieß, dass sie „schwarze Kinder niedlich fände“.

So gelangte die kleine Florence Shekete nach Buxtehude. Zu ihrer Pflegemutter entwickelte sie eine innige Beziehung. In der Nachbarschaft, in Altkloster und in der Kirchengemeinde fühlte sie sich sicher und geborgen. Als Florence neun Jahre alt war, holten ihre leiblichen Eltern sie „nach Hause“ nach Nigeria. Dieses Zuhause war ihr fremd, sie kannte weder die Sprache noch die Kultur, und selbst ihre Familienangehörigen waren ihr unbekannt. Sie sehnte sich zurück nach Deutschland. Zum Glück erkannte eine Lehrerin an der deutschen Schule in Lagos die Not des Mädchens und setzte sich dafür ein, dass Florence zurück in ihre deutsche Heimat kehren konnte.

Sie erlebte in Buxtehude, dass sie als „anders“ wahrgenommen wurde. Immer wieder musste sie die Frage nach ihrer Herkunft beantworten. In ihrem Buch „Mist, die versteht mich ja!“ berichtet sie, wie sich der Alltag einer Frau in Deutschland mit afrikanischer Herkunft anfühlt und welchen rassistischen, diskriminierenden oder auch gedankenlosen Behinderungen und Verletzungen sie ausgesetzt war und ist. Sie beschreibt ihren Werdegang als Lehrerin und Schulleiterin, als Gründerin einer Agentur für interkulturelle Kommunikation bis zur ersten schwarzen Schulamtsdirektorin in Deutschland.